Auf Johannes Strolz warten noch gute Jahre

Patrick Ortlieb prophezeite die Medaille, Andreas Puelacher für Überredungskünste belohnt.
Schwarzach Patrick Ortlieb hatte am Vorabend des goldenen Geniestreichs von Johannes Strolz im Studio bei Vorarlberg LIVE überzeugend festgestellt: „Aus Vorarlberger Sicht hoffe ich ganz stark auf Johannes Strolz. Es können noch zwei ganz glänzende Medaillen werden, sowohl im Slalom wie auch in der Kombination. Da traue ich ihm ganz viel zu.“
Einmal hat Strolz bereits geliefert – wie auch schon davor Katharina Liensberger. „Jede Medaille, die gewonnen wird, muss man ganz, ganz hoch einschätzen. Egal ob Gold, Silber oder Bronze“, weiß der VSV-Ehrenpräsident und ÖSV-Finanzchef. „Der Athlet hat nicht immer allen Einfluss darauf“, weiß Ortlieb aus eigener Erfahrung. „Katharina hat eine durchwachsene Saison. Aber sie musste vieles bestätigen. Letzte Saison ist sie unbekümmert gefahren, machte kaum Eigenfehler, ihr ist sehr, sehr viel gelungen. Wenn es draufankommt, kann Kathi abliefern. Das unterscheidet einen Rennfahrer von einem guten Skifahrer.“
Mit dem Rücken zur Wand
Zurück zu Johannes Strolz. Die Olympia-Kombination ist zweifellos sein bisher erfolgreichster Bewerb – aber nicht der schwerste. Das war die Qualifikation für einen Weltcupeinsatz mit dem ÖSV-Team. „Ich habe mich im Sommer festgelegt, dass ich mich auf diese Qualifikation noch einmal vorbereite. Es war nicht der Plan, die Saison auf Biegen und Brechen durchzuziehen, sondern die Situation nach der Qualifikation noch einmal neu zu bewerten. Wie gut ich in Form bin und wie der Standpunkt vom Skiverband ist.“ Slalomcoach Marko bestätigte: „Johannes stand mit dem Rücken zur Wand. Es war sicher das schwerste Rennen seines Lebens. Es konnte passieren, dass es komplett vorbei ist. Das war eine mentale Meisterleistung. Es hat ihn mental stärker gemacht. Ski gefahren ist er immer schnell, aber jetzt kann er mit diesem Druck umgehen. Er ist als Person gereift. Solche Sachen entscheidet der Kopf und nicht mehr das Skifahren. Er ist ein großer Sportsmann und ein Vorbild, dass man nie im Leben aufgeben soll“, zollte Pfeifer Respekt.
„Noch nie erlebt“
Nach dem Premierenerfolg im Weltcup beim Torlauf von Adelboden – es war erst der dritte Top-Ten-Rang bei 67 Starts – wurde Strolz auch für eine Teilnahme an der Olympia-Kombination interessant. Dafür musste er aber in Tarvis an der Europacup-Abfahrt teilnehmen, um sich die nötigen Punkte für eine Olympia-Startberechtigung zu sichern. Die Überredungskünste von Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher waren gefragt: „Er wollte nicht, aber ich habe ihn überreden können, und nun endet die Geschichte so“, sagte Puelacher. „So eine Geschichte habe ich noch nie erlebt.“
Johannes erzählte auch vom Anteil, den Vater Hubert hatte. „Der Papa speziell hat gesagt, dass es gut ist für mich und ich dadurch die Möglichkeit habe, das ganze Olympiaerlebnis ganz anders mitzunehmen. Dass ich die Eröffnungsfeier miterleben kann, dass ich mich an das Flair gewöhnen kann und Energie für die Wettkämpfe mitnehme.“
Strolz werde noch „gute Jahre“ haben, ist Puelacher überzeugt. „Er ist richtig gefestigt. Wenn du Olympiasieger bist, bist du einer der Guten und nicht nur einer, der mitfährt.“ Charakterlich war er schon längst bei den Größten dabei. „Da ist das Elternhaus mitbeteiligt“, weiß Puelacher.
Gold vom Präsidenten
Die Familie war auch gleich nach dem Gold-Gewinn bei Strolz präsent. „Ich habe mir im Sommer gedacht, falls ich meine Karriere bald beende, muss ich meinem Papa wirklich sagen, was für eine Hochachtung ich vor seiner Leistung habe. Weil ich alles daran gesetzt habe, dass ich auch an die Weltspitze komme. Ich habe mir nicht vorstellen können, wie es ist, bei so einem Großereignis so eine Leistung abrufen zu können. Jetzt habe ich es selber geschafft, das ist unglaublich.“
Strolz bekam bei der Siegerehrung das olympische Edelmetall aus den Händen von ÖOC-Präsident Karl Stoss, einem gebürtigen Dornbirner, überreicht. „Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn man als Vorarlberger einem Vorarlberger eine Goldene umhängen darf“, meinte Stoss.