„So etwas darf nie wieder passieren“

Sport / 21.03.2023 • 20:41 Uhr
Im Stadion verlief zunächst trotz großem Anhang alles friedlich. Die Eskalation folgte eine halbe Stunde nach Abpfiff.Steurer (2)
Im Stadion verlief zunächst trotz großem Anhang alles friedlich. Die Eskalation folgte eine halbe Stunde nach Abpfiff.Steurer (2)

Die Aufregung nach den Ausschreitungen beim Lustenau-Derby ist groß. Austria bemüht sich um Beruhigung.

Lustenau Es sind verstörende Szenen, die sich am Samstag vor dem Haupteingang des Stadions an der Holzstraße abgespielt haben. Nach Spielende des VFV-Cup-Derbys zwischen dem FC Lustenau und den Austria Lustenau Amateuren kam es bekanntlich zu einer Schlägerei, an der rund zehn bis 15 Personen direkt beteiligt waren. Das bestätigen Videobilder, die von einem benachbarten Balkon aufgenommen wurden.

Über den Auslöser für die Handgreiflichkeiten gibt es unterschiedliche Aussagen, einem gezielten Angriff auf Fans des FC Lustenau widersprechen sowohl Austria-Verantwortliche als auch Fans. Die Aggression habe sich gegen den Securitydienst gerichtet, im Vorfeld habe es Provokationen gegeben. Die Nordtribüne, der Zusammenschluss der organisierten Fanszene, berichtet von einem Angriff auf einen unbeteiligten Austria-Fan, der zur Eskalation geführt habe. Das, was anschließend folgte und auf besagtem Video zu sehen ist, wird von allen Beteiligten aufs Schärfste verurteilt. „Es gibt nichts, was den Einsatz von Gewalt rechtfertigt“, sagte Austria-Vorstandssprecher Bernd Bösch, der seit Samstag zahlreiche Gespräche mit den eigenen Fans und Verantwortlichen des FC Lustenau geführt hat. „Die Austria wird auf die Einnahmen aus den Ticketverkäufen beim Derby, die ihr zustünden, verzichten und diese dem FC-Nachwuchs zur Verfügung stellen. Außerdem werden die Fans Verantwortung übernehmen und sich sozial engagieren“, nennt Bösch erste Konsequenzen, die Sachschäden am „Holz“ werden ebenso von den grün-weißen Fans bezahlt.

„Erfunden und unrichtig“

Der gastgebende FC Lustenau verurteilte die Gewalt deutlich, in diesem Fall besonders, „weil zahlreiche Kinder und Familien die Geschehnisse aus nächster Nähe mitansehen mussten“, wie der Vorstand der Blau-Weißen in einer Stellungnahme schrieb. Die Kritik an einem unangemessenen Vorgehen der engagierten Securityfirma soll aufgearbeitet werden – unter anderem soll ein Austria-Vorstandsmitglied bereits beim Betreten des Stadions unsanft angepackt worden sein. Hierzu habe es bereits Gespräche mit der Unternehmensführung der Dornbirner Sicherheitsfirma Protector gegeben.

Diese äußerte sich bereits gegenüber den VN via Stellungnahme von Geschäftsführer Zlatan Jovanovic. In dieser weist Jovanovic die Vorwürfe der Austria-Fans, wonach die Provokationen von Teilen der Securtiys ausgegangen wären, als „erfunden und unrichtig“ zurück. Laut Jovanovic hätten bereits vor Spielbeginn Austria-Fans die Sicherheitskräfte angegriffen und „einer Frau einen heftigen Schlag gegen die Rippen verpasst.“

Nach Spielende hätten die „äußerst gewaltbereiten“ Austria-Fans versucht, den Haupteingang zu stürmen. Als unrichtig bezeichnet Jovanovic außerdem die Vorwürfe, wonach Sicherheitskräfte Kampfhandschuhe, Stangen und Pfeffersprays getragen hätten. Lediglich Taschenlampe, Erste-Hilfe-Set und schnittfeste Handschuhe würden zur Ausstattung der Securtiys zählen. Allerdings zeigten die Bilder des VN-Pressefotografen zumindest bei einem Security eine Pfeffersprayhalterung und Quarzsandhandschuhe, die sich deutlich von jenen schnittfesten Handschuhen unterschieden, die Protector in der Stellungnahme als Beispiel angab. Quarzsandhandschuhe sind beispielsweise in der Bundesliga für Ordner verboten.

Fünf der Securitymitarbeiter haben sich bei den Krawallen verletzt, das Attest einer Gesichtsschwellung liegt der Redaktion vor. Zudem soll sich laut Polizeibericht eine weitere unbeteiligte Person durch ein geworfenes Metallschild Schnittverletzungen zugezogen haben. Die Polizei hat Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen, nach einer Identifikation der Täter will die Austria strenge Stadionverbote aussprechen.

Friedliche Feste erwünscht

Für die Verantwortlichen des Bundesligisten kommen die Negativschlagzeilen natürlich zur Unzeit. In der ohnehin schon aufgeheizten Stadiondiskussion bestätigen Ausschreitungen den negativen Ruf, der Fußballfans ohnehin vorauseilt. Besonders bitter, weil vom Großteil der Zuseher der Besuch im „Holz“ bis zu den Ausschreitungen als tolle Atmosphäre und Fußballfest bezeichnet wurde. „So etwas darf nie wieder passieren!“, fordert deshalb der FC-Lustenau-Vorstand, „eine gesunde Rivalität und ein friedliches Miteinander muss in einer Gemeinde mit zwei Fußballvereinen möglich sein und entsprechend gelebt werden. Wir wollen und werden in Zukunft wieder friedliche Feste mit der Lustenauer Austria feiern.“

Bereits am 15. April treffen die beiden Klubs an gleicher Stelle wieder aufeinander. Die Austria will auf die Fans einwirken, dass diese gar nicht erst als Gruppe zum Spiel erscheinen. Die Nordtribüne will ihr Vorgehen erst intern abstimmen. Der Bundesligaspielplan spielt jedenfalls den Verantwortlichen in die Karten, denn parallel zum „kleinen Lustenau-Derby“ trifft die Austria in der Bundesliga zu Hause auf den WAC. VN-EMJ

Im Stadion verlief zunächst trotz großem Anhang alles friedlich. Die Eskalation folgte eine halbe Stunde nach Abpfiff.Steurer (2)
Im Stadion verlief zunächst trotz großem Anhang alles friedlich. Die Eskalation folgte eine halbe Stunde nach Abpfiff.Steurer (2)