Goldhoffnungen
Das letzte Ziel bei dieser WM war und ist eine Goldene. Was nutzen sechs Medaillen, wenn ein Land, das in einem drittklassigen Bewerb eine Goldene gewinnt, dann im Medaillenspiegel vor uns rangiert?
Dass diese Goldene nicht bei den Damen im Riesenslalom gewonnen werden kann, war klar. Auch der Blitz-Trainerwechsel mit Matthias Berchtold an die Seite von Katharina Liensberger konnte hier nicht mehr viel ausrichten. Hier wird wohl eine ganze Trainingsphase bis in die nächste Saison benötigt, um die Mädels wieder auf Kurs zu bringen.
Bei den Herren war es dann allerdings sehr spannend. Mit fast sechs Zehntel Vorsprung führte Marco Schwarz nach einem fulminanten ersten Lauf vor dem scheinbar unbezwingbaren Marc Odermatt.
Sogar Manuel Feller und Stefan Brennsteiner lagen noch in Reichweite einer Medaille. Solch ein Zwischenergebnis haben wir seit Marcel Hirschers Zeiten nicht mehr gesehen. Auf diesem schwierigen Hang wäre dann aber auch die Coolness von Hirscher gefragt gewesen, um die erste Goldene heimzufahren. Das sollte leider nicht der Fall sein. Brennsteiner war der erste, der sich den Hang hinunterstürzte. Und er bot eine passable Leistung, aber auch nicht mehr. Dann kam Feller und er startete vielversprechend. Bis Mitte Zielhang leuchtete es noch Grün, dann verließen ihn die Kräfte und er schied aus.
Loic Meillard und vor allem Odermatt waren sichtbar nicht geneigt, den Sieg kampflos herzuschenken. Vor allem Odermatt, der schon die gesamte Saison eine überragende Leistung gezeigt hat, riskierte viel. Ein paar Rutscher und kleine Fehler konnte man ausmachen, doch er schaffte es, seinen Landsmann knapp abzufangen.
Das war die Chance für Schwarz den Sieg heimzufahren. Der Start gelang sehr gut und der Vorsprung von mehr als einer halben Sekunde hielt bis in den Zielhang. Dann passierte ihm ein kleiner Rutscher und von da an schien sein Kampfeswille gebrochen. Mir kam vor, als wollte er nur noch irgendwie ins Ziel kommen. Aber so wird man nicht Weltmeister. Wirklich schade, eine solche Chance in den Wind zu schlagen. Am Ende wurde es Bronze. Ob er sich darüber richtig freuen kann, glaube ich nicht. Die Bronzene von Cortina vor zwei Jahren hat bei ihm sicherlich einen höheren Stellenwert.
Eine Chance auf Gold gibt es ja noch bei den Herren im Slalom. Und es passieren vor allem bei Grossevents auch immer wieder unvorhersehbare Überraschungen.
„Auf diesem schwierigen Hang wäre die Coolness von Marcel Hirscher gefragt gewesen, um die erste Goldene heimzufahren.“
Marc Girardelli
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Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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