Altacher Champions-League-Träume bleiben unerfüllt

Sport / 26.05.2024 • 18:43 Uhr
ÖFB-Frauen-Cup Altach/Vorderland - Austria Wien
Enttäuschung bei den Altacherinnen nach dem verpassten zweiten Platz. Rhomberg

Die Vorarlbergerinnen erkämpften sich ein dramatisches 3:3 bei der Austria aus Wien. Das Unentschieden reichte allerdings nicht für den Traum von Platz zwei.

Wien Die Ausgangslage an diesem letzten Meisterschaftsspieltag in Wien-Favoriten war klar – ein Sieg ist Pflicht für die Altacherinnen, wollen sie noch eine Chance auf ihr selbsternanntes Ziel Champions-League-Qualifikation haben. Die Vorarlbergerinnen kämpften an diesem Sonntag im Fernduell mit den punktegleich liegenden Spielerinnen der First Vienna (beide 37 Punkte) um den zweiten Tabellenplatz, der neben der Vizemeisterschaft auch erstmalig Champions-League-Fußball in Altach bedeuten würde. Vor diesem letzten Spieltag lagen die Altacherinnen allerdings hinter der Vienna auf dem dritten Rang, da die Wienerinnen das direkte Duell für sich entscheiden konnten. Damit hatten es die Vorarlbergerinnen nicht mehr in der eigenen Hand, sie mussten auf einen Punkteverlust der Vienna gegen Union Kleinmünchen hoffen, um noch vorbeizuziehen. Zwei Varianten für die mögliche Champions-League-Sensation der Altacherinnen – Vienna spielt unentschieden, dann braucht es einen Sieg der Altacherinnen, oder sollte die Vienna das Spiel verlieren, würde den Vorarlbergerinnen sogar ein Unentschieden reichen. Zudem hatte die Spielgemeinschaft noch eine offene Rechnung mit Austria Wien zu begleichen, denn die Violetten aus Wien beendeten vor zwei Monaten die Träume der Altacherinnen vom erneuten Cupfinale. Damals zogen die Vorarlbergerinnen in einem harten Halbfinalfight im eigenen Stadion gegen die Wienerinnen mit 1:2 den Kürzeren und mussten im Pokal die Segel streichen.

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Altacherinnen finden in den ersten 30 Minuten nicht statt

Die Dramaturgie, die dieses Spiel schon im Vorhinein bereithielt, sollte sich bereits in der ersten Hälfte auf dem Spielfeld fortsetzen. In den Anfangsminuten waren jedoch überraschenderweise die violetten Gastgeberinnen das spielbestimmende und druckvollere Team und schnürten die Vorarlbergerinnen immer wieder in deren Sechzehner ein. Die Wienerinnen strahlten von Beginn an aus, dass sie hier unbedingt in Führung gehen wollen. Nach gut 20 Minuten dann beinahe die Führung der Austria, nachdem sich die Wienerinnen sehenswert durch das Mittelfeld kombinierten und eine Violette anschließend alleine vor Dübel zum Abschluss gekommen war, den die Vorarlberger Torhüterin aber mit einem bärenstarken Reflex vereiteln konnte. Trainer Summer versuchte in dieser Phase des Spiels immer wieder lautstark sein Team aufzuwecken und sie zu mutigeren Aktionen zu motivieren. Der Coach spürte wohl, dass ein Tor der Violetten in der Luft lag und er sollte Recht behalten. In der 23. Minute segelte der Ball nach einem Freistoß von halbrechts in den Strafraum und die Bundesliga-Torschützenkönigin Verena Volkmer köpfte zum 1:0 ein. Die Altacherinnen waren sichtlich von der Rolle und es passierte der Worst Case aus Sicht der Gäste, denn sie kassierten direkt nach Anstoß obendrein den zweiten Treffer. Die Austrianerinnen konnten sich über links durchsetzen und eine Flanke vom linken Strafraumeck prallte denkbar unglücklich vom Rücken von Verteidigerin Lisa Maria Metzler ins eigene Tor.

ÖFB Frauen Bundesliga, 18. Spieltag

FK Austria Wien – SPG SCR Altach/FFC Vorderland 3:3

Generali Arena, SR: Kurt Hertelt

Torfolge: 23. 1:0 Volkmer, 24. 2:0 Metzler (Eigentor), 31. 2:1 Schneider, 38. 3:1 Schneeberger, 43. 3:2 Horvat (Elfmeter)

Altach/Vorderland (4-4-2): Dübel; Horvat, Calo (C), Metzler, Albrecht; Pulins (33. Reeb), Schneider (60. Olsen), Bereuter (45. Lins), Tietz; Kofler, Elgass (60. Jaron).

Verrückte erste Halbzeit mit unzähligen Wendungen

Die Trinkpause kurz nach dieser eiskalten Dusche für die Altacherinnen nutzte Summer für eine Ansprache und diese sollte Früchte tragen. In der 30. Minute endlich die erste nennenswerte Torchance der Vorarlbergerinnen, Kofler verpasste einen gefährlichen Querpass nur hauchdünn. Den darauffolgenden Eckball köpfte Sarah Schneider ins Netz und aus dem Nichts waren die Altacherinnen zurück im Spiel, es war nur noch ein Tor Rückstand aufzuholen. Trainer Summer stellte anschließend um und brachte mit Reeb für Pulins eine weitere Offensivspielerin und es war nach diesem Anschlusstreffer ein komplett anderes Spiel und auf einmal trauten sich die Vorarlbergerinnen offensiv Fußball zu spielen. Doch dann setzte es den nächsten Rückschlag. Nach einem sehenswerten Abschluss von Schneeberger landete der Ball von der Latte am Rücken von Torhüterin Dübel und kullerte ins Tor – der alte Zwei-Tore-Abstand war wieder hergestellt. Wer jedoch dachte, dass dieses Spiel nicht noch eine weitere verrückte Wendung nehmen würde, der irrte. Kurz vor der Halbzeit zeigte der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt. Die Torhüterin der Wienerinnen boxte beim Versuch den Ball zu klären, Stürmerin Julia Kofler ins Gesicht und damit hatten die Altacherinnen die Chance, aus elf Metern wieder zu verkürzen. Verteidigerin Sabrina Horvat ließ sich diese Chance nicht nehmen und verwandelte souverän und platziert ins rechte untere Eck zum 2:3. Zeitgleich führte Union Kleinmünchen in Linz mit 1:0 gegen First Vienna, die Altacherinnen trennte zur Halbzeit also nur ein Tor vom sensationellen zweiten Platz. Was für eine verrückte erste Halbzeit!

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Der Ausgleich der Vorarlbergerinnen kommt zu spät

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit wechselte Coach Summer und brachte Rebecca Lins für Anna Bereuter. Die Altacherinnen spielten nun in einem 4-2-4 System und agierten noch offensiver, um den wichtigen Ausgleichstreffer zu erzielen. Die Vorarlbergerinnen waren präsenter, konnten viele Zweikämpfe für sich entscheiden und spielten mutiger als in der ersten Halbzeit. Durch die vorgezogenen Flügelspielerinnen konnten die Vorarlbergerinnen das Spiel breiter machen und die Räume auseinanderziehen, zudem wollten sie damit den Spielaufbau früher attackieren, wie Trainer Summer im Gespräch nach dem Spiel erläuterte. Die offensive Ausrichtung der Vorarlbergerinnen brachte jedoch auch mehr Räume für die Wienerinnen und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Summer brachte nach 60 gespielten Minuten zwei weitere frische Kräfte mit Maria Olsen und Isabella Jaron. Torhüterin Dübel musste in dieser Phase einige Male stark parieren, um ihr Team im Spiel zu halten. Die Vorarlbergerinnen verwandelten eine Viertelstunde vor Schluss eine Ecke beinahe direkt, einzig der Querbalken verhinderte das Traumtor. Es war jetzt ein sehr umkämpftes Spiel, man merkte den Spielerinnen von Altach an, dass sie unbedingt das 3:3 erzwingen wollten und auch die Emotionen auf und neben dem Platz waren greifbar. Um 14:20 Uhr dann jedoch schlechte Nachrichten aus Linz, First Vienna hat im Parallelspiel den Ausgleich erzielt – jetzt bräuchten die Altacherinnen einen Sieg und noch zwei Tore für Platz zwei. In der Schlussviertelstunde probierten es die Vorarlbergerinnen immer wieder über schnelle Umschaltaktionen. Olsen verpasste nur haarscharf den Ausgleichstreffer, nach einer starken Aktion traf sie nur die Stange. Es war der zweite Stangen- bzw. Lattentreffer innerhalb von zehn Minuten, Glücksgöttin Fortuna war in dieser Schlussphase nicht auf ihrer Seite. In der 85. Minute nahm das Spiel abermals eine dramatische Wendung. Die auffälligste Akteurin Olsen schoss ein wahrliches Traumtor, indem sie einen Freistoß von halblinks direkt über alle hinweg ins lange Eck zirkelte. Fünf Minuten vor Schluss waren die Altacherinnen damit wieder zurück im Spiel. Nun hörte man auch einzelne mitgereiste Altach-Fans, die die Spielerinnen auf der Tribüne lautstark anfeuerten. In Linz stand es weiterhin 1:1, somit brauchten die Altacherinnen nur noch ein Tor für die Sensation. Die Spannung in den letzten Minuten kochte fast über, alle Altacher Betreuer sprangen bei jeder Aktion auf und feuerten das Team an. Die Spielerinnen auf dem Platz warfen nochmal alles rein, man merkte allerdings, dass die Aufholjagd viele Kräfte kostete. Am Ende sollte es an diesem Sonntag nicht sein für die Vorarlbergerinnen. Ein dramatisches Spiel endete 3:3 und die Altacherinnen mussten hinnehmen, dass der Traum von Platz zwei mit diesem Unentschieden geplatzt ist.

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Enttäuschung nach bitterem Saisonende

„Wir wollten die drei Punkte unbedingt nach Vorarlberg mit nach Hause nehmen, es tut gerade sehr, sehr weh,“ sagt eine sichtlich enttäuschte Julia Kofler. Trainer Summer meinte im Gespräch nach dem Spiel, dass „der Druck und die Verkrampftheit“ die Gründe für die nervöse erste Halbzeit waren. „Es überwiegt die Enttäuschung. Wir haben einfach zu passiv gespielt, hatten trotzdem eine tolle Aufholjagd, aber wenn man einen Strich darunter zieht, haben wir es nicht verdient, international zu spielen,“ zeigt sich Coach Summer ehrlich. Auf die verpasste Sensation angesprochen, betont Summer, dass man den möglichen zweiten Tabellenplatz und die Champions-League-Qualifikation eher in den vergangenen Wochen liegen ließ, in denen man nicht die gewünschten Resultate erzielen konnte, als in der heutigen Partie. „Es war auf jeden Fall eine gute Saison von uns. Gerade hat es einfach einen bitteren Beigeschmack, weil wir es in den entscheidenden Spielen einfach versemmelt haben,“ so der Trainer. Trotzdem kann man stolz auf die Entwicklung der Mannschaft sein, wie Summer betont, und er blickt schon positiv in die Zukunft: „Zweiter Platz ist auch nächste Saison unser großes Ziel. Wir wollen konsequenter und konstanter werden,“ gibt sich Summer direkt kämpferisch. Zudem war es das letzte Spiel der Vorarlbergerinnen als „SPG SCR Altach/FFC Vorderland“, denn kommende Saison werden die Altacherinnen als „SCR Altach“ und damit mit dem gleichen Namen wie die männlichen Profis auftreten. Vielleicht klappt es ja unter neuem Namen mit Platz zwei.

Niclas Haberlandt