Kritik von Pangl: “FIFA hätte nie in diese Verlegenheit kommen dürfen“

Sport / 18.11.2022 • 09:00 Uhr
Georg Pangl (57) macht sich Sorgen um den Fußball und kann der WM in Katar wenig bis nichts abgewinnen. <span class="copyright">©️ Sportsedition.at/A. Kreuzberger</span>
Georg Pangl (57) macht sich Sorgen um den Fußball und kann der WM in Katar wenig bis nichts abgewinnen. ©️ Sportsedition.at/A. Kreuzberger

Die Machenschaften im Weltfußballverband FIFA sind Georg Pangl (57), Geschäftsführer der Pangl Football Group, ein Dorn im Auge.

Stotzing Er war selbst ein Rädchen im Getriebe, doch Georg Pangl hat in all seinen Jahren beim ÖFB und der UEFA nie den Blick auf das Wesentliche verloren, den Blick auf den Fußball. Heute, mit 57 Jahren gewährt er in seinem Buch „Mein Theater der Träume“ Einblicke hinter die Kulissen der Fußball-Machtzentralen. Getrieben von der Sorge um die „Seele des Fußballs“, träumt er, der sich selbst gerne als „Fußballromantiker bezeichnet, von der Möglichkeit einer Rückkehr in eine leitende Funktion.

Georg Pangl macht sich viele Gedanken über den Fußball. <span class="copyright">hartinger</span>
Georg Pangl macht sich viele Gedanken über den Fußball. hartinger

In zwei Tagen beginnt die erste Winter-Fußball-Weltmeisterschaft in der Wüste. Auch Sie haben in ihrem Buch die Vergabe 2010 an Katar kritisiert.
Es war das erste und einzige Mal, dass Weltmeisterschaften im Doppelpack vergeben wurden. Sepp Blatter hätte gerne Russland und USA als WM-Veranstalterländer und sich selbst somit als Vermittler zwischen den Supermächten, quasi als Friedensnobelpreisträger gesehen. Doch es wurde gemauschelt innerhalt der FIFA-Exekutive, nach dem Motto „hilfst du mir, so helfe ich dir“. Dass im Vorfeld jeder WM stets eine Delegation in alle möglichen Vergabeländer reist, um sich vor Ort ein Bild zu machen und dass der Chilene Harold Mayne-Nicholls damals als Vorsitzender der Evaluierungskommission der FIFA Russland (2018) und Katar (2022) in der Bewerber-Rangliste jeweils aus den letzten Platz gereiht hat, wird oft vergessen. Er wurde danach mundtot gemacht und von der FIFA für sieben Jahre gesperrt. Ebenso dass von den 22 Exekutivmitgliedern von 2010 21 nicht mehr dabei sind. Sie sind entweder inhaftiert oder suspendiert worden oder auch von selbst zurückgetreten.

Ihre Ausführungen lassen darauf schließen, dass sich die Vorfreude des langjährigen Fußballfunktionärs und Fußballfans Georg Pangl auf die WM in Grenzen hält?
Ganz ehrlich, bei allem was über Katar zu lesen ist. Von der Nicht-Einhaltung der Menschenrechte über die Benachteiligung von Frauen, den Sager von WM-Botschafter Khalid Salman (Anm. d. Red.: Er bezeichnete Homosexualität als geistigen Schaden) oder den Bespitzelungen – all das dämpft die Vorfreude gewaltig. Die FIFA hätte einfach nie in Verlegenheit kommen dürfen, die WM nach Katar zu vergeben. Allerdings verstehe ich auch Präsident Gianni Infantino, dass er 2015 nicht mehr rückrudern konnte. Denn dann hätte die FIFA mit hohen Klagen rechnen müssen.

Georg Pangl 2007 beim Gespräch in der VN-Sportredaktion.
Georg Pangl 2007 beim Gespräch in der VN-Sportredaktion.

In Katar wird die WM ob ihrer Nachhaltigkeit gelobt?
Das muss mir einer erklären. Die Endrunden leben von den Fans, doch in Katar gibt es keine Hotels. Jetzt will man sich mit 160 Shuttle-Flügen behelfen. Da soll mir einer erklären, was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat.

Sie bezeichnen sich selbst als Fußballromantiker, wissen aber auch, dass der Fußball ohne Geld nicht funktioniert?
Es ist nicht das Geld, es ist vielmehr die Verteilung der Gelder. Um nichts anderes geht es im Streit zwischen der UEFA und jenen Klubs, die eine Super League gründen wollen. Seit der Einführung der Champions League 1992 bis 2018 haben die 14 größten Klubs sieben Milliarden Euro Preisgeld verdient. Ab 2024 warten jährlich fünf Milliarden an Preisgeld. Rechnet man also die nächsten 26 Jahre hoch, dann warten mehr als 60 Milliarden Euro auf die Topklubs. Die Schere im europäischen Fußball geht damit weiter auseinander. Dafür sorgen zudem Scheichs, Oligarchen sowie Investoren aus den USA oder China. Auf der Strecke bleiben die Fans. Schon heute gibt es in vielen Ligen Serienmeister, von Spannung – für mich eines der wichtigsten Elemente – keine Spur. Deshalb meine Sorge um den Fußball. So nähert er sich dem Abgrund.

Georg Pangl kennt  die Arbeit der internationalen Verbände. <span class="copyright">©️ Sportsedition.at/A. Kreuzberger</span>
Georg Pangl kennt die Arbeit der internationalen Verbände. ©️ Sportsedition.at/A. Kreuzberger

Doch eine Super League wäre auch nicht der Weisheit letzter Schluss?
Sollte sie kommen, dann würde das Monopol der UEFA fallen. Deshalb ist mit großer Spannung das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu erwarten. In der EU sind die Grundsätze des freien Wettbewerbs verankert und genau darauf zielt die Klage der verbliebenen Klubs (Anm. d. Red.: Real Madrid, Juventus, FC Barcelona).

Warum bezeichnen Sie sich als Fußballromantiker?
Nach meinem Wechsel vom ÖFB zur UEFA war ich Head aller Venue-Direktoren und 2003 und 2004 als Projektmanager für die CL-Finali zuständig. In Gelsenkirchen waren mit dem FC Porto und Monaco letztmals zwei sogenannte Überraschungsteams im Endspiel. Ab 2005 wurde es zu einer Inzucht der großen Klubs. Für mich ist auch die Einführung der Conference League nicht mehr als eine Mogelpackung. Weit entfernt von einer gerechten Verteilung der Gelder.

Georg Pangl 2019 bei seinem Besuch beim Cashpoint SCR Altach, mit Vizepräsident Werner Gunz und Geschäftsführer Christoph Längle (links). <span class="copyright">Hartinger</span>
Georg Pangl 2019 bei seinem Besuch beim Cashpoint SCR Altach, mit Vizepräsident Werner Gunz und Geschäftsführer Christoph Längle (links). Hartinger

Es bleibt also ein Theater der Träume, wie der Titel ihres Buches. Welche Bewandtnis hat es mit dem als „theatre of dreams“ bekannten Old-Trafford-Stadium in Manchester?
Manchester, Old Trafford, 2003 war mein mein erstes Champions-League-Finale als Projektmanager. Und: Träume zu haben ist wichtig.

Georg Pangl während seiner Zeit als Bundesliga-Vorstand. <span class="copyright">gepa</span>
Georg Pangl während seiner Zeit als Bundesliga-Vorstand. gepa

Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht

„Was ich an dieser Stelle sagen kann, vorbehaltlich der Wahl durch die 162 burgenländischen Vereine, werde ich 2024 das Amt des Präsidenten des Burgenländischen Fußballverbandes übernehmen.“ Und: „Das ist eine Aufgabe, die mich im Sinne der Unterstützung der Anliegen der Vereine über alle Maßen reizt, die aber trotzdem nicht das Ende der Fahnenstange sein soll.“ Die Sätze aus seinem Buch zeigen deutlich, dass sich Georg Pangl schon in naher Zukunft wieder eine Funktion im österreichischen Fußball vorstellen kann. Ein Konzept, das sich der Revitalisierung der Vereine widmet, liegt bereits in der Schublade. Bei diesen Träumen ist es nur allzu verständlich, dass er mit der Frage des ÖFB-Präsident konfrontiert wird. Selbst das ist in seiner Vorstellungskraft. Deshalb hat er auch eine Meinung zum jetzigen Gegeneinander im Präsidium. Für Pangl, der von 2004 bis 2014 als BL-Vorstand werkte, ein „No-Go“. Und zur Inseratenaffäre Präsiden Gerhard Milletich betreffend, sagt er: „Es ist nicht allein eine Frage des Rechthabens, sondern auch eine Frage der Moral.“