Die Goldene überstrahlte den Rekord

Isabel Posch kürt sich mit 6107 Punkten zur Siebenkampf-Weltmeisterin bei World University Games.
Chengdu Vorarlberg hat eine neue Weltmeisterin. Bei den 31. World University Games in China lieferte Isabel Posch einen Wettkampf der Extraklasse ab und sicherte sich verdient die höchste Auszeichnung. Zwei Monate nach ihrem fulminanten Auftritt bei ihrem Debüt beim Hypomeeting in Götzis, wo die 23-Jährige mit 6021 Punkten als erste Vorarlberger Siebenkämpferin die 6000-Punkte-Marke knackte, schrieb die Fußacherin in den Welthochschulspielen das nächste Kapitel in ihrer Erfolgsgeschichte. „Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich die ganzen Eindrücke und Erlebnisse hier in China wirklich realisiert habe. Im Moment bin ich einfach total geflasht von den Anstrengungen des Wettkampfs, die unbeschreiblichen Glücksgefühle bei der Siegerehrung, als die Bundeshymne erklang, und den zahlreichen Glückwünschen. In den Stunden nach dem Wettkampf hat mein Handy ununterbrochen geklingelt und ich dachte, es explodiert jeden Moment“, frohlockte die neue Siebenkampf-Königin aus der Rheindeltagemeinde nach ihrem großen Erfolg.
Satz auf 6,38 m
Als Initialzündung für den späteren Triumph bezeichnet die Studentin der Ernährungswissenschaften an der Internationalen Hochschule Bad Honnef den Weitsprung. „Nachdem ich am ersten Tag als Zweite nur 31 Punkte hinter Topfavoritin Yuliya Loban gelegen bin, konnte ich im ersten Bewerb des zweiten Tages sofort das erhoffte Ausrufezeichen setzen. Gleich im ersten Versuch ist mir ein Satz auf 6,38 m gelungen – einfach genial“, so Posch. Mit den 969 Punkten für ihren zweiten Disziplinensieg nahm die TS-Lustenau-Athletin der Ukrainerin 150 Punkte ab und führte nun mit 119 Zählern Vorsprung auf Loban die Zwischenwertung an. „Ich habe immer versucht, meinen Fokus von Bewerb zu Bewerb zu legen und wäre ehrlich gesagt gedanklich mit dem Gewinn einer Medaille mehr als zufrieden gewesen. Nach dem Weitsprung habe ich dann aber die große Chance realisiert, mein Siegeswille war geweckt und ich wollte mich mit der Medaille nicht zufrieden geben, sondern gewinnen.“
Mentale Stärke bewiesen
Doch Loban konterte im Speerwerfen, warf mit 44,33 m um 3,42 m weiter als Posch und reduzierte den Rückstand auf 53 Punkte. Damit kam es im abschließenden 800-m-Lauf zum großen Showdown um die höchste Auszeichnung. Wie schon vor zwei Monaten beim Hypomeeting stellte Posch dabei ihre mentale Stärke unter Beweis. Beide Athletinnen lieferten sich vom Startschuss an ein packendes Kopf-an-Kopf-Duell. Posch konzentrierte sich die gesamte Strecke lediglich auf Loban, ließ sich vom hohen Anfangstempo der Ukrainerin nicht aus dem Konzept bringen und blieb ihrer Konkurrentin stets an den Fersen. Am Ende lief Posch mit persönlicher Bestzeit von 2:16,99 Minuten nur 0,67 Sekunden hinter Loban als Fünfte über die Ziellinie und sicherte sich mit 44 Punkte Vorsprung den Gesamtsieg. „Ich habe mich die gesamten 800 Meter nur auf Yuliya konzentriert und mir immer wieder eingeredet, ich darf sie nicht abreißen lassen. Dass ich am Ende mit 6107 Punkten auch noch meine in Götzis aufgestellte Bestmarke um 86 Punkte übertroffen habe, war ein angenehmer Nebeneffekt. Die Freude über Gold überstrahlte aber alles“, betonte Posch euphorisch.
135 Punkte hinter Bronze
Im Sog der frischgekürten Weltmeisterin beendete Landsfrau Chiara-Belinda Schuler als Sechste den Wettkampf. Die 22-jährige Hörbranzerin erreichte mit 5788 Punkten ihre zweitbeste Leistung in ihrer Karriere und hatte 135 Punkte Rückstand auf die drittplatzierte Schweizerin Lydia Boll (5923). Zwischen Boll und Schuler belegten die Polin Edyta Bielska (5865) und Celia Perron (5862) aus Frankreich die Ränge vier und fünf.
In den Tagen zuvor hatten beide Vorarlberger Mehrkämpferinnen, die am Dienstag zurück ins Ländle kommen, bereits Topresultate in ihren Paradeeinzeldisziplinen erreicht. Posch belegte mit 6,24 m, bis vor dem Chengdu-Siebenkampf die zweitbesten Weite in ihrer Karriere, den sechsten Rang im Weitsprung und Schuler mit einer Weite von 46,27 Metern Rang zwölf im Speerwurf.
„Nach dem Weitsprung war mein Siegeswille geweckt und ich wollte gewinnen.“

