Ärztin zur Kinderimpfung: „Jeder schwere Verlauf ist einer zu viel“

Expertin beantwortet Fragen zur Impfung der Fünf- bis Elfjährigen.
schwarzach Dass die Europäische Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Zulassung des Coronaimpfstoffs von Biontech und Pfizer für Kinder ab fünf Jahren gegeben hat, ist für Alexandra Rümmele-Waibel, Kinderärztin und Impfreferentin der Ärztekammer, eine positive Nachricht.
Wie hoch ist das Erkrankungsrisiko bei Fünf- bis Elfjährigen?
Kinder leiden zwar selten unter einem schweren Verlauf, trotzdem kommt es zu Ausnahmen. Jeder Fall eines Kindes mit einem schweren Verlauf ist einer zu viel. Auch Kindern droht Long Covid. Außerdem besteht das seltene Risiko, an PIMS zu erkranken. (Anmerkung: Beim „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ handelt es sich um eine schwere Immunreaktion des Körpers, die in seltenen Fällen bei Kindern und Jugendlichen nach einer Coronainfektion vorkommt.)
Wie hoch ist die Gefahr, dass sich Kinder und Jugendliche in der Schule anstecken?
In den Kindergärten und Schulen besteht ein hohes Ansteckungsrisiko. Es herrscht viel Kontakt zu Gleichaltrigen. Neben dem Schutz vor Erkrankung ist das ein weiteres Argument für die Impfung, da dadurch Sozialkontakte uneingeschränkter möglich sind. Die wiederkehrenden Lockdowns und der Abstand zu Freunden sorgen für großen Schaden und fehlende soziale Entwicklung.

Wie sicher ist die Impfung für Kinder?
Die Datenlage zur Sicherheit ist sehr gut. In den USA werden schon seit längerer Zeit Kinder in dieser Altersgruppe geimpft, mehrere Tausend. Es sind keine vermehrten Nebenwirkungen aufgetreten. Das Sicherheitsrisikoprofil ist ein sehr gutes.
Zu welchen kurzfristigen Impfreaktionen kann es kommen?
Schwerer als bei den Jugendlichen fallen sie nicht aus. In Frage kommen etwa Rötungen oder Schwellungen bei der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder Fieber. Das hält 24 bis 48 Stunden an.
Ist die Impfung für alle Kinder in dieser Altersgruppe empfehlenswert?
Eine allgemeine Aussage kann ich dazu nicht treffen. Besteht zum Beispiel eine Grunderkrankung, ist es für die Eltern ratsam, sich zunächst mit dem Kinderarzt in Verbindung zu setzen. An sich ist die Impfung aber klar empfohlen.