So sieht Altachs Schritt in eine neue Fußballdimension aus

Konkrete Pläne und Finanzierungsmodell: Der Cashpoint SCR Altach treibt den Stadionausbau voran.
Altach Nach sportlich schwierigen Saisonen herrscht beim Cashpoint SCR Altach wenige Tage vor dem Start in die Bundesliga Aufbruchsstimmung.
Aber nicht nur sportlich und der Verpflichtung von WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose (44) als Trainer geschuldet, plant man beim heimischen Bundesligisten die Zukunft. Mehr denn je rückt die Stadionvision in den Mittelpunkt. Ein Thema, mit dem sich Geschäftsführer Christoph Längle (52) und Vizepräsident Werner Gunz intensiv beschäftigen. Sei es hinsichtlich der Finanzier- sowie der Planbarkeit. Im Gespräch mit den VN spricht Gunz (61) über die ins Auge gefasste Realisierung der Pläne.
Pläne für den Ausbau der Cashpoint Arena gibt es schon länger. Wie realistisch ist das jetzige Konzept?
Wir sind schon recht weit mit unseren Planungsschritten. Die aktuellen Überlegungen sind ein weiterer Zwischenschritt für den endgültigen Stadionausbau. Wir haben immer in Etappen geplant. Jetzt sehen wir uns in der Lage, die nächsten Schritte zu setzen.
Können Sie die Schwerpunkte der Planung offenlegen?
Wir beschäftigen uns mit drei verschiedenen Schwerpunkten. Für unseren Nachwuchs- und Amateurbetrieb wird der langersehnte Wunsch einer zentralen Infrastruktur im Schnabelholz umgesetzt. Beim Campus konnten wir bereits das Richtfest feiern. Im Norden sind zwei weitere Trainingsplätze geplant. Hier müssen wir den ständig wachsenden Trainingsanforderungen gerecht werden. Insgesamt haben wir rund 500 Aktive, von Profis, Frauen, Amateuren, Nachwuchs, Altherren bis zum Special Need Team. Dazu wollen wir im Stadionbereich die Westseite in Angriff nehmen, wo die aktuelle Infrastruktur in Zelten und Containern untergebracht und schon lange nicht mehr zeitgemäß ist.

Wenn Sie vom Businessgebäude sprechen, welchen Stellenwert besitzt es für die zukünftige Ausrichtung des Klubs?
Der Businessclub ist der Kern unserer Marketingaktivitäten. Seit zwölf Jahren ist dieser in einem Zelt untergebracht, hier stoßen wir an unsere Grenzen. Wir werden ein nachhaltiges Gebäude erstellen, damit wir uns wirtschaftlich weiterentwickeln können. Hier ist noch viel Potenzial vorhanden. Nur mit entsprechenden Marketingmöglichkeiten ist es uns möglich, unser Budget zu erhöhen und den Anschluss an die anderen Vereine nicht zu verlieren
Sind auch Businesslogen ein Thema?
Heute sind in funktionierenden Fußballstadien im Business-Bereich Logen Standard, solche sind auch in unserem Modell geplant. Wir wollen auch die komplette Spieltagsinfrastruktur im West-Gebäude unterbringen.
Fürchten Sie das Argument, Altach würde zu viel in die Infrastruktur investieren?
Nein, dieses Argument fürchten wir nicht. Als Altach 2006 in die Bundesliga aufgestiegen ist, mussten wir uns dem Tribünenbau stellen, damit wir überhaupt eine Lizenz für den Spielbetrieb bekommen. Dazu muss jedem klar sein, dass wir entsprechende Trainingsbedingungen für unsere Sportler bereitstellen müssen. Unser Verein steht für eine Gesamtstrategie. Dazu müssen auch die infrastrukturellen Rahmenbedingen passen. Gerade im Bereich Infrastruktur erhalten wir viel Lob und Anerkennung von vielen Insidern, die schätzen, was in Altach mit viel vereinseigenem Mut und Engagement in den letzten Jahren aufgebaut wurde.

Unser Verein steht für eine Gesamtstrategie. Dazu müssen auch die infrastrukturellen Rahmenbedingungen passen.
Werner Gunz über den geplanten Ausbau der Cashpoint Arena
Wann soll mit der Umsetzung der Pläne begonnen werden?
Vereinsintern ist alles auf Schiene. Im Westbereich befinden wir uns in der Detailplanung, Ende des Jahres wollen wir die Baueingabe machen. Die größte Unbekannte ist im Moment die Entwicklung der Baukosten bzw. Verfügbarkeit von Materialien und Handwerkern.
Für die Finanzierung ist der Klub bereit, selbst viel Geld in die Hand zu nehmen. Welche Kosten fallen an?
Die drei Projekte sind aktuell auf rund 15 Millionen Euro budgetiert. Wir sind uns bewusst, dass wir selbst den Löwenanteil dafür aufbringen müssen. Dabei kalkulieren wir mit gut zehn Millionen. Wir sind im intensiven Austausch mit unseren Partnern in Bregenz und Altach und werden wie in der Vergangenheit eine gemeinsame Lösung finden. Für die genauen Zahlen fehlen noch einige Details bzw. müssen wir die Baukostenprognosen für das nächste Jahr berücksichtigen. Unsere Finanzierung machen wir klassisch über unsere Bankpartner. Die Rückzahlungen generieren wir über Mehreinnahmen, somit werden die laufenden Budgets für den Sportbetrieb nicht beeinträchtigt. Gerade dieser Umstand ist wichtig zu wissen und macht unsere nachhaltigen Visionen somit für jedermann glaubwürdig und schlüssig.
Altach ist also bereit, selbst finanzielle Mittel für einen Teil der Baukosten aufzubringen?
Wir waren bisher bei allen getätigten Projekten mit Land und Gemeinde Teil der finanziellen Lösung. Es wurden dabei immer Vereinbarungen auf Augenhöhe getroffen. Altach als Verein hat bis heute rund fünf Millionen Euro für die Entwicklung der Stadion- und Trainingsstruktur im Schnabelholz selbst aufgebracht. Wir sehen es als richtig an, wenn auch die Vereine in die finanzielle Verantwortung genommen werden, wenn Profifußball gespielt werden will. Wir haben auch immer in Etappen die Bauabschnitte umgesetzt. Damit war das Risiko für alle Beteiligten überschaubar und kalkulierbar.

Bis wann rechnen Sie mit der Realisierung der Pläne?
Beim Campus sind wir bereits in der operativen Umsetzung. Bei den Trainingsplätzen und der Westverbauung wollen wir 2023 mit den Bautätigkeiten starten.
Drei Tage vor dem Saisonstart muss auch eine sportliche Frage erlaubt sein: Was trauen Sie der Mannschaft heuer zu?
Man muss ehrlich sein. Die letzte Saison hat gezeigt, dass alle sechs Mannschaften des unteren Play-Off im Abstiegskampf stecken. Von der Ausgangslage her sind einige Mannschaften aufgrund ihrer Möglichkeiten für das obere Play-Off fast schon gesetzt. In diesem Kreis befindet sich der SCR Altach nicht. Da muss man hoffen, dass bei einem schwächelnden Mitbewerber die Chance genutzt werden kann, um nach 22 Runden über dem ominösen Strich zu landen und dadurch frühzeitig Planungssicherheit zu haben.