„Es war Gänsehautfeeling pur“

Sport / 11.09.2023 • 21:16 Uhr
Gerhard Kaufmann belegte Platz 40 und war damit zweitbester Österreicher. privat/2
Gerhard Kaufmann belegte Platz 40 und war damit zweitbester Österreicher. privat/2

Trailrunner Gerhard Kaufmann beim UTMB Mont-Blanc zweitbester Österreicher.

Chamonix „So wie jeder Triathlet einmal in seinem Leben auf Hawaii starten möchte, so will jeder Trailrunner einmal zum UTMB Mont-Blanc“, erzählt Gerhard Kaufmann. Und der Nenzinger weiß, wovon er spricht, hat er seinen Traum doch vor wenigen Tagen gelebt. Er war dabei, als rund 2800 Starter im französischen Skiort Chamonix die 170 km lange Strecke in Angriff nahmen. „Die Stunde der Wahrheit“, nennt der 39-Jährige im Nachhinein den Moment, auf den er so lange hingearbeitet hatte.

Bei verschiedenen Events hatte er um einen Platz beim Finale, das dieses Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum feierte, gekämpft. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, die Berge rauf und runter. Fixplätze gab es stets nur für die ersten drei, dahinter wurden Lose an die Spitzenläufer verteilt. „Am Ende“, so erzählt Kaufmann, „waren es dreimal so viele Lose, wie Starter möglich waren.“ Anfang 2023 dann erfuhr der Vorarlberger von seiner Starterlaubnis. „Das Projekt verfolgte mich fast vier Jahre. Dazwischen waren Corona und viele Rennen.“ Dieses Jahr etwa die Trailrun-WM in Innsbruck oder der Marathon bei der Trailchallenge „Der Weiße Ring“.

Die Nacht am Berg

Nun aber hat Kaufmann den UTMB Mont-Blanc in den Beinen und das „Gänsehautfeeling aufgesogen“. Spricht er über das Rennen, ist seine innerliche Euphorie spürbar. „Die Zuschauermenge den ersten Berg hinauf, einfach phänomenal“, erzählt er und kommt auf die Nacht zu sprechen. „Deine Gedanken kreisen darum, einfach gut in die Nacht und durch die Nacht zu kommen. Bist du einmal in Courmayeur, bei der 80-Kilometer-­Distanz angekommen, weißt du, das halbe Rennen ist geschafft.“ Ein besonderes Erlebnis war auch die Tagwache, die um 4.30 Uhr einsetzte. „Es wird langsam hell und das Ziel nähert sich. Du arbeitest dich vorwärts, von Labestation zu Labestation. Dann nach 100 km warten nur noch drei Hügel (lacht) auf dich. Und dann der letzte Anstieg und du weißt: Wenn ich den schaffe, geht es nur noch Richtung Ziel.“ Dieses erreichte als 13. in seiner Klasse, als 40. bei den Männern und als 46. in der Overall-Wertung.

Unter 26 Stunden

Nach 25 Stunden, 28 Minuten und 5 Sekunden überschritt Kaufmann in Chamonix wieder die Ziellinie. Vergessen die große Belastung im Kopf, vergessen die gefährliche Situation auf dem ersten Berg, als er beinahe gestürzt war. In sich die Glückshormone zu spüren und zu wissen, es geschafft zu haben – „einfach ein unbeschreibliches Gefühl“. Zumal, wie er erzählt, nur ein Drittel aller Teilnehmer auch ins Ziel kommen.

Neue Ziele

Etwas mehr als eine Woche verschlangen die Vorbereitung und das Rennen im Mont-Blanc-Gebiet. Nun will Kaufmann, der von seiner Freundin begleitet wurde, das Jahr ruhig ausklingen lassen. „Ein, zwei kleine Läufe vielleicht“, drücken seine Worte die innerliche Zufriedenheit aus. Doch sein Blick ist nach vorne gerichtet. „Es wird sicher ein neues Projekt geben“, sagt er mit einem Grinsen im Gesicht.

„Es waren dreimal so viele Lose im Topf, wie überhaupt Starter zugelassen sind.“

Schritt für Schritt dem Ziel entgegen: Gerhard Kaufmann, Finisher beim UTMB Mont-Blanc.
Schritt für Schritt dem Ziel entgegen: Gerhard Kaufmann, Finisher beim UTMB Mont-Blanc.