Über die Träume in Transdanubien

Super-Serie, Schnitzelsemmel und Peter Pacult – der Floridsdorfer AC. Über den Verein, der Austria Lustenau den Aufstieg wegschnappen will.
Wien, Floridsdorf Den FAC Wien kann man getrost als das Überraschungsteam der 2. Liga bezeichnen. Acht Spieltage vor Schluss kämpfen die Floridsdorfer einen Punkt hinter der Lustenauer Austria um den Aufstieg. Wer ist der Verein aus dem 21. Wiener Gemeindebezirk?
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Große Namen, wenig Erfolg
Aus dem Floridsdorfer Bezirksteil Jedlesee stammend, ist der FAC nicht mit dem FavAC (Favoritner AC) zu verwechseln. Das passiere leider immer noch häufig, meint Manager Lukas Fischer lachend. Und das, obwohl der Club schon einige bekannte Gesichter hervorgebracht hat: Ernst Ocwirk, Robert Dienst, Peter Pacult, Andreas Ogris oder Marko Arnautović spielten für den FAC.
Nach Jahren im Fußball-Unterhaus ist der Floridsdorfer AC seit der Saison 2014/15 wieder in der 2. Liga, steckte bislang jedoch regelmäßig im Abstiegskampf. „Damals in Lustenau, da war für uns klar: Wir fahren jetzt acht, neun Stunden hin, nehmen die drei Punkte mit und fahren wieder nach Hause. Ich glaube, das hat sich extrem verändert“, meint Ex-Austrianer Marco Krainz (24), mittlerweile Leistungsträger beim FAC.









Es liegt an der DNA
„Ich glaube, für uns alle ist das eine Überraschung“, sagt Mitja Mörec (39), der mit Aleksandar Gitsov (34) das Trainerduo bildet. Denn die letzte Liga-Niederlage datiert vom 2. Oktober, seither gelangen zehn Siege und zwei Remis. Neben dieser starken Serie stellen die Floridsdorfer mit nur 14 Gegentoren auch die beste Defensive. „Das wichtigste bei uns ist einfach der Teamgeist. Den habe ich so noch nie erlebt“, erklärt Kapitän Marco Krainz den Erfolgslauf.
Einer, der zurzeit besonders viel Schulterklopfen erhält, ist Sportmanager Lukas Fischer (31). „Früher hat’s immer geheißen: Die haben kein Geld, die sind immer hinten drin. Auf einmal geht’s nicht mehr ums Geld, sondern wir sind das Überraschungsteam“, freut er sich. Als Grund dafür nennt er die Entwicklung der „FAC-DNA“. „Wir wollten nicht mehr den Fußball spielen, den ein neuer Trainer bringt. Sondern den Fußball, den der FAC spielen will“, so Fischer. Denn Trainer hatten die Floridsdorfer zuhauf. Zwölf verschiedene waren es seit dem Aufstieg.



Von „Flodo“ in die Südstadt
Auf Gemeinsamkeiten mit Lustenau angesprochen, fällt bei Marco Krainz das Attribut „familiär“. In einem Punkt unterscheiden sich beide Vereine aber diametral: „Die Fankultur ist sicher anders.“ Ein Hexenkessel ist der FAC-Platz in der Hopfengasse nicht. Zwar genießen die Schnitzelsemmeln auch bei Auswärtsfans einen sehr guten Ruf, die Kantine am FAC-Platz wurde jahrelang von Marko Arnautovićs Vater betrieben. Aber auch in dieser Saison finden im Schnitt nur knapp 850 Zuschauer den Weg zu Heimspielen. Die Infrastruktur wäre aktuell nicht bundesligatauglich. Würde der FAC wirklich aufsteigen, droht der Gang in die Südstadt, ins Stadion der Admira. Was für die Fans eine Fahrt durch ganz Wien bedeuten würde. „Natürlich ist das bitter“, meint Manager Fischer. In gewisser Weise würde sich aber der Kreis schließen: Denn der ursprüngliche SK Admira Wien stammte ebenfalls aus Floridsdorf, nach mehreren Fusionen siedelte der Sponsor den Verein 1966 nach Maria Enzersdorf um – und der Sportplatz in der Hopfengasse wurde für den FAC frei.


Seit den Kindheitstagen
Peter Pacult wurde in den Fußballkäfigen von Jedlesee groß, wohnte später auch gegenüber der Hopfengasse („Ich habe vom Balkon beim Training von Damir Canadi zuschauen können!“). Er kennt den Verein seit Kindestagen, war Spieler, Trainer und Mitglied des Aufsichtsrats. Bezirksintern habe es für den FAC stets Konkurrenz durch andere Vereine gegeben. „Ich war ja auch fast der Einzige aus unserem Hof, der zum FAC gegangen ist“, so Pacult. Die fußballgeprägte Großstadt war für den FAC ohnehin ein schwieriges Pflaster. „Früher hast du vier Wiener Vereine in der Bundesliga gehabt. Als Verein über der Donau bist du dann auch medienmäßig – schon damals – nicht so attraktiv, wie diese Kultvereine.“
„Je weniger Spiele, umso schwieriger wird es. Aber der Titel wäre eine Riesensache “
Peter Pacult, FAC-Vereinslegende
Der Druck steigt
Acht Runden sind noch zu spielen. „Jetzt kommt natürlich eins dazu: Der Großteil der Spieler kennt die Situation, dass du auf einmal um eine Meisterschaft spielst, nicht. Je weniger Spiele es werden, umso schwieriger wird es“, weiß Pacult. Aber: „Sportlich wäre das schon eine Riesensache.“ Beim Verein gibt man sich betont gelassen. „Medial ist der Druck eh da – der FAC fährt gefühlt nur noch zum Top-Spiel“, so Fischer. Er spricht von einer „Jahrhundertchance“. „Wir haben keinen Druck, Lustenau hat Druck“, stellt Trainer Mörec fest. „Die Chance für uns ist da, die wollen wir jetzt nutzen.“ VN-FB