Darum ist es beim SCR Altach schon vier vor zwölf

Sport / 28.04.2022 • 06:00 Uhr
Darum ist es beim SCR Altach schon vier vor zwölf
Felix Strauss avancierte beim 0:4 des SCR Altach beim TSV Hartberg dramatischen Figur des Spiels. Der Verteidiger muss beim ersten Endspiel gegn SV Ried erneut zuschauen.gepa

Vier Punkte fehlen dem SCR Altach auf den Klassenerhalt, drei Runden sind noch zu spielen.

Altach „Das Glück i a Vogerl, gar liab aber scheu, es lasst sich schwer fangen, aber fortg‘flogn is glei“. Das Lied des Wiener Kapellmeisters Karl Kratzl beschreibt die Situation, in der der SCR Altach in dieser Saison steckt, treffend gut. Denn fangen konnte man das „Vogerl“ in Form von Siegen in den bisher 29 gespielten Runden gar nur fünf Mal, sieben Mal (Remis) ließ es sich zumindest füttern, 16 mal (Niederlagen) war es „fortg‘flogn“. Die Konsequenz: Die Rheindörfler stehen auch nach der Punkteteilung mit vier Punkten Rückstand auf die SV Ried am letzten Platz der Tabelle der Qualifikationsgruppe. Was sie auch schon nach Abschluss des Grunddurchgang taten.

„Das Team hat sich teils individuell und gruppentaktisch nicht bundesligareif verhalten“

Werner Grabherr, Sportdirektor SCR Altach

Rechenkönig Magnin

Ludovic Magnin sieht die Chancen auf den Klassenerhalt noch intakt.<span class="copyright">gepa</span>
Ludovic Magnin sieht die Chancen auf den Klassenerhalt noch intakt.gepa

Dennoch lebt die Chance auf den Klassenerhalt (noch). Ludovic Magnin, Trainer des SCRA, hat es im TV-Interview nach der 0:4-Pleite in Hartberg vorgerechnet: „Vier Zähler hinten, drei Runden zu spielen, das ist noch machbar.“ Da hat er recht, der ausgebildete Grundschullehrer aus der Schweiz mit großer Vergangenheit im Schweizer und Deutschen Profigeschäft. Und Magnin weiß, dass der Fußball schon oft seine eigenen Geschichten geschrieben hat: „Ich habe bereits einiges erlebt, in diesem Sport ist immer alles möglich.“

Keine Zeit, um Wunden zu lecken

Um den Klassenerhalt noch zu bewerkstelligen, braucht es aktuell, „kein Jammern. So wie wir uns nach dem 3:0-Sieg bei der WSG Tirol nur kurz auf die Schulter klopfen ließen, heißt es nun: Schütteln und abhaken. Für mehr bleibt einfach keine Zeit“, erklärt Altachs Sportdirektor Werner Grabherr nüchtern. Wobei, ganz los ließ den Riefensberger die Pleite in der Oststeiermark nicht. „Die erste Halbzeit war in Ordnung. Doch im zweiten Durchgang passierte unserer Mannschaft vieles, was nicht reichte. Klar, die Entscheidung zum Elfmeter und der Ausschluss von Felix Strauss (61.) waren die Knackpunkte der Partie, aber wir haben uns allgemein individuell und gruppentaktisch nicht bundesligareif verhalten,“ so Grabherr mit knallharter Analyse.
Eine Diskussion über Schiedsrichter Stefan Ebner und den VAR nach dem Penalty-Entscheid erspart sich Grabherr: „Machen wir nicht. Denn am Ende verhaltet Strauss sich eben auch ungeschickt. Wo ich ihn aber in Schutz nehme, ist, dass die erste gelbe Karte (45.) gegen ihn zu voreilig gezeigt wurde.“ Angst vor einer längeren Sperre ob des verbalen Ausrasters von Strauss nach dem Rauswurf Richtung Schiedsrichter-Gespann hat Grabherr nicht, „er hat ja niemanden beleidigt, war in dieser Situation einfach eine Spur zu emotional. Ist ihm in der aktuellen druckvollen Lage auch nicht zu verübeln.“

Erstes von drei Endspielen

Druck auf dem Altacher Kessel wird auch sein, wenn die SV Ried am 7. Mai in der Cashpoint Arena zu Gast ist. Ein Sieg ist Pflicht, daran kommt man im Lager des SCRA nicht mehr vorbei. Ein Remis wäre nur mit einer lebensverlängernden Maßnahme zu vergleichen. Bei Niederlage kann man wohl für die 2. Liga planen.
Strauss wird sicher nicht dabei sein, auch um Noah Bischof muss gebangt werden. Der Stürmer hat sich in seiner letzten Aktion in Hartberg das Schlüsselbein angebrochen, eine längere Pause droht. Das „Vogerl“ lässt grüßen.