Die Traumreise verlängern

Österreichs Handballer ab 15.30 Uhr gegen Island unter Zugzwang.
Köln Wird es der finale Auftritt von Österreichs Handballern oder verlängert sich die rot-weiß-rote Traumreise bei der EURO 2024 in Deutschland um weitere Tage? Am vierten und letzten Spieltag der Hauptrunde trifft man heute (15.30 Uhr, live ORF 1) auf Island und greift dabei nach den Sternen. „Ich glaube, nicht einmal die kühnsten Optimisten haben damit gerechnet, dass wir am letzten Spieltag der Hauptrunde um den Einzug ins Halbfinale spielen“, betont Teamchef Ales Pajovic stolz. Doch ausgerechnet im Schlüsselspiel bangt Pajovic um seinen Abwehrchef Lukas Herburger. Der 29-jährige Harder laboriert seit Sonntag an einer fiebrigen Erkältung, musste bereits beim 28:33 gegen Olympiasieger Frankreich passen, und ist auch Island fraglich. „Über einen Einsatz wird erst unmittelbar vor Spielbeginn entschieden. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, so Pajovic.

Herburger selbst zeigt sich kämpferisch: „Ich habe die Partie gegen die Franzosen im Bett im Hotel gesehen und dabei wahrscheinlich mehr geschwitzt, als wenn ich selbst auf dem Spielfeld gestanden wäre. Unsere medizinische Abteilung wird alles Mögliche versuchen, damit ich rechtzeitig fit werde.“
Gewinnen und hoffen
Fakt ist, dass Österreich im Kampf um den historischen Halbfinaleinzug auf fremde Hilfe angewiesen wäre. Zwei Punkte gegen Island würden zumindest für ein paar Stunden die theoretische Chance am Leben erhalten. Ob das Szenario mit einem Happy End endet, hängt von den folgenden Partien ab. Um am Freitag (20.30 Uhr) gegen Dänemark um das Finalticket zu spielen, muss Ungarn gegen den bereits feststehenden Gruppensieger Frankreich und Gastgeber Deutschland im Abendspiel ab 20.30 Uhr gegen Kroatien verlieren.
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Bregenz-Handball-Kreisläufer Tobias Wagner feiert gegen Island sein Jubiläum und bestreitet sein 100. Länderspiel. GEPA
Auf Rechenspiele hat bei Rot-Weiß-Rot aber ohnehin keiner Lust. „Wir sind alle am Limit, aber das ist etwas Einmaliges, für so ein Turnier zerreißt man sich“, versprach Regisseur Lukas Hutecek vor dem siebten Spiel bei der EURO 2024. „Wir werden wieder alles hineinwerfen. Ich bin zuversichtlich, dann erarbeiten wir uns noch ein Spiel.“
Im Dreiervergleich aktuell Zweiter
Sollte es nach dem letzten Spieltag zum Punktegleichstand zwischen Ungarn, Österreich und Island kommen, würde die bessere Tordifferenz aus den direkten Duellen zwischen den betreffenden Mannschaften über die Reihung entscheiden. Hier hat Ungarn dank des 33:25-Erfolges gegen Island die besten Karten und Österreich würde bei einer Niederlage mit weniger als fünf Toren Differenz immer noch vor Island liegen und Gruppen-Vierter werden. „Ich halte nichts von den Rechenspielen. Wir werden noch einmal ‚All in‘ gehen und uns für die sensationelle Endrunde zumindest mit dem Spiel um Platz fünf belohnen“, so Pajovic.
Sollte Österreich am Ende Gruppen-Vierter werden, würde man das beste EM-Endresultat, Platz acht bei der Heim-EM 2020, egalisieren.
Richtungsweisende Zahlenspiele
Das Finalwochenende bei der EURO 2024 hat richtungsweisenden Charakter für die anstehenden Großevents im Handballsport. Es geht um die Startplätze beim Olympiaturnier in Paris, der WM 2025 in Kroatien, Dänemark und Norwegen sowie für die nächste EURO, die Anfang 2026 in Skandinavien (Dänemark, Schweden und Norwegen) über die Bühne geht.
EURO 2024: Abgesehen von den vier Halbfinalisten bestreiten die beiden Drittplatzierten der beiden Hauptrundengruppen am Freitag (15 Uhr) das Spiel um Platz fünf. Die Abschlussplatzierungen 7/8, 9/10 und 11/12 werden aus dem Quervergleich der jeweils gleich klassierten Mannschaften ermittelt. Bei Punktgleichheit entscheidet zuerst die bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen, dann die höhere Anzahl an erzielten Toren und in Folge die bessere Endplatzierung jener Mannschaft, gegen die man in der Vorrunde gespielt hat.
Olympia 2024: Bei der WM 2023 wurden insgesamt sieben Startplätze vergeben. Nach Gastgeber Frankreich hat sich der Weltmeister Dänemark qualifiziert. Dazu kommt der Goldmedaillengewinner bei der EURO 2024, oder an die nächst beste, bis jetzt nicht qualifizierte Nation.
Olympia-Qualifikation: Bei der WM 2023 haben sich Spanien (WM-3.), Schweden (4.), Deutschland (5.), Norwegen (6.), Ägypten (7.) und Ungarn (8.) ein Ticket für einer der drei Qualifikationsturniere (11. bis 17. März). Sollte Schweden oder Deutschland Europa-, und gleichzeitig Ägypten Afrikameister – aktuell in Kairo – werden, würden Kroatien (WM-9.) und Slowenien (WM-10.) nachrücken. Bei der EURO 2024 werden somit zwei Startplätze für das Qualifikationsturnier vergeben.
WM 2025: Die drei bestplatzierten Mannschaften der EURO 2024, mit Ausnahme der drei Co-Gastgeberländer Kroatien, Dänemark und Norwegen, sind für die WM-Endrunde qualifiziert. Da der regierende Weltmeister Dänemark auch Ausrichter ist, ist dieser Fixplatz übergegangen an 2023-Vizeweltmeister Frankreich. Elf Mannschaften auf den Plätzen 1 bis 17 bei der EURO 2024, abgesehen von Kroatien, Dänemark und Norwegen (alle Ausrichter) sowie die drei bestplatzierten Mannschaften sind in der vom 8. bis 12. Mai 2024 stattfindenden zweiten Qualifikationsphase (Hin- und Rückspiel) startberechtigt und in Lostopf 1 gesetzt. Die Ränge 18 bis 24 (Georgien, Serbien, Färöer, Schweiz, Rumänien, Griechenland und Bosnien&Herzegowina) sind mögliche Gegner in Top 2.
EURO 2026: Für die nächste EM-Endrunde, die im Jänner 2026 in Dänemark, Schweden und Norwegen stattfindet, qualifiziert sich der 2024-Europameister fix. Sollte dies Dänemark oder Schweden sein, würde der bestplatzierte Halbfinalist nachrücken.