Eine emotionale Achterbahn: Ramazan Özcans unvergesslicher Moment vor acht Jahren

Im Länderspiel gegen die Türkei unterlief ihm ein folgenschwerer Fehler. Die Erinnerungen sind geblieben.
Lochau Fast auf den Tag genau (29. März 2016) acht Jahre nach seinem Einsatz im Türkei-Länderspiel in Wien wird Ramazan Özcan (39) heute den Test des rot-weiß-roten Nationalteams zusammen mit seinen beiden Töchtern im Fernsehen verfolgen. Unweigerlich kommen da Erinnerungen hoch. War es doch in vielerlei Hinsicht ein emotionaler Abend, damals im Happelstadion.


„Rambo“ war vom damaligen Teamchef Marcel Koller vor der EM-Endrunde in Frankreich für das Spiel gegen das Nationalteam aus der Heimat von Özcans Eltern aufgeboten worden. Es war sein drittes von Beginn an, zugleich das 50. Länderspiel von Marko Arnautovic. Dabei sollte ihm vor dem Siegtreffer der Türkei ein folgenschwerer Fehler unterlaufen. „Ich habe mich bei den Jungs für den Gegentreffer entschuldigt“, sagte er damals nach dem Spiel.
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Heute meint er dazu: „Ich bin ehrlich zu mir selbst und weiß, dass ich in meiner Karriere nicht nur Meistertitel feiern durfte, sondern auch bittere Momente erlebt habe. Sie sind ein Teil meines Fußballerlebens. Im Sport gehören solche Erfahrungen dazu. Und jeder Tormann würde seinen Fehler gerne wettmachen. Wenn ich heute die Wahl hätte, dann würde ich es anders machen.“ Sich zu verbessern, Tag für Tag alles dafür zu tun, war stets der Antrieb des aus Götzis stammenden Torhüters, der zwölf Jahre in Deutschland spielte und als Aktiver selbst sein größter Kritiker war.
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Auf Vereinsebene war Özcan im Sommer 2016 von Ingolstadt zu Bayer 04 Leverkusen gewechselt, wo er 2020 seine aktive Laufbahn beendete und bis Mitte 2023 noch als Tormanntrainer aktiv blieb. Heute ist er zurück im Ländle und spricht vor dem Länderspiel, ohne allzu viel Emotionen zu zeigen, über seine Gefühlslage. „Meine Eltern sind aus der Türkei ausgewandert, ich bin in Vorarlberg geboren und hier aufgewachsen und stark mit dem Land verwurzelt. Für mich ist es die Heimat, ansonsten wäre ich nach dem Karriereende nicht hierher zurückgezogen.“ Rein sportlich, so erzählt er weiter, verfolge er zudem Österreich mehr als die Türkei. Dabei hat er 2010 selbst für ein halbes Jahr im Land seiner Väter, beim Spitzenklub Besiktas Istanbul, gespielt. „Die Türkei“, so sagt er, „ist ein schönes Land und Istanbul eine wunderschöne Stadt.“



Imponierende Spielweise
Einen Vergleich der Ausgangslage zu 2016 sieht er heute völlig wertfrei. „Ein Handy vor acht Jahren ist nicht mehr dasselbe wie eines von heute“, sagt er und stellt fest: „Jeder Nationalspieler hat Respekt verdient und es wäre unfair zu werten, ob das Team damals oder das heutige besser ist. Es ist doch Fakt, dass sich in acht Jahren vieles verändert.“ Allerdings verrät er, dass ihm die Spielweise unter Ralf Rangnick sehr imponiert, auch wenn es eine „völlig andere Herangehensweise in ein Spiel ist“. Aber: „Es macht riesigen Spaß, es ist richtig cool, dem Team zuzuschauen.“