Vorarlbergs Fußballverband sprengt erstmals Zweimillionengrenze

Ein letztes Mal im Dienste des Fußballs, denn der wiedergewählte VFV-Präsident Horst Lumper stellte klar: “In vier Jahren ist Schluss.” Bis dahin gelte es wichtige Projekte weiter voranzutreiben.
Bregenz Es war im Jahre 2006 als der damalige VFV-Präsident Karlheinz Kopf (67) den “idealen Nachfolger” fand. Der Bregenzer Rechtsanwalt Dr. Horst Lumper folgte dem Nationalratsabgeordneten. “Es war damals sicherlich nicht geplant”, erinnert sich der 62-Jährige anlässlich der 61. Generalversammlung, bei der Lumper sich erneut zur Wahl stellte und nun in seine sechste Amtsperiode geht. “Meine letzte”, stellt er klar, wohl wissend, dass damit auch die Suche nach einem geeigneten Nachfolger bereits eröffnet ist. Erste Anzeichen gröberer Veränderungen im VFV-Vorstand waren bei der Veranstaltung im Casino in Bregenz bereits erkennbar. Für den scheidenden Vizepräsidenten Peter Schneider, der 14 Jahre für den Spielbetrieb der Kampfmannschaften zuständig war, konnte mit Alfons Kirchmann ein Nachfolger gefunden werden. Zudem wurde mit Sonja Baldauf, die sich intensiv für den Frauenfußball einsetzt, erstmals eine Frau in den Kreis der Vizepräsidenten gehievt.



“Irgendwie ist es schon verrückt, solange an der Spitze zu stehen”, konnte sich Lumper nach der Wiederwahl ein Schmunzeln nicht verkneifen. 2006 war er für drei Jahre gewählt worden, 2009 begann die zweite Amtsperiode, die wurden 2012 auf vier Jahre erweitert. Auch 2016 und 2020 hatte er die Vorarlberger Klubfunktionäre hinter sich.

Als “riesige Herausforderung” bezeichnet Lumper das Aufstellen des erstmals über zwei Millionen Euro betragenden Verbandsbudgets. Ein Großteil verschlingt die Investition in den Nachwuchsfußball, insbesondere in die Akademie Mehrerau. “Gute Mitarbeiter kosten Geld. Wir sind natürlich interessiert daran, für unseren Nachwuchs sowohl bei den Burschen als auch bei den Mädchen bestens ausgebildete Trainer zu beschäftigen.

Die Neugestaltung des Kinderfußballs, das Projekte “Mädchen an den Ball”, “Fair Play”, die Videokampagne gegen Machtmissbrauch, der Schulterschluss mit den Bundesligavereinen in der Causa Akademie sowie die Hilfestellung für die Aktion “AG Schiedsrichter 2025” – all das sind Themen, die in den vergangenen Jahren angepackt wurden und die sich weiterziehen. “Wir müssen weiter investieren”, sagt Lumper gerade im Hinblick auf die Akademien. Da hatte man sich zuletzt gegen klingende Namen unter den Top-12 in Österreich behauptet. “Das ist keine Selbstverständlichkeit”, so der VFV-Präsident. Deshalb sei man auch bereit, die höheren Investitionen mitzutragen. “Mit dem Land und den Proficlubs haben wir jetzt verlässliche Partner.” Doch gerade die Infrastruktur, die erweitert werden müsse, stelle in den nächsten Jahren eine große Herausforderung dar.


Als große Aufgabe für die Vereine sieht Lumper in der Veränderung der Gesellschaft. “Man ist schneller unzufrieden, Entscheidungen werden nicht mehr akzeptiert. Da braucht es eine gute Gesprächskultur. Zuhören, andere Meinungen gelten zu lassen und zu akzeptieren. Das muss uns gelingen.” Lumper spricht diesbezüglich von Lösungen, die gemeinsam gefunden werden, aber auch von begründeten Entscheidungen, die akzeptiert werden müssen. “Ich denke, da haben wir im Verband in den vergangenen Jahren großteils gute Arbeit geleistet.” Denn, so sagt er: “Der Verband ist mehr als die Summe der Vereine. Wir dürfen nicht nur auf den einzelnen Verein schauen, sondern das Gesamtbild des Fußballs im Auge behalten.”

Sehr erfreut ist Lumper über die Entwicklung des Fußballs in Vorarlberg. “Ich kann mich an Zeiten erinnern, wo Vorarlberg mit einem Club in der zweithöchsten Liga vertreten war. Vielfach wird unterschätzt, was es heißt, in Österreich ganz oben mitzuspielen. Die Qualität hat sich enorm verbessert. Das hilft dem gesamten Fußball.” Das gelte vor allem auch im Frauenfußball. “Da ist die Entwicklung noch sichtbarer.” Diesbezüglich sieht er Vorarlberg mit inzwischen mehr als 50 Mädchen-Mannschaften in einer Vorreiterrolle. “St. Pölten untersteht dem ÖFB, aber unter den Bundesländern sind wir führend.” Das, so Lumper, ist vor allem der Arbeit der Funktionäre geschuldet. Wobei er diesen noch eine Botschaft mit auf den Weg gibt. “Ich hoffe, dass die Vereine nicht mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen.” Und: “Eine Abkehr von den vielen Brasilianern in den Amateurklassen würde uns guttun.”
