Spatenstich als Meilenstein

Sport / 04.12.2023 • 20:46 Uhr
Das neue Reichshofstadion wird das „Tor zum Rhein“, die vier 40 Meter hohen Flutlichtmasten Signal für die Region.
Das neue Reichshofstadion wird das „Tor zum Rhein“, die vier 40 Meter hohen Flutlichtmasten Signal für die Region.

Offizieller Startschuss für Stadionneubau. Fertigstellung des Reichshofstadions im Sommer 2025 geplant.

Lustenau Die Austria und ihre Fans dürfen sich auf ein wahres Schmuckstück im Herzen von Lustenau freuen. Insgesamt wird laut Ing. Markus Waibel, Abteilungsleiter Hochbau der Marktgemeinde Lustenau, das Stadion 5138 Leuten Platz bieten. 3094 haben Sitzplätze, 2044 Stehplätze. Auf der legendären Nordtribüne dürfen 1480 Fans ihr Team unterstützen, die Osttribüne wird 1348 Sitzplätze bieten, und die Südtribüne dient zu einem großen Teil als Gästesektor. Einzig an der Haupttribüne wird nichts gemacht. „Die soll dann im Zuge des RHESI-Projektes 2033 in Angriff genommen werden“, so Waibel, wobei es dabei rein um eine Sanierung der Kabinen gehen wird. Fix: Spätestens 2033 werden die Trainingsplätze, die während der Bauzeit des neuen Stadions genutzt werden können, wegfallen. Bis dahin muss die Austria eine neue Trainingsstätte gefunden haben, „danach ist das Reichshofstadion eine reine Spielstätte“, berichtet Waibel weiter.

Tor zum Rhein

Ein Umstand, der dem Architekten des neuen Stadions Bernardo Bader beim Ausarbeiten der Pläne bereits bewusst war. So hat der gebürtige Krumbacher, für den der Stadion-Neubau in Lustenau das zweite Sport-Projekt seiner Laufbahn ist (das Klubheim des FC Krumbach hat er als Jung-Architekt vor vielen Jahren realisiert), in seinen Büroräumen in Bregenz schon ein Modell stehen, wie das Reichshofstadion in mehr als zehn Jahren aussehen soll. „Es wird das ,Tor zum Rhein‘. Die vier Flutlichtmasten werden schon von Weitem ein Zeichen dafür setzen“, erklärt der Bader. Der Masterplan, wie Bader ihn nennt, beinhaltet die komplette Gestaltung nicht nur des Stadions selbst, sondern auch eine weitere Adaptierung des Austria-Dorfes, das zwischen Nordtribüne und einem weiteren Gebäudetrakt eingeschlossen werden soll. Zudem ist geplant, die Rückseite der Haupttribüne mit „Sunset-Stufen“ auszustatten, um die Nähe zum Naherholungsgebiet RHESI zu gewährleisten. „Da kommt uns der Bau der Brücke Richtung Schweiz zugute. Es wird auf jeden Fall eine runde Geschichte“, berichtet Bader mit glänzenden Augen im VN-Gespräch. Den Startschuss konnte der Architekt, der mit einem 15-köpfigen Team arbeitet, kaum erwarten, „weil seit dem Wettbewerb nun knapp fünf Jahre vergangen sind und es vieler Arbeit bedurfte, um wirklich alles auf Schiene zu bekommen. Umso mehr freue ich mich, dass es losgeht.“ Von der Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Lustenau, dem Verein und auch Bürgermeister Kurt Fischer ist Bader angetan: „Weil alle langfristig gedacht haben. Ich bekam das Gefühl, dass ich mit Visionären zusammenarbeite. Für Architekten etwas Besonderes.“

20,4 Millionen Euro

Die Standorterhaltung, oftmals in der Kritik gestanden, sieht der 49-Jährige als perfekt, „denn damit bewahren der Verein und die Gemeinde ein Stück wahre Lustenauer Geschichte“. Das Fassungsvermögen von nur etwas mehr als 5000 Zuschauern, ursprünglich plante man mit knapp 7000, tut dem alles keinen Abbruch. Zumal aufgrund von Schall- und Lichtbestimmungen nicht mehr möglich ist. So wie der Bau des Projektes in Etappen, wie von so vielen Seiten gefordert. „Natürlich war unserer erste Idee eine Realisierung in Etappen, aber wir mussten uns an die gesetzlichen Grenzwerte was Lichtemission und Schall betrifft, halten. Dadurch war schnell klar, dass wir es in einem Guss bauen werden“, klärt Waibel vom Bauamt Lustenau auf. Dafür wird man sich, was die Baukosten betrifft, so gut es geht an die Vorgaben halten. 18,6 Millionen werden aufgewendet, „aufgrund der Indexierung wird das Stadion am Ende rund 20,4 Millionen Euro kosten“, so Waibel weiter. Hilfreich ist sicher, dass der Großteil der Bauarbeiten von Vorarlberger Firmen durchgeführt wird. „Das Fundament ist aus Vorschriftsgründen aus Beton, doch das Stadion wird aus extrem viel Holz (u.a. Dachkonstruktion) und viel Glas bestehen und so seine Einzigartigkeit bekommen. Da haben wir die Experten sowieso im Land“, erläutert der Architekt.

Die Gefühle von Lustenaus Bürgermeister sind indes gespalten. „Ich verspüre Wehmut, wenn ich aktuell auf das Stadion blicke. Aber im gleichen Zug merke ich eine Aufbruchstimmung“, so Fischer, der seinen Moment der Wahrheit bezüglich tatsächlicher Realisierung beim Erhalt der Baugenehmigung erfuhr. „Es gab viele Baustellen in den letzten Jahren, wobei ich stolz bin, dass alle Beteiligten gemeinsam das Projekt auf Schiene gebracht haben. Jeder Einzelne hat seinen Teil zu diesem visionären, zukunftsweisenden Projekt beigetragen und konnte so die breite Mehrheit auf unsere Seite ziehen.“ Er freue sich schon, in naher und ferner Zukunft mit dem Rad ins Stadion zu fahren, um „Naherholung sowie Fußball zu genießen“.

Auch das Austria-Büro mit Samuel Schwärzler (links) und Vincent Baur ließ sich das historische Ereignis nicht entgehen.Hämmerle
Auch das Austria-Büro mit Samuel Schwärzler (links) und Vincent Baur ließ sich das historische Ereignis nicht entgehen.Hämmerle
Nach dem Spatenstich fuhren die Bagger auf und die Abbauarbeiten konnten beginnen.VN-Stiplovsek
Nach dem Spatenstich fuhren die Bagger auf und die Abbauarbeiten konnten beginnen.VN-Stiplovsek
Beobachteten die ersten Baggerarbeiten: Sportvorstand Valentin Drexel (links) und Austria-Rechtsvertreter Karl Schelling.Hämmerle
Beobachteten die ersten Baggerarbeiten: Sportvorstand Valentin Drexel (links) und Austria-Rechtsvertreter Karl Schelling.Hämmerle