Premierensieg und Weltcupführung! Christian Hirschbühl rockt den Arlberg

Sport / 14.11.2021 • 19:45 Uhr
Premierensieg und Weltcupführung! Christian Hirschbühl rockt den Arlberg
APA

Das Parallelrennen der Herren wurde zur großen Show des Lauterachers Christian Hirschbühl. Der 31-jährige feiert im rein rot-weiß-roten Duell gegen Dominik Raschner seinen ersten Sieg im Ski-Weltcup.

Zürs Ausverkauft, rein österreichisches Finale und ein Vorarlberger auf Vorarlberger Boden ganz oben auf dem Podest. Es war eine Explosion der Emotionen, den Christian Hirschbühl rockte den Arlberg. Der 31-Jährige lieferte eine unheimliche Show in den K. o.-Duellen, nachdem er als 15. knapp in die Top-16 für das Finale gerutscht war. Im Kampf Mann-gegen-Mann aber war Hirschbühl nicht mehr zu stoppen. Vor allem der rote Kurs hatte es dem Lauteracher angetan. Vom Achtelfinale weg bis in das rot-weiß-rote Finalduell gegen den Tiroler Dominik Raschner war der für den SV Riefensberg startende ÖSV-Läufer nach dem ersten Heat stets in Rückstand gewesen.

„Ich habe mich von den Rückständen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich check das jetzt grad nicht, das ist unglaublich.“

Christian Hirschbühl in einer ersten Reaktion nach dem Sieg

Die große Show des Routiniers

Der Routinier im Team blieb ob der Rückstände unbeeindruckt und lieferte in den jeweiligen zweiten Heats eine unglaubliche Show. Im Achtelfinale machte Hirschbühl gegen den Slowenen Zano Kranjec 44 Hundertstel gut, im Viertelfinale nahm er dem Kanadier Trevor Philip 33 Hundertstel ab und im Halbfinale war der Rückstand von fünf Zehntel selbst gegen Henrik Kristoffersen kein Problem. Im Re-Run schlug Hirschbühl zurück und fuhr mit einem Vorsprung von 18 Hundertstel über die Ziellinie – Finale! Der Höhepunkt sollte aber noch folgen, denn mit Qualifikationssieger Raschner und Hirschbühl trafen trafen jene Aktive im Endlauf aufeinander, die in je 22,23 Sekunden die schnellsten Zeiten auf dem Hang der Flexenarena in die Spur zauberten. Und es war wie in den Läufen zuvor, der Vorarlberger musste mit einem Rückstand (+0,50 Sekunden) in den Re-Run. Doch der 14. November sollte sein Tag werden. Konzentriert, fokussiert blickte er vom Startgate über die Piste bis hin in die prickelnd vollen Zuschauerränge, wo sein Fanklub für Stimmung sorgte. Und Hirschbühl legte los, wie von einem Band gezogen carvte er um die mit roten Flaggen behangenen Tore. Schon im Mittelteil hatte er den Rückstand wettgemacht und im Ziel hatte er einen Vorsprung von sieben Hundertstel. Seine Faust zeigte beim Abschwingen Richtung Nachthimmel („Ich check es grad nicht . . .“), der erste Weltcupsieg seiner Karriere war perfekt. Bis Sonntag war ein vierter Platz (15. Jänner 2017) beim Slalomklassiger in Wengen seine bislang beste Platzierung. Nun krönte er den Start in die Olympiasaison mit seinem ersten vollen Erfolg.


„Ich muss einen auspacken“, sagte er danach mit Blick zurück auf das Halbfinale gegen Kristoffersen und verriet zudem: „Noch vor dem Wettkampf habe ich mit Raschi (Anm. d. Red.: Dominik Raschner) gescherzt: Ich hoffe, wir sehen uns heute wieder. Und so war es. Am Ende war ich der glücklichere.“ Über das „Geheimnis“ seiner Fahrten auf der roten Piste meinte er: „Ich habe gewusst, dass ich von unten her ein bisschen mehr in die Fläche bekomme. Darauf habe ich mich fokussiert und deshalb habe ich mich nicht aus der Ruhe bringen lassen.“ Und so sorgte er für den ersten Vorarlberger Herrensieg im Ski-Weltcup seit 2001. Zudem liegt er im Gesamtweltcup mit dem Schweizer Marco Odermatt punktegleich auf Rang eins.

Christian Greber letzter Vorarlberger Weltcupsieger

Der heute 49-jährige Christian Greber hatte am 28. Dezemer 2001 als letzter Vorarlberger im Weltcup triumphiert. Der Speed-Spezialist hatte damals kurz vor Silvester die Abfahrt in Bormio gewonnen, nachdem er sich zuvor in den ersten drei Saisonabfahrten jeweils unter den besten Zehn klassiert hatte. „Ich muss echt lachen“, meinte dazu Hirschbühl. „Wir haben die letzten Jahre immer wieder darüber gescherzt, welchem Vorarlberger der nächste Sieg gelingt. Dass ich das jetzt machen darf, als Vorarlberger auf Vorarlberger Boden ist echt cool.“
Dabei ist Hirschbühl gar kein Riesentorlaufspezialist, doch in Zürs – im Vorjahr Achter – fühlt er sich zwischen den Toren scheinbar wohl. Im weiteren Fokus liegt natürlich der Torlauf. Das Selbstvertrauen jedenfalls ist nun da, auch mit Blickrichtung Olympische Winterspiele.

Ski Alpin

Endstand Weltcup-Parallelrennen in Lech Zürs 2021

1. Christian Hirschbühl (AUT)

2. Dominik Raschner (AUT)

3. Atle Lie McGrath (NOR)

4. Henrik Kristoffersen (NOR)

5. Trevor Philp (CAN)

6. Adrian Pertl (AUT)

7. Erik Read (CAN)

8. Stefan Hadalin (SLO)

9. Julian Rauchfuß (GER)

10. Zan Kranjec (SLO)

11. Stefan Brennsteiner (AUT)

12. Linus Straßer (GER)

13. Alex Vinatzer (ITA)

14. Alexander Schmid (GER)

15. Cyprien Sarrazin (FRA)

16. Armand Marchant (BEL)

Weiter, in der Qualifikation ausgeschieden (Punkte für Top 30)

17. Charlie Raposo (GBR)

18. Thibaut Favrot (FRA)

19. Victor Muffat-Jeandet (FRA)

20. Gino Caviezel (SUI)

21. Mattias Rönngren (SWE)

22. Cedric Noger (SUI)

23. Leif Kristian Nestvold-Haugen (NOR)

24. Filip Zubcic (CRO)

25. Thomas Dorner (AUT)

26. Simon Maurberger (ITA)

27. Seigo Kato (JPN)

28. Daniele Sette (SUI)

29. Patrick Feurstein (AUT)

30. Giovanni Borsotti (ITA)

Ohne Punkte: 36. Fabio Gstrein

Ausgeschieden: Michael Matt (beide AUT), Alexis Pinturault (FRA)

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Gleich drei Premieren

Den Vorarlberger-Tag rundeten zudem Thomas Dorner (25.) und Patrick Feurstein (29.) ab. Die beiden Bregenzerwälder fuhren erstmals in ihrer Karriere in einen Weltcuppunkte-Platz. Vorjahressieger Alexis Pinturault, Schnellster des ersten Quali-Laufs vor Raschner, beging im zweiten Heat gegen Kristoffersen einen Torfehler. „Mit einem kleinen Fehler ist man zu weit, das ist schade. Parallel ist immer etwas eine Überraschung“, meinte der Franzose, der im Gesamtweltcup wertvolle Zähler liegenließ. Keine Punkte holten zudem Fabio Gstrein (36.) und Michael Matt (Ausfall) – beide gingen leer aus.