Kutzer: „Nur vollzählig haben wir eine Chance“

Der Bulldogs-Geschäftsführer Alexander Kutzer hofft, dass diese herausfordernde Saison doch noch ein gutes Ende findet.
Dornbirn Fünf Tage nach dem 5:1-Kantersieg im Westderby endet für den Dornbirner EC am Sonntag die Weihnachtsruhe. Die Bulldogs empfangen am Stefanitag (17.30 Uhr) den HCB Südtirol. In den beiden Saisonduellen gegen den letztjährigen IHL-Vizemeister gab es im Oktober einen 5:2-Auswärtsieg und zuletzt am 7. Dezember eine 3:5-Heimniederlage. DEC-Manager Alexander Kutzer ist überzeugt davon, dass die Bulldogs in den verbleibenden 20 Begegnungen des Grunddurchganges noch der Sprung auf den zehnten Platz schaffen. Damit würde man sich zumindest für die Pre-Playoffs qualifizieren und sich somit nicht schon Ende Februar in den Urlaub verabschieden müssen.
Goalie Felix Beck (20) hielt gegen Innsbruck den Sieg fest, wie schon am Sonntag gegen Linz. Freut Sie diese Leistung des Eigenbauspielers derzeit am meisten?
Kutzer Wir wissen, was er kann. Allerdings ist es für ihn ein weiterer Ausbildungsschritt und da gilt es aufzupassen, dass er nicht überfordert wird. Ich glaube, er ist am richtigen Weg, um in einigen Jahren als Einser-Goalie zu spielen.
Wie sehr ärgert Sie der Abgang von Jesse Saarinen, der mit Saisonbeginn als Topverpflichtung vorgestellt wurde?
Kutzer Ich habe Respekt vor seiner Entscheidung. Er war als Schlüsselspieler eingeplant, hat nun aber gemerkt, dass er diesen Anspruch nicht erbringen kann. Ich bin nicht verärgert, allerdings habe ich auch nicht das volle Verständnis für diesen Schritt.
Nur wenige Neuzugänge sind bei den Bulldogs bis jetzt auf Touren gekommen. Woran liegt das?
Kutzer Uns stand im Sommer ein bestimmter Markt an Spielern zur Verfügung. Die Unklarheiten über die Corona-Situation haben diesen sehr eingeschränkt. Viele Nordamerikanische Cracks, die ihre ersten Erfahrungen in Europa sammeln wollten, verzichteten deshalb auf ein Engagement. Solche hungrigen Typen passten immer gut in unser Beuteschema. Wir haben das Beste aus dieser Situation gemacht und sind davon überzeugt, dass das Team um die Play-off-Teilnahme mitspielen kann.
Coach Kai Suikkanen formulierte es vor wenigen Tagen so: „Wir müssen ständig irgendwelche Löcher stopfen. Funktioniert die Offensive, hapert es in der Abwehr und umgekehrt“. Wo sehen Sie die größten Baustellen der Bulldogs?
Kutzer Die größte Baustelle in unserem Kader ist die mentale Ebene. Am Anfang lief es wie am Schnürchen und nach fünf Siegen in den ersten acht Partien schien alles einfach. Danach kam mit den zwölf Niederlagen der Einbruch und jeder zeigte auf den anderen, statt die Fehler bei sich selbst zu suchen. Wir kämpften wochenlang mit Ausfällen, hatten etliche Doppelpartien innerhalb von 24 Stunden und all das erhärtete den Abwärtstrend. Auch der tragische Zusammenbruch von Bratislava-Spieler Boris Sadecky hat bei einigen im Team Spuren hinterlassen.
Wie steht es um die Position des Trainers? Trotz der Niederlagenserie meinten Sie vor einem Monat, dass eine Ablöse kein Thema ist.
Kutzer Dies wäre der einfachste Weg, den Coach zu schicken. Wenn man aber weiß, wie Kai arbeitet und wie er als Mensch agiert, dann versteht man, warum ich ihn unbedingt in Dornbirn halten will. Das hat sich vor allem in den letzten Wochen wieder bestätigt. Er lässt nichts unversucht, um das Team wieder in die Spur zu bringen.
Bedeutet dies, dass Kai Suikkanen seinen auslaufenden Vertrag verlängert und ein weiteres Jahr in Dornbirn bleibt?
Kutzer Das möchte ich zum aktuellen Zeitpunkt nicht kommentieren.
Schaffen die Bulldogs in den restlichen 20 Partien noch den Sprung unter die Top-10?
Kutzer Wir glauben jedenfalls daran, vorausgesetzt uns steht ein kompletter Kader zur Verfügung. Zuletzt gegen Linz und Innsbruck hatten wir nur mehr zwei Ausfälle und da hat sich gezeigt, dass wir mithalten können.
Nach dem Abgang von Jesse Saarinen hat man rasch reagiert und Stürmer Shawn O’Donnell verpflichtet. Kommen noch weitere Verstärkungen?
Kutzer Das möchte ich nicht ausschließen, sofern der Markt für uns etwas hergibt. Jetzt geht es darum, dass die Arbeitsbewilligung erteilt wird und Shawn uns noch in den letzten Tagen des alten Jahres zur Verfügung steht.
Unabhängig davon, wie es nun sportlich weitergeht, wie steht es um Ihre persönliche Motivation? Die letzten beiden Saisonen waren geprägt von sportlichen Höhen und Tiefen, Geisterspielen oder dem tragischen Zwischenfall mit Boris Sadecky.
Kutzer Wir als Bulldogs stehen in der Liga für Ausbildung und wollen junge Spieler weiterbringen. Vor zehn Jahren haben wir uns beim Einstieg in diese Liga das Ziel gesetzt, mit einer Mannschaft zu spielen, die zu zwei Dritteln aus heimischen Akteuren besteht. Diesem Anspruch kommen wir immer näher. Zu sehen, wie unsere Jungen an der Herausforderung wachsen und sich entwickeln, ist die größte Motivation für mich.
Wohin soll dieser Weg führen?
Kutzer Wenn wir genügend gute eigene Spieler haben, dann braucht wir uns nur mehr punktuell mit qualitativ guten Legionären verstärken. Dann sind auch die sportlichen Ansprüche andere.
Man muss sich also keine Sorgen machen, dass sich die Bulldogs die höchste Liga nicht mehr antun wollen?
Kutzer Der einzige Grund für einen Schritt in eine untere Liga wäre, wenn wir es uns finanziell nicht mehr leisten können. Unsere sportlichen Überlegungen basieren darauf, dass wir ein fixer Teilnehmer der höchsten heimischen Eishockeyliga sind. Albert Brandstätter