Schon als Zehnjähriger von Olympia geträumt

Sport / 18.08.2023 • 22:05 Uhr
Von Den Haag nach Marseille: Mit Benjamin Bildstein (l.) und Lukas Mähr haben zwei Vorarlberger Segler ihr Olympiaticket.
Von Den Haag nach Marseille: Mit Benjamin Bildstein (l.) und Lukas Mähr haben zwei Vorarlberger Segler ihr Olympiaticket.

Segler Lukas Mähr über die Erfüllung seines sportlichen Traums.

Den Haag Der Tag danach, kurz vor neun Uhr: Lukas Mähr wartet am Flughafen in Amsterdam auf sein Check-in für den Rückflug nach Wien und verkürzt sich die Zeit mit einem Gespräch mit den VN. Ärger über die verpasste WM-Medaille? „Nein, sagt er, ja gestern haben wir uns kurz über Platz vier geärgert. Doch unser Ziel war ja ein anderes.“ Galt es doch, zusammen mit Steuerfrau Lara Vadlau (29) in der 407er-Klasse das Olympiaticket für Paris 2024 zu holen – und das gelang in überzeugender Manier.

Wie fühlt es sich an, das Olympiaticket nun in der Tasche zu haben?

Mähr Ich verspüre absolute Freude. Es fühlt sich einfach nur großartig an, wenn all die Arbeit auch Früchte trägt. Das eine ist die Erwartungshaltung, das andere die Tatsache, es geschafft zu haben. Weil wir uns von Tag zu Tag gesteigert haben und wie Lara sagte, eine solide Leistung abgerufen haben. Wir wissen beide, dass noch Luft nach oben ist. Denn der Stressfaktor bei der WM war groß und alle, auch wir, haben sich Fehler geleistet.

Luft nach oben heißt konkret?

Mähr Es gibt Verbesserungspotenzial in allen Bereichen. Etwa in der Analyse des Zusammenspiels Strömung und Wind. Gerade in der Nordsee ist dies krass. Das können wir sicher besser machen, zumal gerade der Strömung in der Bucht vor Marseille große Bedeutung zukommt. Das ist besonders wichtig für die Startsequenz.

Vor zwei Jahren begann das Projekt Lukas Mähr/Lara Vadlau. Jetzt habt ihr das Olympiaticket in der Tasche. Wie war der Start?

Mähr Es liegen vor allem zwei Jahre harte Arbeit hinter uns. Und man darf nicht vergessen, dass die Grundlagen für den Erfolg schon davor geschaffen wurden. Nicht zuletzt dank den vielen Segelstunden mit David (Anm. d. Red.: Bargehr) in über zehn Jahren haben zu einem hohen Ausgangslevel verholfen. Man darf nicht vergessen, dass die Konkurrenz im 470er, wo Frauen und Männer zusammengelegt wurden, extrem stark ist. So gesehen sind der vierte Platz und die Leistung bei der WM nicht hoch genug einzuschätzen.

Hat sich Ihr Ex-Partner David Bargehr schon gemeldet?

Mähr Er hat mir gleich nach dem Ende der Wettfahrten gratuliert. Wir haben ja noch immer viel Kontakt. Sein Knowhow im Segelsport ist extrem hoch. Das kann er als Trainer in den USA gut weitervermitteln. Uns verbindet eine lange Geschichte. David ist extrem harter Kämpfer. Wir hatten oft sehr viel Pech und haben es nicht unter die Top Ten geschafft.

Dennoch haben Sie beschlossen, den Olympiatraum weiter zu verfolgen. Wie groß war die Umstellung, ab sofort mit einer Frau an Bord zu segeln?

Mähr Die Umstellung war groß, das ist allein schon den körperlichen Voraussetzungen geschuldet. Wir haben uns anfangs gefragt, was denn von Vorteil sei: Eine Frau oder ein Mann als Vorschoter. Letztendlich ist es egal und Lara bringt als Steuerfrau sehr viel Gefühl mit. Das war neu für mich, doch wir wollten den Weg gemeinsam gehen.

Der Traum von Olympia, wann wurde er geboren?

Mähr Ich erinnere mich noch gut an die Spiele 2000 in Sydney als Österreich dank Christoph Sieber (Anm. d. Red.: Windsurfen) und Roman Hagara mit Hans-Peter Steinacher (Tornado) jeweils Gold geholt haben. Diese Fernsehbilder habe ich nie vergessen. Seither lebe ich diesen Traum.

Der nun mit der Teilnahme bei den Spielen in Frankreich Wirklichkeit wird. Ein Vorteil, dass in Europa gesegelt wird?

Mähr Logistisch mit Sicherheit. Die Spiele in Rio und Tokio waren zuletzt mit enormen Herausforderungen verbunden. In Marseille steht ein Trainingscontainer des Segelverbandes, die An- und Abreise ist leichter.

In entspannnter Atmosphäre in Den Haag: das 470er-Duo: Lara Vadlau/Lukas Mähr.OESV-Matesa/2
In entspannnter Atmosphäre in Den Haag: das 470er-Duo: Lara Vadlau/Lukas Mähr.OESV-Matesa/2