„Sehe mich als Schnittstellen-Manager“

Sport / 16.11.2023 • 21:15 Uhr
Toni Innauer (65/rechts) anlässlich der Präsentation seines neuen Buches.ORF Tirol
Toni Innauer (65/rechts) anlässlich der Präsentation seines neuen Buches.ORF Tirol

Toni Innauer schreibt in seinem neuen Buch über Vorsätze und die Macht der Gewohnheit.

Innsbruck Es ist nun schon das vierte Buch, das der ehemalige Skispringer und Skisprungtrainer Toni Innauer veröffentlicht. Nun hat sich der Olympiasieger von 1980 mit dem Phänomen, gute Vorsätze in tragfähige Gewohnheiten zu verwandeln, beschäftigt. Das ist dem VN-Kommentator in „Ein neues Leben“ auf humorvolle Art und Weise gelungen. TT-Sportchef Florian Madl traf ihn am Tag der Buchpräsentation.

Was verlieh Ihnen den Anstoß, ein weiteres – Ihr mittlerweile viertes – Buch zu verfassen?

Innauer Nach den „12 Tirolern“, die während der Corona-Zeit zu einem vorübergehenden Bewegungsboom inspirierten, lag das Thema in der Luft.

War das Interesse denn so groß?

Innauer Die „12 Tiroler“ verkauften sich wunderbar, wir legten den Bestseller vier Mal auf. Aber die Leute hatten während der Pandemie auch Zeit und Lust zum Üben, danach verblassten die Vorsätze.

Was erwartet den Leser in Ihrem neuen Buch mit der verheißungsvollen Ankündigung, man könne sein Leben damit ändern.

Innauer Auf den ersten Blick sind Verhaltensveränderungen unspektakulär, verändern aber mittelfristig das Leben. Es geht um Vorsätze und die Macht der Gewohnheit. Was macht einen guten Vorsatz umsetzbar? Willenskraft ist wichtig, wird aber überschätzt. Den „inneren Schweinehund“ kriegt man mit Gewohnheitsveränderungen eher an die Leine.

Sind Sportler besonders prädestiniert, solche Themen zu vermitteln?

Innauer Im sportlichen Training werden Vorsätze professionell geplant, begleitet und umgesetzt. Rahmenbedingungen werden von Betreuern und Trainern optimiert. Das steigert die Erfolgswahrscheinlichkeit. Als Privatpersonen haben wir das nicht, wir sind mehr auf uns selbst und unsere Kreativität angewiesen.

Und dennoch nimmt man es einem wie Ihnen ab, wenn er sich zu Themen wie Lebensweisen äußert.

Innauer Ich mache einen Transfer, nicht nur aus dem Spitzensport, in den Alltag, ein wenig Ernte aus meinem Leben. Immer wieder ging es um Veränderung, Neulernen, Umlernen:, den Telemark, den V-Stil, Sprachen, Führungsfähigkeit, Musik. Als ich mich nach ÖSV-Jahrzehnten 2010 selbständig machte, nahm ich mir auch vor, mein Gitarrenspiel zu verfeinern. Das habe ich dann jahrelang und strukturiert probiert.

Wie kommt man dazu, sein Leben zu verändern?

Innauer Dabei fällt mir immer wieder ein Lied von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) ein: „Morgen“. Dabei geht es darum, dass man es gern verschiebt, auf morgen oder zumindest irgendwann . . . Das Lied ist die zeitlose Hymne aller Vorsatzbrecher, „Ham kumms’st“ von Seiler und Speer die moderne Version.

Was trägt dazu bei, sein Leben zu verändern?

Innauer Dazu braucht es Umstände, Konstellationen, die als Auslöser wirken. Dann ständige Wiederholung und schließlich immer wieder Belohnungen (Erfolgserlebnisse). Beispiel Fitnessstudio: Wenn wir den Besuch einmal in unsere Alltagsabläufe integriert, x-mal wiederholt haben und uns danach immer sauwohl fühlen, muss man sich nicht mehr überwinden.

Wie ist Ihr Buch aufgebaut?

Innauer In den ersten fünf Kapiteln geht es nur darum, ein paar Zusammenhänge zu verstehen. Dann geht es um die Anwendungsgebiete.

Ihr letztes Kapitel haben Sie dem Schlaf gewidmet.

Innauer Der Schlaf ist das Fundament, die leise Trägerrakete für alles, ein magisches, tägliches Selbstheilungs- und Erneuerungs-Programm, auch für gute Vorsätze. Dieses Kapitel bringt einen hilfreichen einfachen Einblick dazu. Schlafphasen, Powernap zu Mittag, Aufstehzeitpunkt und Erholung sind die Hauptdarsteller.

Wie würden Sie Ihr Buch umschreiben? Als Lehrbuch?

Innauer Eher ein verständnisvoller, leicht provokanter Begleiter. Es kann helfen, im Selbstverständnis klarer und in der Lebensbewältigung wendiger, pfiffiger und effizienter zu werden. Es soll etwas sein, das anregend und umsetzbar ist. Die ersten fünf Kapitel hängen zusammen. Dann kann man sich, je nach Verfassung, wahlweise eines herauspicken.

Hatten denn auch Sie mit dem einen oder anderen Thema zu kämpfen?

Innauer Es ging u. a. darum, Hilfe zuzulassen, blinde Flecken zu akzeptieren, Experten, Freunden zu vertrauen und das Warten auf das Eintreten von Lernprozessen auszuhalten: Leute wie Baldur Preiml (Anm. d. Red.: Innauers Ex-Trainer) oder auch PsychologInnen haben mir dabei geholfen.

Gibt es denn etwas, das in unserer Gesellschaft Ihrer Meinung nach zu kurz kommt?

Innauer Die Psychologin Maja Storch bringt ein Thema auf den Punkt: Wir müssen Ruhe finden, es muss still werden, nur so kann unser Selbst arbeiten. Im Bombardement an Informationen und Manipulationen kommt das immer wieder zu kurz. Kapitel zu Digitalisierung oder Erholung liefern Denkanstöße dazu.

Inwiefern lassen sich zwischen Ihrer Zeit als Verantwortlicher im Sport und jetzt als Buchautor Parallelen ziehen?

Innauer Schon im Sport bewegte ich mich nach meinem Studium gerne zwischen Wissenschaft und Praxis. Ich habe einen Bezug zu beiden Seiten. Sehe mich damals wie heute als Art Schnittstellenmanager, der beiden Seiten neugierig die Türen öffnete, versucht, Berührungsängste abzubauen, Kommunikationsprobleme zu entspannen und Querverbindungen herzustellen. Das Literaturverzeichnis im Buch spiegelt diese Neigung.

War das vierte Buch Ihr letztes – oder gibt es noch das eine oder andere, was Sie publizieren wollen?

Innauer Es gibt schon noch Themen, die mich reizen und die in der Luft liegen, sich aber noch nicht genügend kristallisiert haben. Auch weil das Buch „Ein neues Leben“ monate- oder jahrelang meinen vollen Fokus gebraucht hat.

Das neue Buch von Toni Innauer „Ein neues Leben“ ist ab sofort vorbestellbar unter www.csv.at oder per Mail skaltenhauser@innauerfacts.at. Das Buch kostet 22 Euro.