Mit Dominik Schmid endet eine Ära

Sport / 26.03.2024 • 14:28 Uhr
Handballer Dominik Schmid spricht im Interview über sein Karriereende
Dominik Schmid mit Frau Ines und seinen Kindern Jonah und Lina. Paulitsch

Der Hard-Kapitän beendet nach der Saison seine erfolgreiche Handball-Karriere.

Hard, Schwarzach Vor 17 Jahren debütierte Dominik Schmid in der ersten Mannschaft des Alpla HC Hard, seitdem ist der Rechtshänder ein Fixpunkt bei den “Roten Teufeln”. Nur gut eineinhalb Jahre spielte Schmid in Deutschland, ansonsten war er seinem Heimatverein stets treu und gewann mit dem Klub bisher fünf Meistertitel. Ein HC Hard ohne Schmid ist kaum vorstellbar, doch am Ende der Saison ist Schluss für Österreichs Handballer des Jahres 2018.

Mit Dominik Schmid endet eine Ära
Dominik Schmid übernimmt immer noch viel Verantwortung bei den Hardern. Gepa

“Es fühlt sich zum jetzigen Zeitpunkt richtig an. Ich habe zwei Kinder, arbeite halbtags, die Zeit wird immer knapper. Mitte 30 war für mich als Zeitpunkt für das Karriereende immer im Hinterkopf, jetzt ist es so weit”, sagt der inzwischen 34-Jährige. Rund um Weihnachten reifte der Entschluss des langjährigen ÖHB-Teamspielers, der sich parallel zum Sport mit seinem Studium in Liechtenstein und der Ausbildung zum Steuerberater bereits ein zweites Standbein geschaffen hat.

Handballer Dominik Schmid spricht im Interview über sein Karriereende
Dominik Schmid mit Sohn Jonah, der derzeit “lieber Fußballer” werden möchte. Paulitsch

Nach vielen Jahren des intensiven Leistungssports ist Schmid wichtig zu betonen: “Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist, und Handball macht mir immer noch viel Spaß. Aber es fühlt sich trotzdem richtig an, aufzuhören. Auch, weil ich aktuell fit bin.” Dem war nicht immer so. Schmid hatte im Laufe seiner Karriere immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. 2019 zog er sich etwa im Länderspiel gegen Chile eine schwere Schulterverletzung zu und musste operiert werden. Der Rückraumspieler befand sich damals am Höhepunkt seiner spielerischen Klasse und musste monatelang pausieren. Trotz der schweren Verletzung kam der Kapitän der Harder wieder zurück und sicherte sich 2021 mit seinem Herzensverein den fünften Meistertitel.

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Dominik Schmid wurde 2019 bei der WM von einer Schulterverletzung gestoppt. Gepa

Gemeinsam ist es schöner

Der Abschied wird Schmid dennoch schwerfallen, das letzte Spiel in der Karriere wird ganz sicher ein – unabhängig vom sportlichen Ausgang – besonders emotionales, denn neben Schmid verlässt auch sein langjähriger Weggefährte Luca Raschle aus ähnlichen Gründen das Handballparkett. “Wir haben uns immer wieder darüber unterhalten. Es ist schön, wenn man nach so einer langen Zeit gemeinsam aufhören kann”, sagt der 34-Jährige.

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Dominik Schmid und Luca Raschle verbindet seit vielen Jahre eine enge Freundschaft. Gepa

Die Anfänge

Schmid spielte in seiner Jugend auch Tennis und Fußball, doch Handball hatte ihm einfach am meisten Spaß gemacht. Auf dem Weg zum Profi folgte der Harder weniger einem klaren Ziel, seine Leistungen hinterließen früh Eindruck bei den Verantwortlichen. Der damalige Trainer Gerald Gabl holte den Youngster zur Saison 2007/08 in den HLA-Kader. Schmid bedankte sich als 18-Jähriger mit seinen ersten Treffern im Hard-Trikot. Als seine heutige Frau und seine Freunde für das Studium nach Wien umzogen, musste er sich entscheiden, wie es weitergehen sollte. Das war der Moment, als Schmid sich zum Profi-Handball in Hard bekannte. Eine Entscheidung, die er nicht bereuen sollte. 2011 debütierte er unter Patrekur Johannesson in der Nationalmannschaft bei einem Vier-Nationen-Turnier in Danzig. “Es war eine coole Erfahrung”, erinnert sich Schmid. Mit dem Verein eilte er von Erfolg zu Erfolg, 2012, 2013 und 2014 sicherten sich die Harder mit ihrem Eigenbauspieler in tragender Rolle jeweils den Meistertitel. Vor allem der letzte Titel bleibt Schmid in Erinnerung: “Wir hatten das Double geholt, ich bin danach nach Deutschland gewechselt. Es war ein geiles Erlebnis, mich so aus Hard zu verabschieden. Damals war nicht klar, ob ich irgendwann wieder mal zurückkommen werde.”

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Dominik Schmid beim Derby gegen Bregenz 2010 gegen Julian Rauch. Gepa

Die Rückkehr in die Heimat

Schmid, der zuvor eine starke Europameisterschaft in Dänemark gespielt hatte, wechselte nach Deutschland zu Bietigheim. Doch bei den Württembergern entwickelte sich nicht alles nach den Vorstellungen des Harders: “Es war trotzdem eine coole Zeit, wir hatten super Spiele in der besten Liga der Welt. Ich hatte ein paar Verletzungen, dann sind wir aus der Bundesliga abgestiegen und zwischen dem Trainer und mir hat es nicht gepasst.” Im Dezember 2015 löste der damals 26-Jährige seinen Vertrag beim deutschen Klub auf und kehrte nach Hard zu seiner Familie und seinem Verein zurück. Trotz einiger Angebote blieb Schmid ab dann den Hardern treu, es passte einfach zwischen den Teufeln und ihrem Rückraum-Anführer. “Ich bin Handballer des Jahres geworden, weil ich mich in Hard sehr wohlgefühlt habe. Es hat mir hier immer Spaß gemacht. Nur wegen des Geldes wollte ich nicht weggehen, sondern mir lieber hier ein zweites Standbein aufbauen”, beschreibt Schmid, der nach seiner Rückkehr auch handballerisch erfolgreiche Jahre erlebte, “wir haben international gespielt und sind in die European-League-Gruppenphase eingezogen. Das ist sonst nur mit den absoluten Topvereinen möglich.”

Handball EHF European League: Alpla HC Hard vs. Sporting CP Lissabon Dominik Schmid (Hard)
Dominik Schmid im Europacup gegen Sporting Lissabon. Stiplovsek

Der Umbruch

Mit dem Karriereende des Kapitäns endet eine Ära beim siebenfachen österreichischen Meister. Neben Schmid und Raschle hört auch Geschäftsführer Markus Köberle nach über sieben Jahren auf, dazu wechselt Torhüter Constantin Möstl nach Deutschland. “Der Verein muss es als Chance sehen, den Jungen mehr Spielzeit zu verschaffen und sie zu fördern. Für meine Rolle scharrt Lukas Fritsch bereits in den Startlöchern. Ich hoffe, dass sie einen guten Umbruch schaffen”, sagt Schmid.

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Eine letzte Mission möchte der 34-Jährige aber noch erfüllen, der rechte Rückraumspieler möchte sich mit einem Pokal verabschieden. „Wir werden in die kommenden zwei Monate alles investieren, um die Liga und den Cup zu gewinnen“, sagt Schmid, der die passenden Argumente für seinen sechsten persönlichen Meistertitel liefert: “Einige Junge helfen uns bereits sehr, jeder nimmt seine Rolle im Team an. Unser Torhütergespann zeichnet uns aus. Da sind wir ligaweit die besten. Wenn Deckung und Keeper harmonieren, werden wir am Ende ganz oben stehen.” Es wäre die passende Dernière für den Abschied von einem der größten Handballer Vorarlbergs.

Handballer Dominik Schmid spricht im Interview über sein Karriereende
Die Familie freut sich schon auf mehr Zeit mit Papa Dominik. Paulitsch