Lustenau in Graz: Reaktion gezeigt, dennoch wieder verloren

Sport / 25.11.2023 • 19:57 Uhr
Am Ende jubelte erwartungsgemäß Sturm Graz. <span class="copyright">APA</span>
Am Ende jubelte erwartungsgemäß Sturm Graz. APA

Austria Lustenau muss sich im ersten Spiel unter Interimstrainer Alexander Schneider mit 0:2 bei Sturm Graz geschlagen geben. 45 Minuten sind gut, dann setzt sich Sturms Klasse durch.

Graz Kalt war es in Liebenau, beim ersten Bewerbsspiel nach der Beurlaubung von Markus Mader. Warm anziehen musste sich die Lustenauer Austria bei Europacup-Starter Sturm Graz, das wusste man schon bei der Abfahrt zum Auswärtsspiel.

Um die Ausgangslage vor dem Spiel zu verdeutlichen: Wer vor dem Spiel beim Bundesliga-Bewerbssponsor auf einen Sieg Lustenaus gewettet hätte, hätte seinen Einsatz theoretisch verachtzehnfachen können. Praktisch wäre der Einsatz aber einfach versandet. Die Austria kämpfte zwar beherzt, am Ende reichte es aber erneut nicht zu Punkten. Interimstrainer und Sportkoordinator Alexander Schneider forderte vor dem Spiel eine Reaktion der Mannschaft. Zu großen Teilen hätte er diese gesehen.

Lustenau veränderte die Startelf im Vergleich zum letzten Bundesliga-Spiel auf zwei Positionen: Namory Cisse und Pius Grabher begannen statt Boris Moltenis und Nikolai Baden. Realtaktisch sah das wie folgt aus: Daniel Tiefenbach rückte zunächst in die Dreierkette zurück, Surdanovic und Grabher beackerten das Zentrum, vorne begannen mit Rhein, Cisse und Diaby drei Angreifer.

Sturm startete nicht in Bestbesetzung: Zwischen den Pfosten gab Luka Maric sein Bundesliga-Debüt, Stamm-Torhüter Scherpen fehlte krankheitsbedingt. Auch Wüthrich, Bøving und Kiteishvili fielen angeschlagen aus.

Schierl hielt sein Team in Halbzeit eins im Spiel. <span class="copyright">GEPA</span>
Schierl hielt sein Team in Halbzeit eins im Spiel. GEPA

Engagierter Start

Die Austria startete mutig in das Spiel gegen den haushohen Favoriten. Bereits nach zwei Minuten wurde es im Grazer Strafraum gefährlich, Maric verschätzte sich bei einem Eckball, der Abschluss von Anderson wurde aber noch per Kopf geklärt. Bei einem Rhein-Abschluss riss Maric in Minute 14 noch die Fäuste hoch.

Die Austria – die bereits in der 28. Minute wechseln musste, Surdanovic ging angeschlagen raus, Moltenis ersetzte ihn, Tiefenbach rutschte wieder ins Mittelfeld – spielte lange clever. Und vor allem: Die Austria spielte beherzt.

Hinzu kam, dass auch Sturm keinen allzu glanzvollen Tag erwischte, sich in der ersten Hälfte sehr schwer tat. Die Chancen, die sich den “Schwoazn” boten, gingen nicht rein. So verfehlte Wlodarczyk vor dem leeren Tor den Ball (9.), Sarkaria verpasste aus Abseitsposition gar den Kasten (37.). Ansonsten war Schierl zur Stelle. Der Keeper entschärfte Versuche von Horvat (21.), Prass (34.) und Sarkaria (44.). “Wir wussten, dass wir in der Kabine sitzen und mit der ersten Halbzeit zufrieden sind. Wir wussten aber auch, dass Sturm in der Kabine sitzt und nicht so zufrieden ist”, so Schneider über Hälfte eins.

Diallo sah Gelb-Rot, Lustenau war in Unterzahl - eine harte Entscheidung. <span class="copyright">GEPA</span>
Diallo sah Gelb-Rot, Lustenau war in Unterzahl - eine harte Entscheidung. GEPA

Mit Gelb-Rot war das Spiel vorbei

Nach dem Seitenwechsel übte Sturm spürbar mehr Druck aus. “Wir sind energischer aus der Pause gekommen, waren geschlossener”, meinte Sturm-Coach Christian Ilzer.

Die erste Chance durch Sarkaria konnte Schierl noch per Fußabwehr vereiteln, die nächste Möglichkeit war aber drin. Nach dem folgenden Eckball hielt Tomi Horvat aus dem Rückraum drauf, der Ball landete unhaltbar im rechten Eck (48.). “Die Standards sollte man in so engen Spielen verteidigen”, sagte Schneider.

Spätestens als der bereits verwarnte Baila Diallo im Zweikampf mit Hierländer eine äußerst kleinliche Gelb-Rote Karte bekam, war in Liebenau aus Austria-Sicht ohnehin wieder Schicht im Schacht. “In Summe – wenn man beide Aktionen hernimmt – ist das für mich nicht gerechtfertigt”, meinte Schneider. Er sagte weiter: “In Unterzahl, in unserer Situation, in Rückstand, ist es dann schwer, das Ding in Graz zu drehen.”

Dass die nächste Niederlage anschließend nicht schon früher fixiert wurde, war einzig der miserablen Chancenauswertung der Grazer zu verdanken. Wlodarczyk jagte den Ball in Minute 59 drüber, auch Horvat gelang dieses Kunststück in der 67. Spielminute. Sarkaria schoss den Ball zudem nicht ins Tor, sondern Grujcic an den Rücken (70.). Alexander Prass machte per Kopf 20 Minuten vor dem Ende alles klar, er brauchte nach starker Gazibegovic-Vorarbeit nur mehr zum 2:0 einzunicken.

Lustenau fährt damit die zwölfte Niederlage im 15. Bundesliga-Spiel ein. Auswärts ist man seit fünf Spielen ohne eigenen Torerfolg. Der letzte Funken Entschlossenheit, das Zutrauen fehle aktuell noch zum Torerfolg, so Schneider. “Da fehlt dann das letzte bisschen Selbstvertrauen.”

Die Austria machte es 45 Minuten lang richtig gut. Ein Spiel aber hat zwei Halbzeiten, “das habe ich den Jungs in der Kabine auch gesagt. Ein Kompliment zur ersten Halbzeit bringt nichts, wenn wir die zweite Halbzeit verkacken”, so Schneider. Unzufrieden war er aber nicht: “Sie haben mutig gespielt, sich etwas getraut. Es war eine gute Reaktion der Mannschaft – darauf müssen wir aufbauen im Derby.”

Am nächsten Wochenende geht es auswärts gegen Altach. Fabian Beer aus Graz

Admiral Bundesliga, 15. Runde

SK Puntigamer Sturm Graz – SC Austria Lustenau 2:0 (0:0)

Graz-Liebenau, Merkus Arena; 11.618 Zuschauer; SR Arnes Talic

Torfolge: 48. 1:0 Tomi Horvat, 70. 2:0 Alexander Prass

Gelb-Rote Karte: 53. Baila Diallo (Lustenau/wiederholtes Foulspiel)

Gelbe Karten: 34. Diallo (Lustenau/Foulspiel), 51. Hierländer (Sturm/Foulspiel), Schierl (Lustenau/Kritik), 90./+2 Boateng (Lustenau/Foulspiel)

SK Puntigamer Sturm Graz (4-4-2 Raute): Maric – Gazibegovic, Affengruber, Lavalée, Schnegg (85. Dante) – Hierländer (56. Serrano), Gorenc Stankovic, Horvat (85. Teixeira), Prass – Sarkaria (85. Fuseini), Wlodardzyk (71. Camara)

SC Austria Lustenau (3-4-3): Schierl – Tiefenbach (79. Mätzler), Boateng, Grujcic – Anderson (79. J. Schmid), Surdanovic (28. Moltenis), Grabher, Diallo – Rhein (63. Gmeiner), Cisse (63. Bobzien), Diaby