Späte Niederlage für Lustenau: Alles besser und doch keine Punkte

Sport / 04.11.2023 • 20:16 Uhr
Die Austria kämpfte gegen die Austria, trotzdem gab es noch spät das Gegentor. <span class="copyright">GEPA</span>
Die Austria kämpfte gegen die Austria, trotzdem gab es noch spät das Gegentor. GEPA

Austria Lustenau zeigt gegen Austria Wien ein anderes Gesicht, verteidigt lange konsequent – und fährt trotzdem wieder ohne Punkte heim. Der VAR sorgt wieder einmal für Ärger.

Wien Beim letzten Aufeinandertreffen in Favoriten waren die Vorzeichen noch anders, da war noch alles gut. Austria Lustenau spielte als Aufsteiger eine starke Saison, hatte bis zuletzt die Chance auf internationale Spiele. Nach einem 1:1 im Hinspiel war im Rückspiel des Europacup-Play-offs alles drin. Das Rückspiel in der Generali-Arena ging dann zwar mit 0:5 verloren, der damalige Abwehrboss Jean Hugonet sah nach 17 Minuten Rot. Dennoch war man zufrieden ob der grandiosen Spielzeit.

Von Zufriedenheit ist man im Lager der Lustenauer Austria mittlerweile weit entfernt. In der Liga wartet man weiter auf den ersten Sieg, im Cup setzte es zuletzt eine 0:4-Niederlage gegen Zweitligisten St. Pölten. “Wir sind in einer Scheiß-Situation und das wissen wir auch”, so Sportkoordinator Alexander Schneider im Vorfeld der Partie bei “Sky”.

Austria Wien so gar nicht. Die Elf von Michael Wimmer siegte in der Liga zuletzt dreimal in Folge – und bezwang zuletzt auch Sturm Graz.

Im Vergleich zum Cup-Aus schickte Markus Mader seine Elf auf vier Positionen verändert ins Spiel: Schierl kehrte zwischen die Pfosten zurück, Jonathan Schmid, Diallo und Moltenis spielten ebenfalls von Beginn an. Am “SCHALala-Tag” – Austria Wien rief den “Schal-Spieltag” aus, war das Stück Stoff nicht nur Mode-Accessoire, sondern gern verwendet. Es war nämlich saukalt. Lustenau zeigte sich hingegen heiß auf das Spiel.

Stefano Surdanovic räumte mit Mittelfeld-Kollege Daniel Tiefenbach alles weg. <span class="copyright">GEPA</span>
Stefano Surdanovic räumte mit Mittelfeld-Kollege Daniel Tiefenbach alles weg. GEPA

“Jeder Furz wird kontrolliert – nur das nicht”

Mader bezeichnete das Abwehrverhalten zuletzt als “Wahnsinn”, mit einer Fünferkette versuchte er, gegenzusteuern. Und das klappte ziemlich gut. “Wir haben defensiv ein tolles Spiel gezeigt. Unser Spielplan, so lange wie möglich kein Gegentor zu kriegen, hat super funktioniert”, so Mader. Die Wiener Austria machte zwar erwartungsgemäß das Spiel, hatte knapp 75 Prozent Ballbesitz in der ersten Hälfte. Die Lustenauer Austria aber wurde gefährlicher.

Mit Umschaltsituationen versuchten es die Grün-Weißen, in Minute 19 hätte es eigentlich das 0:1 geben müssen. Zumindest aber einen Elfmeter. Anderson stürmte nach gutem Zuspiel von Nikolai Baden alleine auf Keeper Früchtl zu, kam aber beim Abschluss noch ins Stolpern – und das, weil Ex-Teamkollege Hakim Guenouche ihn von hinten dazu brachte. Der VAR schaltete sich aber nicht ein, folglich gab es auch keinen Elfmeter. “Aus meiner Sicht ein klarer Elfmeter. Jeden Furz schaut man an, nur so eine entscheidende Situation wird nicht geprüft”, ärgerte sich Mader. “Den kann man sehr gut geben”, so Schneider. Und auch Anderson wusste: “Momentan ist alles gegen uns.” Sogar Austria-Trainer Wimmer sagte nach dem Spiel: “Wir können uns nicht beschweren, wenn es den Elfer gibt.”

Auch nach einer halben Stunde fehlte nur wenig zur Führung, nachdem die “Veilchen” einen Einwurf nicht wegverteidigt kriegten, traf der aufgerückt Darijo Grujcic aber nur den Außenpfosten.

Hinten stand Lustenau zudem gut. Verteidigte engagiert und haute Bälle kompromisslos aus der Gefahrenzone. Die Wiener wurden so nur aus der Distanz gefährlich. Aleksandar Jukic haute den Ball in Minute 16 knapp drüber, Manfred Fischer in Minute 23 knapp vorbei.

Und wieder enttäuschte Gesichter. Aber die Leistung, die war gut. <span class="copyright">GEPA</span>
Und wieder enttäuschte Gesichter. Aber die Leistung, die war gut. GEPA

Später Gegentreffer, aber “die Mannschaft lebt”

Nach der Pause jagte Baden den Ball ans Außennetz, zuvor war Wien-Goalie Früchtl noch dran (47.). Eine Minute später setzte Tiefenbach den Ball aus der Distanz vorbei.

Austria-Trainer Wimmer brachte neue Kräfte, wechselte dreifach. In weiterer Folge wurden die Gastgeber etwas gefährlicher, bei einem Abschluss von Braunöder packte Domenik Schierl aber sicher zu (69.). In den Schlussminuten wurden die Lustenauer dann regelrecht eingeschnürt – und kassierten in der 89. Minute doch noch das Gegentor. Nach einer Ecke setzte sich Alexander Schmidt im Zentrum gegen Mätzler durch, köpfte zum 1:0 ein. “Das ist bitter. Aber wenn du da hinten in der Tabelle stehst, passiert das”, sagte Mader.

Mader sah aber auch eine positive Entwicklung: “Man hat gemerkt, wie die Mannschaft sich gegenseitig coacht, unterstützt, die Räume eng macht. Das hat super funktioniert. Die Kompaktheit hat gepasst.” Vor allem die zentralen Mittelfeldspieler Tiefenbach und Surdanovic zeigten eine starke Leistung. “Überragend”, nannte Mader das Duo. “Aber da möchte ich keinen Spieler ausnehmen. “Nur einmal haben wir geschlafen – das köpft uns halt”, so Mader.

“Es war ein besserer Auftritt. Natürlich war uns klar, dass wir mit der Spielanlage nicht zu 100 Chancen kommen werden. In der jetzigen Phase kriegst du in der 89. Minute noch das Tor”, sagte Schneider. “Der Punkt wäre wichtig für das Selbstvertrauen gewesen. Aber die Jungs können stolz sein auf die Leistung, die sie geliefert haben. Obwohl wir verloren haben, war das ein Riesenschritt. Wir müssen jeden kleinen Strohhalm packen”, so Mader nach dem Spiel. Er meinte weiter: “Es ist eine Energie in der Mannschaft, wir werden weitermachen. Die Mannschaft lebt.” Fabian Beer aus Wien

Admiral Bundesliga, 13. Runde

FK Austria Wien – SC Austria Lustenau 1:0 (0:0)

Wien-Favoriten, Generali-Arena, 10.820 Zuschauer; SR Christian-Petru Ciochirca

Torfolge: 89. 1:0 Alexander Schmidt

Gelbe Karten: 32. Jukic (Wien/Kritik), 51. Mätzler, 80. Bobzien (beide Lustenau/beide Unsportlichkeit), 86. Handl (Wien/Kritik), 90./+3 Rhein (Lustenau/Foulspiel)

FK Austria Wien (3-4-3): Früchtl – Handl, Martins, Galvao – Ranftl, Jukic, Potzmann (90./+4 Holland), Guenouche (58. Polster) – Gruber (77. Schmidt), Asllani (58. Vucic), Fischer (58. Braunöder)

SC Austria Lustenau (5-4-1): Schierl – Anderson (63. Gmeiner), Moltenis, Mätzler, Grujcic, Diallo – J. Schmid (71. Bobzien), Tiefenbach, Surdanovic, Rhein – Baden (79. A. Schmid)