“Die Rivalität gab es früher nur auf dem Platz”

Altachs Christian “Kiki” Ender und Lustenaus Christian “Chris” Niederwieser erinnern sich an die alten Derbyzeiten zurück.
Altach, Lustenau Vor 2000 Zuschauern im alten Schnabelholz ging am Sonntag, 2. September 1990 das erste Derby zwischen dem SCR Altach und Austria Lustenau über die Bühne (RLW). Damals mitten drinnen statt nur dabei zwei Akteure, bei denen Fußball-Gourmets der alten Schule heute mit der Zunge schnalzen. Christian „Kiki“ Ender auf Seiten der Altacher und Christian Niederwieser im Dress der Grün-Weißen.
“Hut ab, was Altach infrastrukturell in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat. Aber manchmal wünsche ich mir, sie würden auch Geld für richtig starke Spieler ausgeben.”
Christian “Kiki” Ender, ehemaliger Goalgetter des SCR Altach

Auf ein Bier mit dem Rivalen
Auf die Partie angesprochen fallen dem mittlerweile 55-Jährigen Ender spontan einige seiner damaligen Kollegen ein: „Wir hatten mit Arno Wäger einen super Goalie, hätte er sich nicht verletzt, er wäre sicher einer für ganz oben gewesen. Oder Frank Flatz, ein toller Kicker mit riesigem Talent. Er hat uns damals in Führung geschossen.“
Vom Match selbst hat er nicht mehr viele Erinnerungen, „eher von der Zeit nach dem Spiel. Denn da haben wir mit den Lustenauern auch das eine oder andere Bier getrunken. Das ist wohl der große Unterschied zu heute. Klar war das Derby besonders, aber die Rivalität gab es nur auf dem Platz.“ Insgesamt 14 Jahre hielt der Stürmer seine Knochen für Altach hin, „ich hatte eine tolle Zeit, weil ich mich immer zuhause gefühlt habe“, so Ender, den es nur mehr selten in die Cashpoint Arena zieht: „Dennoch drücke ich immer dem SCRA die Daumen. Auch jetzt, wobei ich irgendwie das Gefühl habe, die Austria gewinnt diesmal.“

Vorarlbergs Trainerlegende Günther Kerber lotste den jungen “Kiki” ins Schnabelholz. Seine Laufbahn als Spieler in Altach wurde nur durch zwei Gastspiele (zwei Jahre SW Bregenz, halbes Jahr Vorwärts Steyr) unterbrochen. Bei Steyr in der Bundesliga war sogar Heimweh ausschlaggebend, dass er ins Ländle zurückkehrte: “Zudem hatte ich unter dem damaligen Trainer Flix Latzke einen schweren Stand und hab mich nach einem halben Jahr entschieden, zurückzukommen. Obwohl ich noch Vertrag hatte.”

Den Bundesliga-Fußball in Vorarlberg verfolgt Ender, seit 25 Jahren bei der Firma ENJO beschäftigt, noch sehr, “obwohl ich eigentlich gar nicht mehr ins Stadion gehe. Nur als Adi Hütter, mit dem ich aufgewachsen bin, Trainer war, bin ich vor Ort gewesen.” Die Entwicklung “seines” Vereins in den letzten Jahren beeindruckt Ender sehr, “was der Klub da infrastrukturell hingestellt hat, ist beeindruckend. Aber manchmal wünsche ich mir, man würde auch mal etwas mehr Geld für richtig gute Spieler ausgeben. Wobei ich alles in Relation sehe, denn im Grunde ist Altach ein kleiner Verein, also sollte sich die Leute einfach nicht zu viel verlangen.”

Gemeinsam in der Halle gespielt
“Rivalität?” Christian Niederwieser lässt die Frage kurz setzen und schickt die Antwort mit einem leichten Schmunzeln hinterher: “Die gab es nur im Match”. Dabei ist Chris, wie der heute 57-jährige Kundenberater der Raiffeisenbank Lustenau von allen liebevoll gerufen wird, ein Ur-Austrianer. Aufgewachsen im grün-weißen Nachwuchs spielte er mehr als 20 Jahre für seine Austria, wenn auch nur eines als Profi. (“Ich war damals schon 29 Jahre alt und habe mich für einen anderen Weg entschieden”). So blieb dem technisch begnadeten und versierte Mittelfeldspieler auch nach seiner aktiven Karriere nicht erspart, dass er immer wieder die Worte hörte: Du hättest als Fußballer so viel erreichen können, wenn du mehr trainiert hättest . . .

Worte, die ihm noch heute ein Lächeln ins Gesicht zaubern. “Ich hatte eine gute Zeit”, erinnert er sich gerne zurück – und: “Ich war immer mehr der Wettkampftyp und nie der Trainingsweltmeister.”

„Ich war immer mehr der Wettkampftyp und nie der Trainingsweltmeister.“
Christian Niederwieser über seine Einstellung zum Fußball

Und seine Erinnerungen an das Spiel 1990 im Schnabelholz? “1:1, oder”, kommt seine Antwort zögerlich. “Wir waren fast alles Lustenauer”, lässt er seine Blicke in die Vergangenheit schweifen. “Wir hatten eine tolle Truppe und super Spiele, auch gegen Altach. Aber diese Brisanz von heute gab es nicht. Aus meiner Sicht ist sie von den Fans aufgebauscht. Zu unserer Zeit sind wir nach dem Match noch zusammengesessen und haben bei Hallenturnieren sogar zusammen in der Mannschaft gespielt. Die Geselligkeit stand einfach noch im Vordergrund.” Und so kam es, dass Niederwieser zum Ausklang seiner Karriere beim FC Widnau ausgerechnet mit dem Altacher Horst Kessler zusammen in einer Mannschaft spielte. “Wir haben damals noch oft über unser erstes Duell geflachst.”

Und so klingt es aus seinem Munde auch ehrlich, wenn er sagt: “Ich habe mich richtig gefreut, dass Altach den Klassenerhalt geschafft hat. So viele Vorarlberger Klubs in den obersten zwei Ligen ist einfach nur Klasse.” Dabei verhehlt er keineswegs, dass sein Fußballerherz nur für die Austria schlägt und er sich am 3. Dezember einen Sieg in Grün-Weiß wünscht. “Das wäre ein richtig gutes Zeichen”, sagt er und spricht von einem “Kampfduell”, von einer “50:50-Chance” und davon, dass “das Team gewinnen wird, dem ein Tor gelingt. Mehr werden kaum fallen”.

Niederwieser selbst wird sich die Partie zusammen mit Kollegen von der Altherrenmannschaft im TV anschauen. Denn einmal pro Woche ist er selbst noch aktiv. “Am liebsten in der Halle”, erzählt er.

Und welcher Trainer hat ihn als Fußballer am meisten geprägt? “Gerhard Bubu Ritter”, lautet seine Antwort. “Aber auch unter Peter Assion habe ich gerne gespielt.” Gerne erinnert er sich auch an die Zeit mit Robert Kipper, der seinen Sohn Jürgen mit nach Lustenau brachte. “Da hatten wir Auf und Abs. Ich glaube, wir waren Herbstmeister und haben dann im Frühjahr in Puch 0:9 verloren.” Dabei waren es für ihn die Spiele in Imst oder in Haiming, die ihm absolut nicht gelegen sind. Genau wie der heutige Trainer Lassaad Chabbi, der ja einst auch für Austria trainiert hat, ihm jedoch als “absolut unangenehmer Gegenspieler” in Erinnerung geblieben ist. Markus Krautberger/Christian Adam