SCR Altach und Canadi: Eine Trennung mit vielen Nebengeräuschen

SCR Altach und Damir Canadi gehen ab sofort getrennte Wege.
Altach Die Trennung zwischen Fußball-Bundesligist SCR Altach und Cheftrainer Damir Canadi war eine mit Ansage. Zuletzt lieferte die Mannschaft sechs Niederlagen am Stück, schaffte in diesen sechs Matches nur ein mickriges Tor. Die logisch Folge: Die Rheindörfler überwintern mit nur 13 Punkten auf dem letzten Platz der österreichischen Bundesliga. Vor allem die Performance nach der ersten Länderspielpause waren ausschlaggebend für eine sofortige Freistellung. Holte man aus den ersten sechs Spielen der Saison immerhin sieben Punkte, gab es in den weiteren zwölf Partien nur mehr sechs. Dazu spricht das Torverhältnis Bände: Nur zehn Tore konnten Adthe Nuhiu und Co. erzielen, hingegen kassierte man 18 Gegentore. Keine Mannschaft in Österreichs Liga agierte in der Offensive harmloser als der SCRA. „Die Entwicklung war definitiv nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben. Die beste Phase hatten wir zum Saisonstart. Doch danach lief nicht mehr wirklich viel zusammen. Diesen Umstand kann man nicht verleugnen“, so Sportdirektor Werner Grabherr.
„Im Abstiegskampf hat das Team mich verstanden. Aber im Herbst nicht mehr?“
Damir Canadi, Ex-Trainer des SCR Altach
Bruch mit der Mannschaft
Was waren die Gründe für die sportliche Talfahrt? Ganz offensichtlich ein Bruch zwischen Mannschaft und Cheftrainer. Laut VN-Informationen schenkten sich beide Seiten in den letzten Wochen intern wenig. „Dieser Graben ergab sich schleichend, hat sich über Monate entwickelt. Die Nebengeräusche in der Kabine waren keineswegs förderlich. Und am Ende war er nicht mehr wegzuleugnen“, beleuchtet Grabherr die vergangenen Wochen.
Canadi, aktuell im Urlaub in Abu Dhabi, nahm die Entscheidung des Vereins nüchtern hin. „Ich akzeptiere diese voll und ganz“, wollte er aber im gleichen Atemzug nochmal einige Dinge bezüglich des Bruchs mit dem Team klarstellen. „In der Endphase der Herbstmeisterschaft ist herausgekommen, dass die Mannschaft über einen langen Zeitraum eigene Spielpläne erstellt hat, die nicht wirklich mit meinen übereinstimmten“, so Canadi, der erklärt, dass er darüber auch Sportdirektor Grabherr und Geschäftsführer Christoph Längle informierte. Mit dem Beisatz, „dass ich das als Trainer ja nicht akzeptieren kann“.
Routiniers am Ruder

Laut Canadi waren Jan Zwischenbrugger und Adthe Nuhiu federführend in diesen heimlichen Besprechungen. Angefangen haben soll es mit der 0:2-Auswärtsniederlage bei Admira Wacker (2. Oktober). „Nach dem 0:3 beim Wolfsberger AC (5. Dezember) kam dieses Vorgehen der Mannschaft ans Licht, das mich selbst schockiert hat“, gibt Grabherr zu Protokoll. Man habe dann sofort im Beisein aller handelnden Personen die Vorgänge aufgearbeitet. „Wobei ich zum Schutz der Mannschaft sagen muss, dass sie anfangs aus absolut positiven Motiven gehandelt hat. Sie wollte einfach die Vorgaben von Canadi nochmals schärfen. Doch mit Fortdauer ist ihnen dieses Unterfangen entglitten, das haben die Spieler dann auch zugegeben“, so der Sportdirektor. Für Canadi ist es hingegen nicht nachvollziehbar, warum sich die Mannschaft verselbstständigte. „Den Vorwurf, dass ich mit der Truppe nicht konnte, lass ich nicht auf mir sitzen. Denn im Abstiegskampf hat sie schon alles verstanden, was ich vermittelt habe. Aber in der neuen Saison nicht mehr?“, fragt der Wiener, der zugibt. „Enttäuscht bin ich, aber böse bin ich keinem. Fakt ist: So etwas habe ich in meiner Zeit als Trainer noch nicht erlebt“. Die Entscheidung gegen ihn kommentiert er so weit, „dass ich eben auch Forderungen gestellt habe, sofern ich Trainer geblieben wäre. Dass der Klub nun so entscheidet, ist sein absolutes Recht“. Mit der Forderung war wohl gemeint, sich von Zwischenbrugger und Nuhiu zu trennen, den Namen eines dritten Beteilgten wollte Canadi nicht nennen. Von den oben genannten Spielern konnten keine Kommentare zur Sachlage eingeholt werden, weil man sich offiziell nicht dazu äußern wolle.
„Entscheidend für die Trennung war die Entwicklung des Teams im Laufe des Herbstes.“
Werner Grabherr, Sportlicher Leiter SCR Altach

Fader Beigeschmack
Für den Sportdirektor waren diese Vorgänge am Ende gar nicht ausschlaggebend, „obwohl die Sache natürlich jetzt einen ganz faden Beigeschmack hat. Viel mehr war für uns die sportliche und tabellarische Entwicklung der entscheidende Faktor, sich zu trennen. Dazu die Zerrissenheit mit der Mannschaft. Dabei muss man eben festhalten, dass eben der Trainer auch für die Stimmung in der Kabine verantwortlich“.
Canadi verlässt nun ein zweites Mal den Klub, nur eben nicht freiwillig wie im Jahr 2016, als er zu Rekordmeister Rapid Wien transferiert wurde. Ein Umstand, der für Grabherr eine große Tragweite hat: „Immerhin hat uns Damir im Frühjahr vor dem Abstieg bewahrt. Und am Ende sprechen wir immer noch über den erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des SCR Altach. Er hat uns in die Bundesliga zurückgeführt und es in den Europacup geschafft. Deswegen ist dies schon ein harter Schritt für uns“.
Der Markt wird bereits sondiert
Die Suche nach einem neuen Trainer hat bereits begonnen, spätestens zum Trainingsstart will man einen neuen starken Mann präsentieren. Das Anforderungsprofil steht laut Grabherr bereits, „doch nähere Angaben dazu will ich nicht machen“. Die Mailbox wird wohl übergehen an Angeboten, denn trotz Turbulenzen in den letzten Monaten hat sich der Klub aus dem Rheindorf einen guten Namen im österreichischen Fußball gemacht. Doch der „Schuss“ muss sitzen, denn der Kampf gegen den Abstieg wird pickelhart, gelingt wohl nur als eingeschworenes Team.