„Das ist uns eine Lehre“

Austrias Vereinsverantwortliche wissen um die Brandherde bei Grün-Weißen und gestehen Fehler ein.
Lustenau Die völlig verkorkste Herbstsaison von Austria Lustenau hat nicht erst seit der klaren 0:3-Niederlage am Dienstag beim SCR Altach ihre Spuren hinterlassen. Ahmet Schaefer, Investor und im Aufsichtsrat bei den Grün-Weißen, sowie Vorstandssprecher Bernd Bösch stellten sich den Fragen der VN.
Derby-Niederlage schon verdaut?
Schaefer Ein ganz bitterer Abend. Vor allem nach der guten ersten Halbzeit bei Sturm Graz haben wir uns mehr erwartet. Am Ende ist es die Konsequenz der geschehenen Dinge in den letzten Monaten.
Bösch Das hat schon etwas Zeit gebraucht, die man aber nicht hat. Denn es steht ja schon die nächste schwere Partie an (LASK, heute 17 Uhr in Bregenz).
Herr Schaefer, wie sehr sind Sie aktuell den Themen der Austria involviert?
Schaefer Ich stehe jeden Tag im Austausch mit dem Vorstand und Sportkoordinator Alexander Schneider, weiß also um die Geschehnisse. Wobei ich klarstelle, dass ich es mir nicht anmaße, bei den sportlichen Belangen reinzugrätschen. Sehr wohl bin ich bei der Bestellung des nächsten Trainers involviert.
Es hat intern unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Profil-Erstellung für den neuen Coach gegeben. Hat man sich da schon auf eines geeinigt? Feuerwehrmann oder doch Aktie für die Zukunft?
Schaefer In einer idealen Welt würde der neue Trainer beides abdecken (lacht). Aber wir haben uns festgelegt, sind uns einig, in welche Richtung es gehen soll. Die Parameter, die der neue Trainer abdecken soll, sind abgesteckt.
Hat es schon Gespräche mit Kandidaten gegeben?
Bösch Ja, es gab Erstkontakte und auch schon Gespräche. Klares Ziel ist es, den neuen Mann vor Weihnachten zu präsentieren.
Wie schaut der Findungsprozess aus?
Schaefer Faktoren wie Spielphilosophie, Umgang mit jungen Spielern, öffentliches Auftreten, Verhalten bei negativen Ergebnissen und Misserfolgen, aber auch Erfolgen spielen eine Rolle. In meinen Augen entscheidet dann am Ende schon das persönliche Gespräch, um sich ein rundes Bild auszumalen.
Bösch Der Sportvorstand ist dabei klar federführend. Der wird dem Vorstand Vorschläge anhand des Profils unterbreiten. Ich persönlich glaube, dass es eine starke Persönlichkeit braucht, von der wir alle überzeugt sind. Denn es wird einen Mann brauchen, der diese Mannschaft wieder zum Leben erweckt – siehe Derby.
Wie gehen Sie mit der Thematik rund um die späten Sommertransfers um?
Schaefer So ehrlich muss man sein, unsere Handlungen im Sommer sind uns heute eine Lehre. Tatsache ist: Wir hätten die Weichen für die Saison viel früher stellen müssen. Das rare Gut, des sehr frühen Klassenerhalts in der letzten Saison haben wir verschenkt. Es verlief ja in Clermont sehr ähnlich. Heute müssen wir sagen: So etwas wird uns nicht mehr passieren.
Bösch Ich sehe das genau wie Ahmet. Dazu kommt aber noch, dass man sich mit so einem kleinen Budget, wie wir es haben, eben keine Fehler in Sachen Transfer leisten darf.
Schaefer Wir haben uns bewusst entschieden, die Mannschaft im Großen so zusammenzuhalten und nur punktuell zu verstärken. Und dafür eben auch abzuwarten.
Seid ihr dabei abgewichen von der Philosophie, junge Spieler zu holen, dann zu entwickeln und weiterzuverkaufen?
Bösch Das muss man differenzierter sehen. Denn wenn es um die Personalien Lukas Fridrikas oder Stefano Surdanovic geht, die immer als heißeAktien gehandelt wurden, gilt festzustellen, dass es keine entsprechenden Angebote gab.
Schaefer Wir sind in der Bundesliga vorsichtiger geworden, das stimmt. Weil sich im Oberhaus zum Unterschied in der 2. Liga, wo man eher gewillt ist, Risiko einzugehen und wie ein Start-up zu denken, unsere Ansichten geändert haben. Den Stamm der Mannschaft hegen und pflegen, ja nicht zu viel ändern, weil es ja gut gelaufen ist. So geschah es übrigens auch in Clermont. Aber wir haben festgestellt, dass wir als Teams auf dem Platz von der Art als „Underdog“ aufzutreten leben. Wir wollen und müssen wieder die „Rebellen“ der Liga sein. Mit dem Motto: Aus wenig das Optimum herausholen. Dafür braucht es hungrige Spieler. Das ist unser Weg.
Haben sich in den letzten Monaten aufgrund der sportlichen Misere und auch der Trainerentlassung Gräben zwischen dem Lager Austria Lustenau und Kooperationspartner CSC aufgetan?
Bösch Nein. Was aber sicher der Fall ist: dass es unterschiedliche Einschätzungen gab. Es braucht eben Diskussionen, und am Ende haben wir alle sachliche Entscheidungen getroffen.
Schaefer Wir haben vom Start weg gesagt, dass es immer ein schwerer Prozess ist, in dem aber keiner eine Entscheidung alleine fällt. Unser Credo ist: Im Optimum für die Gruppe. Nur so können wir als Klub weiter wachsen, und weiter auf die bisher erzielten Erfolge aufbauen. Zu dem Gerede rundherum kann ich nur sagen: Man soll immer daran denken, woher wir kommen.
Ein weiterer im Raum stehender Vorwurf ist, dass man zugegeben hat, nach der Beurlaubung von Markus Mader keine Kontakte zu Kandidaten gehabt zu haben. Ist das in Fußballzeiten wie diesen angebracht, nicht sogar eine Themaverfehlung der sportlich Verantwortlichen?
Bösch Sehe ich nicht so, denn wir wollten unser Bekenntnis zu Trainer Mader leben. Das ist eine Wertschätzung gegenüber ihm und seinem Trainerteam gewesen.
Fußballromantik pur, die in dieser Weise nicht mehr oft im Business Fußball vorkommt.
Schaefer Wobei ich sagen muss, dass unser sportlicher Vorstand sicher schon mögliche Kandidaten im Kopf hatte, nur eben gab es noch keine Kontaktaufnahme. Das ist ja deren Aufgabe, sich mit allen Kausalitäten auseinanderzusetzen, alles andere wäre töricht und nicht professionell.
Wie gehen Sie mit der Person Alex Schneider um? Er gerät immer mehr in die Kritik?
Schaefer Alex ist unser Mann, der sich seit seiner Ankunft in Lustenau voll in den Klub integriert hat und sich mittlerweile voll mit der Austria identifiziert. Er hat den Klub in vielen sportlichen Elementen mit weiter entwickelt. Dass er nun, weil er im Vordergrund steht, vielleicht in der Öffentlichkeit als „Opfer“ herhalten muss, sehe ich naturgemäß ganz anders. Das sind Dinge, die von außen kommen.
