“Ich bin megahappy, Bronze ist eine super Farbe”

Sport / 09.02.2022 • 22:00 Uhr
"Ich bin megahappy, Bronze ist eine super Farbe"
Der Bludenzer Thomas Steu (l.) holte sich an seinem 28. Geburtstag gemeinsam mit Lorenz Koller die Bronzemedaille im Doppelsitzer. Reuters

28 Jahre nach Andrea Tagwerker holt Thomas Steu zum 28. Geburtstag mit Lorenz Koller Olympiabronze.

Yanqing Am Tag seines 28. Geburtstages verwirklichte sich der Bludenzer Thomas Steu mit Teamkollege Lorenz Koller seinen sportlichen Traum. Nach Platz vier vor vier Jahren in Pyeongchang sicherte sich Österreichs Paradeduo die Bronzemedaille im olympischen Rodel-Doppelsitzer. Mit der jeweils drittbesten Zeit in zwei Läufen im Eiskanal von Yanqing lag das ÖRV-Duo 0,511 Sekunden hinter Tobias Wendl/Tobias Arlt aus Deutschland sowie 0,412 hinter deren Landsmännern Toni Eggert/Sascha Benecken. Für Wendl/Arlt war es die dritte Goldene in Serie, und für die WM- und Weltcupseriensieger Eggert/Benecken war es nach Bronze 2018 das zweite Olympia-Edelmetall.

Emotional zwischen Himmel und Erde

Dass nach Bestzeiten in fünf von sechs Trainings sogar mehr als Bronze möglich schien, spielte spätestens nach der Überreichung der Medaillen durch ÖRV-Präsident Karl Stoss keine Rolle mehr: „Emotional bin ich gerade irgendwo zwischen Himmel und Erde. Vor zwei Tagen hat sich mein Freund Yannick (Anm. Müller) den Arm gebrochen und musste auf einen Start verzichten, was mir extrem leidgetan hat für die beiden Teamkollegen. Jetzt stehe ich mit ,Lenz‘ (Anm. Lorenz Koller) hier, gewinne 28 Jahre nach Andrea Tagwerker 1994 im Einsitzer die zweite Bronzene für Vorarlberg und bin darüber einfach nur megahappy, megastolz, und Bronze ist eine super Farbe“, frohlockte Steu, der eigentlich den großen Rummel meidet und als zurückhaltend gilt. „Die deutschen Schlitten waren einen Tick schneller, und wir hätten auch ohne den Fehler nicht ganz vorne mitfahren können – und auf die Vierten hatten wir 0,354 Sekunden Vorsprung.“

In der Stunde ihres größten Erfolges überwog die Freude die Schrecksekunde im Eiskanal. Die verflixte Kurve 13 hätte den ÖRV-Doppelsitzer beinahe noch aus den Medaillenträumen gerissen: „Wir sind bei der Ausfahrt nur ganz minimal abgedriftet, haben aber perfekt reagiert, konnten den Schlitten wieder abfangen und in Sekundenbruchteilen stabiliseren und haben uns über die Ziellinie gerettet“, erklärt Koller.

Einigkeit herrschte bei den Gewinnern der 24. rot-weiß-roten Medaille (6/9/9) im Rodeln bei Winterspielen über die Bedeutung ihres Erfolges: „Wir haben uns die Medaille redlich verdient und sie hat nicht nur für uns persönlich einen extrem hohen Stellenwert. Sie bestätigt auch die ausgezeichnete Arbeit des gesamten Teams im Hintergrund und des Verbandes“, betonte Steuermann Steu, und Koller ergänzte: „Gleichzeitig ist die Medaille auch eine Genugtuung für die zahlreichen Rückschläge. Wir haben nie den Fokus verloren und uns dank des perfekten Teamgeistes immer wieder zurückgekämpft und wurden für unsere Hartnäckigkeit belohnt.“

Mitfavoriten heute in der Teamstaffel

Bereits heute haben Steu und Koller, die seit 2011 gemeinsam einen Doppelsitzer bilden, in der abschließenden Teamstaffel (14.30 Uhr MEZ, live ORF 1) die Möglichkeit, das nächste Kapitel in ihrer Erfolgsgeschichte zu schreiben. Gemeinsam mit Madeleine Egle und Wolfgang Kindl, der in Peking bereits Silber im Einsitzer holte, zählt die ÖRV-Equipe zu den Favoriten. „Wir haben ein gewaltiges Team. Wenn jeder sein Bestes gibt, dann kann schon was richtig Gutes rauskommen“, betonte Steu.