Bregenz nach Derby-Erfolg: “Das war ein Ausrufezeichen!”

Aufsteiger SW Bregenz demütigt den FC Dornbirn im Derby auf der Birkenwiese und gewinnt mit 5:0. Fünf Erkenntnisse aus dem Vorarlberger Traditionsduell:
Dornbirn Was war das für ein Fußballabend in der Sparkasse Arena Birkenwiese! Im Flutlichtspiel vor 3.500 Zuschauern biegt Aufsteiger SW Bregenz Gastgeber FC Dornbirn im 96. Aufeinandertreffen klar mit 5:0, sichert sich die Vorarlberger Vormachtstellung in der 2. Liga und schiebt sich auf Rang vier in der Tabelle. Neben fünf Toren – Brückler (10. & 65.), Prirsch (54.), Wanner (84.), Joao Luiz (90.) – gab es auch vier (!) Ausschlüsse. “Fünf Tore, vier Rote Karten – ich weiß nicht, was gefehlt hat”, so Florian Prirsch. Welche Erkenntnisse ein brisantes Duell in der 2. Liga liefert:

Effizienz ist entscheidend
“Offense wins games, defense wins championships – and efficiency decides derbies.” So oder so ähnlich kann man zusammenfassen, wie Bregenz das Traditionsduell so klar für sich entscheiden konnte.
“Wir waren einfach eiskalt, haben die Effizienz gezeigt, die es gebraucht hat.”
Florian Prirsch, nennt das Erfolgsrezept
Bei sieben Schüssen aufs Tor landeten gleich fünf davon im Kasten von Jakob Odehnal, den daran wenig Schuld traf. “Wir waren einfach eiskalt. Über die Höhe des Sieges lässt sich streiten, aber wir waren die bessere Mannschaft. Haben die Effizienz gezeigt, die es gebraucht hat”, brachte es Prirsch auf den Punkt.

Sinnbildlich dafür: Doppeltorschütze Lukas Brückler, der das 1:0 aus der Drehung abstaubte, das 3:0 aus kurzer Distanz nach unfreiwilliger Wanner-Vorlage erzielte. “Ich hatte zugegeben auch Glück bei meinen Toren, bin aber halt genau richtig gestanden”, meinte der 23-Jährige. Auch Joao Luiz zeigte sich kompromisslos, Sekunden nach seiner Einwechslung traf er zum 0:5-Endstand.
“Am Schluss war jeder Schuss ein Treffer”, musste auch Dornbirn-Trainer Thomas Janeschitz im ORF-Interview anerkennen. “Das war ein Ausrufezeichen, ein Statement!”, so Prirsch.

Zu zehnt klappt’s wunderbar
„Vier Rote Karten in einer Halbzeit habe ich auch noch nie erlebt.” FCD-Stadionsprecher Günther Stoß brachte es auf den Punkt – denn kurz vor der Halbzeit überschlugen sich die Ereignisse. Erst sah Gabryel nach Schiedsrichter-Kritik zur Verwunderung vieler Gelb-Rot. “Der Ausschluss war in Ordnung, er hat geflucht”, so Heraf.
Dann flog auf der Gegenseite Angreifer Ramon Tanque wegen gefährlichen Spiels vom Platz, er traf Gegenspieler Martinovic bei einem Fallrückzieher-Versuch im Gesicht. “Eine Kompensationsentscheidung. Gelb hätte es auch getan”, so Janeschitz. Heraf war anderer Meinung.
Auch er sah allerdings noch Rot: Nach einem Scharmützel am Seitenrand, in welches Heraf, Dornbirn-Sportdirektor Eric Orie und Dornbirns Co-Trainer Roman Ellensohn – Herafs Vorgänger als Trainer in Bregenz – involviert waren, mussten Ellensohn und Heraf auf die Tribüne.
“Komischerweise haben wir in Gleichzahl zu zehnt auf einmal brutal gut gespielt.”
Andreas Heraf, verwundert
Was er von dort sah, gefiel Heraf: “Komischerweise haben wir in Gleichzahl zu zehnt auf einmal brutal gut gespielt. Es war eine extrem starke Leistung, ich bin brutal stolz auf die Jungs.” Vier Treffer erzielte Bregenz mit zehn Mann am Platz.
Janeschitz analysierte: “Wir wissen, wie schwer es ist, gegen Bregenz zu spielen – weil sie einfach dicht machen, nur auf die Abpraller warten. Da haben wir das Zentrum zu sehr hergegeben.”

Es war nicht alles schlecht
Es war lange nicht schlecht, was Dornbirn auf heimischem Rasen im Derby zeigte. “Das tut wie jede Niederlage weh – noch dazu, weil es ein sehr eigenartiges Spiel war”, so Janeschitz, der weiter ausführte: “Ich habe uns in der Anfangsphase mit der klareren Spielidee gesehen, die Räume haben wir gut genutzt – nur vor dem Tor waren wir dann unsicher.”
Denn Dornbirn hatte insbesondere in den Anfangsphasen der beiden Hälften die zwingenderen Möglichkeiten. Anteo Fetahu probierte es aus der Distanz (8.), Flückiger war zur Stelle. Misaki Sato jagte den Ball freistehend aus 15 Metern über das Tor. Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatten Sebastian Santin (Flückiger hielt den abgefälschten Ball) und Sato (Außennetz) gute Chancen zum Ausgleich. Beide Chancen blieben ungenützt, da wären wir wieder bei der Effizienz.
“Wir haben viel für das Spiel getan, haben unsere Spielidee nach vorne umgesetzt, nach hinten zu viele Räume hergegeben”, so Janeschitz. Am Ende habe man dann auch das Vertrauen verloren, noch zu punkten – dann komme so eine Niederlage zustande.
“Ich verliere lieber einmal 5:0 als fünfmal 1:0”
Thomas Janeschitz, relativiert
“Im Grunde ist es egal, ob du einmal 5:0 verlierst – ist mir lieber als fünfmal 1:0”, meinte Dornbirns Trainer. Man werde auch aus der Derby-Klatsche die richtigen Schlüsse ziehen.

Alles rächt sich
In der Pressekonferenz vor dem Derby ließ Janeschitz mit einer Aussage aufhorchen. “Jeder, der mit Vorarlberg irgendwas am Hut hat, weiß, für welche Mannschaft er die Daumen drücken muss. Weil wir die jungen Vorarlberger haben”, sagte Janeschitz da. „Bregenz ist halt irgendwo auch ein Konglomerat aus Brasilianern, Spielern aus Ex-Jugoslawien, aufgefüllt mit Österreichern“, meinte er. (Nachlesen: “Vorarlberger wissen, wem sie die Daumen drücken”)
Bereits vor dem Spiel sorgte der Sager für Aufregung, für Bregenz geriet er zur Steilvorlage. “Ich habe vor dem Spiel nicht viel sagen müssen. Ich habe einfach den Kommentar von Thomas Janeschitz in der Kabine aufgehängt – das hat gereicht. Die Jungs waren brennheiß, das war wie ein Elfmeter für uns”, verriet Heraf nach dem Sieg.
Auch die Bregenzer Fans ließen den Kommentar nicht auf sich sitzen und konterten mit einem Spruchband in der zweiten Hälfte.

Florian Prirsch (24) bewies ebenso: Man sieht sich immer zweimal. Das Dornbirner Eigengewächs – mit 92 Einsätzen in Liga zwei Rekordspieler – wechselte im vergangenen Winter nach Bregenz, in Dornbirn kam er nur mehr zu Kurzzeiteinsätzen. (Nachlesen: “Prirschs Rückkehr auf die Birkenwiese”)

In Bregenz ist er in der Viererkette gesetzt – und sorgte mit dem 2:0, einem strammen Distanzschuss ins linke Eck – für die Vorentscheidung im Derby. “Ich bin mit Dornbirn verbunden, ich bin da tief verwurzelt”, meinte Prirsch über seinen Stammverein. Gab aber auch zu: “Natürlich ist es ein lässiges Gefühl.”

Bregenz zieht (wieder)
Im Corteo zogen sie in weißen Shirts gekleidet vom Bahnhof Schoren auf die Birkenwiese, Pyrotechnik beim Eingang, Choreografie vor dem Anpfiff. Was im gut gefüllten Auswärtsblock von den Bregenzer Fans gezeigt wurde, ist am Bodensee schon länger nicht mehr Usus.
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Beim Derby hingegen präsentierte sich die Anhängerschaft der Schwarz-Weißen in ungewohnt großer Anzahl, feierte im Sektor – auch dem Ergebnis geschuldet – eine große Party. Geht der schwarz-weiße Hype weiter, kann da im Umfeld der “Szene Bregenz” durchaus (wieder) etwas entstehen. FABIAN BEER