Gekommen als Trainer, geblieben als Spieler

Mike Steven Bähre überzeugte nicht nur die Trainer im Dezember, auch im ersten Test des Cashpoint SCR Altach zeigte der 27-jährige Deutsche, dass er eine große Verstärkung sein kann. Dass es schon zuvor Berührungspunkte gab, gehört zur besonderen Geschichte des Hannoveraners.
Altach Es war im Oktober 2022, als Mike Steven Bähre erstmals nach Altach fuhr. Damals als Trainer des TuS Garbsen – aktuell Landesliga Hannover. “Da wusste ich zwar über Altach als Bundesligist Bescheid, aber nicht, wo der Ort liegt”, gibt er offen zu.
Dass Chefcoach Miroslav Klose den Rheindörflern vor allem in Deutschland zu noch mehr Bekanntheit verholfen hat, ist allseits bekannt, doch bei Bähre lief es über SCRA-Cotrainer Slaven Skeledzic. “Ich war gerade auf dem Sprung nach oben, da ist er in Hannover Leiter der Nachwuchsabteilung geworden. Er wusste, dass ich auf der Suche bin und hat mich kontaktiert.” So lief der Erstkontakt und der 27-Jährige sollte im November ein zweites Mal ins Ländle kommen. Beim 5:0-Testspielsieg war Bähre dann einer der vielen Testspieler – und ist geblieben. Der Trainer Bähre mutierte damit nach einem halben Jahr wieder zum Spieler. “Die Zeit hat mir viel gebracht. Sozusagen einmal der Entscheider zu sein. Es hat mir wirklich viel Spaß gemacht”, sagt er heute und meint: “Auf der Trainerbank ist es schlimmer als am Feld.” Vor allem menschlich, weil er die Zeit in der Heimat bei den Eltern und all den Jugendfreunden – so fungierte Kevin Wolf (26) als sein Cotrainer – genossen hat, und auch in Sachen Fußball, weil die Sicht eines Trainers zumeist eine andere ist, habe er viel gelernt. Nun aber lebt er seine Leidenschaft wieder, hat wie auch Kevin Wolf (Carl Zeiss Jena) einen neuen Vertrag als Spieler unterschrieben. Und so ist er froh, dass für ihn der “Nervenkitzel am Platz” zurück ist.

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Der Weg nach England
2018 sollte seine Laufbahn als Fußballer eine entscheidende Wende erfahren. “In Hannover bin ich nicht aus dem Status eines Jugendspielers hinausgekommen”, blickt er heute über seinen Wechsel auf die Insel zurück. Nach Ausleihen zum Hallescher SC und SV Meppen hat ihn ausgerechnet ein Ex-Trainer von Hannover nach England gelockt. “Er hatte ein Angebot von Barnsley und hat mich am Tag nach einer Vertragsunterzeichnung angerufen”, erzählt er. “Der Klub war gerade in die dritte Liga abgestiegen und wollte einen Neuanfang machen.” Weil aber die Saison in England bereits begonnen hatte, war für den Neo-Altacher vorerst nur eine Leihe möglich. “Mit Kaufoption”, sagt er: “Wir haben dann die Saison recht erfolgreich bestritten und sind direkt aufgestiegen. Auch für mich persönlich lief es wirklich gut. Im Sommer hat der Klub die Kaufoption gezogen und mich fix verpflichtet. Wir sind dann mit mir als Kapitän auch super in die Championship-Saison gestartet. Und das trotz einer sehr jungen Mannschaft. Es gab dann einen Knacks und einen Trainerwechsel (Anm. d. Red.: Ex-WAC-Coach Gerhard Struber), doch an meiner Position hatte sich vorerst nichts verändert. Bis zum ersten Corona-Lockdown lief es richtig gut.” Als 24-Jähriger wurde ihm dann seitens des Vereins mitgeteilt, dass sie ihn gerne verkaufen würden. “Es ist eben die Philosophie des Klubs, mit jungen Spielern auch Geld zu verdienen”, sagt er ohne Groll.

“England hört sich nicht ganz so verkehrt an.”
Mike Steven Bähre über seinen damaligen Wechsel auf die Insel

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Dass er sich in Barnsley wohl gefühlt hat, daraus macht er keinen Hehl. Er hatte sich einen gewissen Status erarbeitet und wurde dann doch aus der ersten Mannschaft verbannt. “Selbst das Training durfte ich nicht mehr mitmachen.” So absolvierte er ein paar Spiele für das zweite Team, zog sich zudem eine Leistenverletzung zu. Letztendlich wechselte Bähre zurück nach Deutschland (Anm. der Red.: SV Meppen). “Vorerst in die 3. Liga, um wieder Fuß zu fassen. Es lief auch gut, bis mich eine Schambeinentzündung ein halbes Jahr außer Gefecht gesetzt hat.” Erstmals sah sich der Mittelfeldspieler, dessen offensive Position sich in all den Jahren in die eines Allrounders, “einen Mannes zwischen den Linien” (Miroslav Klose), veränderte, also mit einem langfristigen Ausfall konfrontiert. “In England hatten wir 40 und mehr Spiele pro Saison in den Beinen. Da blieb nicht viel Zeit für Training. Und plötzlich fehlte alles.”
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Im Sommer 2022 dann passierte der großen Einschnitt ins Fußballerleben. “Ich wollte etwas anderes machen”, erzählt Bähre – und war von einem Tag auf den anderen vereinslos. In der zweiten Mannschaft von Hannover konnte er das Training mitmachen, auch weil dort jener Trainer arbeitete, der ihn einst auf die Insel geholt hatte. Und dann kam das Angebot von Garbsen und die Möglichkeit, eine Mannschaft zu trainieren und bei einer entsprechenden Anfrage wieder als Fußballer Fuß fassen zu können.


Fußball
Testspiele des Cashpoint SCR Altach
Samstag, 21.1., 14:00 Uhr
Cashpoint SCR Altach vs. VfB Stuttgart II
In Altach
Freitag, 27.1., 14:30 Uhr
SpVgg Unterhaching vs. Cashpoin SCR Altach
In Unterhaching
Sonntag, 29.1., 11:00 Uhr
Cashpoint SCR Altach vs. AS Monaco Groupe Élite
In Altach
“Zumindest bei mir in Garbsen kennt nun jeder Altach”, schmunzelt er, wenn er von seinem neuen Klub spricht. Zumal eine erste Einschätzung sehr positiv ausfällt. Die Infrastruktur, die Trainingsmöglichkeiten, der Campus, das Trainerteam und vor allem die Mannschaft in Altach haben bei ihm Eindruck hinterlassen. “Die Trainer haben eine gute Idee, die wir umsetzen sollen.” Und: “In der Mannschaft bin ich richtig gut aufgenommen worden. Ich fühle mich jetzt schon richtig wohl.” Nicht zuletzt deshalb, weil mit Atdhe Nuhiu (33) ein Mitspieler da ist, mit dem er sich auf der Insel noch zwei Duelle geliefert hat. “Ich glaube, er hat sich nicht mehr so an mich erinnert, aber ich kannte ihn durch meinen Freund Samuel Radlinger”, lässt Bähre noch einmal die Spiele zwischen Barnsley und Sheffield Wednesday aufleben. Jetzt in Altach, so der Deutsche, tausche man sich deshalb immer wieder über die Zeit auf der Insel aus. Dass mit Ex-SCRA-Trainer Wolfgang Luisser (43) als Cotrainer bei Barnsley für einen kurzen Abschnitt sogar eine Verbindung ins Rheindorf (2020) bestand, gehört zum besonderen Werdegang des Deutschen.
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Heute, so sagt Bähre, wisse er, dass auch schlechte Erfahrungen die eigene Persönlichkeit stärken könne. Zumal er den Wechsel nach England (“Bisher sicher meine beste Zeit”), auch mit Blick zurück, nie bereut habe. Nun jedoch freue er sich auf die Zusammenarbeit mit Miroslav Klose (“In Deutschland einer der Größten, die es je gegeben hat”).
“Wenn er mir etwas erzählt, dann höre ich zu und versuche es umzusetzen.”
Mike Steven Bähre über Altach-Trainer Miroslav Klose
Privat sei er eher der ruhige Typ, der schon mal gerne auch für sich alleine ist. Wenngleich fußballverrückt, so hat er in all den Jahren gelernt, Dinge richtig einzuordnen und eine Chance am Schopf zu packen. Wie jetzt mit Altach. Das erste Ziel sei es, die Liga zu halten. “Die Qualität haben wir definitiv”, sagt er und klärt zum Schluss hinsichtlich seines Namens auf: “Den Bindestrich zwischen meinen beiden Vornamen gibt es nicht, es sind schlichtweg zwei normale Vornamen.”
