Brasilianische Begeisterung im Waldstadion

Trotz einer Niederlage war die Stimmung der brasilianischen Community beim Public Viewing bestens.
Feldkirch Bei 30 Grad Außentemperatur versammelten sich Zehntausende Fans des brasilianischen Nationalteams an der Copa Cobana in Rio de Janeiro. Die erste WM im brasilianischen Sommer sorgte im nach der Präsidentenwahl tiefgespaltenen südamerikanischen Land für eine erste zarte Annäherung.
Die Jubelszenen aus Brasilien wurden knapp 10.000 Kilometer entfernt im Clubheim des FC BW Feldkirch mit Beifall aufgenommen – und das bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt. Rund 200 Brasilianer, die in Vorarlberg oder der benachbarten Ostschweiz eine neue Heimat gefunden haben, trafen sich, um gemeinsam mit der „Selecao“ mitzufiebern und zumindest gefühlsmäßig der alten Heimat nahe zu sein. „Mein Herz fühlt sich, als wäre es in Brasilien“ sagte Organisator Valcimar Gomes, der als DJ Mineiro für Stimmung sorgt.

Bei Caipirinha und brasilianischen Spezialitäten stimmten sich die Fans bereits eine halbe Stunde vor Anpfiff auf das letzte Gruppenspiel ihrer Lieblinge ein. Wer später im Duell mit Kamerun die Oberhand behalten würde, war für eine Gruppe junger Mädchen bereits klar. „Brasil, Brasil, Brasil“, schallte es im Chor auf die Frage nach dem Sieger hervor. Gomes und sein Sohn Christofer hatten sich extra die Frisur des „originalen“ Ronaldo von der Weltmeisterschaft 2002 schneiden lassen. Damals holten die Brasilianer den bislang letzten ihrer fünf Weltmeistertitel. Heuer soll es Zeit für Titel Nummer sechs sein – da waren sich alle Anwesenden einig.

Fußball für alle
Als Gomes das erste Mal mit „Dale Dale Dale Oh“ einen beliebten brasilianischen Fangesang anstimmte, stieg der Lärmpegel Minuten vor Spielbeginn zum ersten Mal im Feldkirch Clubheim. Als dann die Hymne der Brasilianer im fernen Katar ertönte, standen im kleinen Feldkircher Clubeim alle auf, legten ihre Hand ans Herz und sangen lautstarkt mit. Der Anpfiff ging fast ein bisschen unter, während das Spiel lief, wurde weiter lautstark miteinander gesprochen, gescherzt und gesungen. Doch als sich die Brasilianer dem Tor der Kameruner näherten, nahm die Stimmung sogar noch an Fahrt auf. Doch die Offensivbemühungen der Südamerikaner wurden an diesem Tag nicht von Erfolg gekrönt. Wie es mit dem Torerfolg klappen könnte, wissen einige der Anwesenden aus eigenen Erfahrung. Unter den Zuschauern befand sich mit FC-Dornbirn-Angreifer Renan Nepomuceno immerhin der Führende der Torjägerliste in Österreichs 2. Liga ebenso wie SW-Bregenz-Regisseur Vinicius Maciel Gomes.

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Während der Pause herrschte bei den in Gelb-Grün gekleideten Selecao-Anhängern weiterhin große Zuversicht, die Anspannung der ersten 45 Minuten wurde bei Sambaklängen aus den Beinen getanzt. Als es dann wieder losging, fieberten die Fans in Feldkirch intensiv mit. In Brasilien ist Fußball mehr als nur ein Sport, viel mehr ein Gemeinschaftserlebnis für alle, unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft wie im Blau-Weißen Clubheim zu sehen war.
Doch Feldkirch brachte den passenderweise in Blau gekleideten Brasilianern kein Glück, in der Schlussphase kassierte der fünffache Weltmeister gegen Außenseiter Kamerun doch noch einen Treffer. Die Trauer über die Pleite wurde in Feldkirch allerdings schnell abgeschüttelt, richtig ernst wird es schließlich erst am Montag im Achtelfinale gegen Südkorea. Dann wird sich die brasilianische Ländle-Community wieder treffen und gemeinsam mit den Fußballhelden mitfiebern, ebenso wie jene an der Copacabana.
