Eleni Rittmann: Die Instagram-Influencerin bringt Farbe ins Altacher Frauenteam

Altachs Neuerwerbung aus der Schweiz fällt in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen. Am augenscheinlichsten ist ihr Instagram-Auftritt, der 181.000 Follower zählt. Dazu gehört seit ihrer Vertragsunterzeichnung im Rheindorf auch eine größere Community aus Vorarlberg.
Altach Es regnet, nein es gießt im wahrsten Sinne des Wortes aus Kübeln, als Eleni Rittmann ihren pinkfarbenen Fiat 500 vor dem Trainingscampus parkt. Pink ist nicht nur die Farbe ihres Autos, auch ihr gewähltes Outfit (Hose) ist pinkfarben, wie auch ihre Fußballschuhe. Allein, es ist nicht die Farbe allein, die Altachs Neuerwerbung so heraushebt. Denn die humorvolle Schweizerin ist Influencerin und zählt inzwischen 181.000 Follower*innen auf ihrem Instagram-Kanal. Damit eröffnen sich auch ihrem neuen Klub, dem Cupfinalisten der Vorsaison, völlig neue Möglichkeiten. So nämlich wird sich die SPG SCR Altach/FFC Vorderland in der neuen Saison einer bislang unerreichten Popularität erfreuen. Zumindest, was den Social-Media-Bereich betrifft.
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Das jedoch ist nur eine von vielen Facetten der in Uznach geborenen und in Walenstadt lebenden Schweizerin. Rittmann ist trotz ihrer Jugend (Anm. d. Red.: 22 Jahre) schon eine selbstbewusste junge Frau, die genau weiß, was sie will. Und ganz oben steht ihr Traum: Profifußballerin. Schuld daran sind ihre beiden älteren Brüder Nico und Marc, bei denen sie sich in ihrer Jugend immer angehängt hat. “Ich bin ihnen hinterhergelaufen, wenn sie zum Fußballplatz gingen”, erzählt sie. “Auch wenn sie nicht glücklich darüber waren. Sie haben mich dann einfach ins Tor gestellt oder in die Verteidigung, einfach da, wo ich aus ihrer Sicht am wenigsten gestört habe.” Doch dann nahm sich Papa Thomas der fußballbegeisterten Eleni an und von da an trainierte sie mit den Buben. “Bis zu meinem 13. Lebensjahr habe ich immer mit den Jungs gespielt.”

Das sollte sich erst mit ihrem Wechsel nach Rapperswil-Jona ändern, wo sie mit einer Doppellizenz (“Ich wollte noch mit den Burschen trainieren, gleichzeitig aber auch mal in einer Mädchenmannschaft spielen”) spielte und wo sie zuletzt – nach einem kurzfristigen Wechsel zum FC Zürich – auch in der Schweizer Women’s Super League spielte. Zuletzt sogar als Spielführerin und verlängerter Arm des Betreuerstabes. Es sollte auch ein ehemaliger Trainer sein, der schließlich den Kontakt nach Altach herstellte. Weil: “Mir hat am Schluss die Herausforderung gefehlt”, sagt Rittmann. Und das nach einer aufregenden Saison, in der sie mit Rapperswil-Jona erst im Auf-/Abstiegsplayoff die Liga halten konnten. Ex-Vorderland-Trainer Leandro Simonelli (50), für einige Zeit auch Rittmanns Coach in Rapperswil, sorgte für einen ersten Kontakt. “Ich habe mir dann ein Training angeschaut, durfte die Mannschaft kennenlernen. Alle waren mega offen und ich spürte, welchen Stellenwert der Frauenfußball hier in Altach hat”, lässt sie ihre ersten Berührungspunkte noch einmal Revue passieren.


Das Nationalteam als Fernziel
Während also die Schweiz bei der FIFA-WM im Einsatz ist, will sich die 22-Jährige über den Umweg Österreich für das Nationalteam empfehlen. “Ja, das ist mein Ziel. Mir ist auch bewusst, dass noch zwei, drei Schritte fehlen. Die will ich nun in Altach machen.” Immerhin ist die Schweiz 2025 Ausrichter der Fußball-EM der Frauen – und St. Gallen wird dann auch ein Spielort sein. Ein Fernziel für die Abwehrspielerin, deren Einstand in Altach nicht optimal verlief. “Nach dem ersten Training bin ich krank geworden, jetzt freue ich mich auf die Einheiten und mein erstes Spiel mit den Mädels am Wochenende.”

Und wie beschreibt sich Eleni Rittmann selbst als Fußballerin? “Ich bin eine Teamplayerin. Mir ist die Mannschaft am wichtigsten. Ich denke, dass ich ein gutes Tackling habe und ich auch mit meiner Schnelligkeit punkten kann. Zweikämpfe zähle ich ebenfalls zu meinen Stärken. Niemand soll sich durch mein Aussehen täuschen lassen”, lacht sie und schickt verbal schon mal eine Kampfansage an die kommenden Gegner.

Rittmann weiß allzu gut, dass sie ob ihres Aussehens und ihrer Instagram-Tätigkeit (“Ein wenig bin ich auch auf Tik-Tok”) kategorisiert wird. “Anfangs waren einige Kommentare noch schwer verdaulich. Inzwischen aber stehe ich darüber, zumal mich auch meine Familie voll unterstützt.” Als Influencerin weiß sie inzwischen ein Management hinter sich. “Es macht mir Spaß, den Frauenfußball und auch mich zu präsentieren”, sagt die Schweizerin, die in Zürich ein Studium (Sozialberuf) absolviert. “Ich habe da auch ganz klar die Grenzen abgesteckt, was Körperfreiheit angeht.”

Gefallen daran fand sie dank Ana Maria Markovic. Die kroatische Nationalspielerin (“Eine Kollegin von mir”) hat inzwischen 2,8 Millionen Follower auf Instagram. Heute, so sagt Rittmann, verdiene sie durch Kooperationsverträge dadurch schon Geld. Und diesbezüglich gibt es einen zusätzlichen Anreiz, denn die Schweizer Nationalspielerin Alisha Lehmann hat mit ihrer Follower-Anzahl (rund 15 Millionen) inzwischen sogar den Nationalhelden Roger Federer in Sachen Popularität abgelöst.


Noch ist also einiges zu tun für Rittmann. Sowohl sportlich, als auch im Social-Media-Bereich ist noch Luft nach oben. Mit ihrer Zielstrebigkeit aber zeigt die Fußballerin, dass sie den Plafond längst nicht erreicht hat. Und schließlich bleibt ihr ja das Studium. “Für mich ist es eine ideale Kombination. Studieren macht den Kopf müde, das Training befreit den Kopf und macht den Körper müde und das Posten von Bildern bereitet mir einfach Spaß. Ich nehme meine Community gerne mit bei meinen Tätigkeiten.” All das kommt auch der SPG SCR Altach/FFC Vorderland zugute. Denn deren Anhängerschar hat dank Eleni Rittmann weltweit Potenzial.
