SCRA-Sportchef Grabherr verspricht: “Kein Flickwerk in der Winterübertrittszeit”

Sport / 09.11.2021 • 22:30 Uhr
Beim Blick auf die Trainingsplätze gab Werner Grabherr einen Ausblick auf die Wintertransferzeit. <span class="copyright">Steurer</span>
Beim Blick auf die Trainingsplätze gab Werner Grabherr einen Ausblick auf die Wintertransferzeit. Steurer

Neue Strukturen entwickeln, akribisches Arbeiten, diese Attribute vereint Altachs Sportchef Werner Grabherr. Der 36-Jährige glaubt an die Mannschaft und setzt auf die jungen Spieler.

Altach Nein, die Schnellschüsse sind nicht sein Anspruch. Werner Grabherr steht für strukturiertes Arbeiten, fürs Entwickeln, für den nächsten Level. Doch der 36-Jährige musste im Herbst auch lernen, Geduld zu haben, denn die Mannschaft steht (noch) auf wackeligen Beinen. Deshalb hat der Sportchef dafür gesorgt, dass die Arbeit mit dem einzelnen Spieler noch mehr in den Fokus rückt. Damit soll die Zufriedenheit im sportlichen Bereich steigen. Denn für Grabherr ist ein Punkt pro Spiel einfach zu wenig.

Mit heutigem Tag sind Sie 167 Tage im Amt. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?
Ein Stück weit zufriedenstellend, weil sehr viel in Bewegung ist. Es war für mich beim Antritt wichtig, dass wir in der Phase Oktober/November richtig in Bewegung kommen. Für all das war der Anfang wichtig, um sich ein Bild machen zu können. Vieles war da doch anders, als ich mir vorgestellt hatte. So blieb auch wenig Zeit und mussten schnell Entscheidungen getroffen werden. Jetzt ist die Zeit, um die strategischen Themen anzugehen – die Struktur betreffend und die Art und Weise, wie wir im Campus arbeiten wollen. Auch was die Kabine betrifft und die Arbeit des Trainers und seines Teams. Es wachst etwas zusammen. Auch wenn wir, wie viele andere Klubs auch, gerne fünf, sechs Punkte mehr auf dem Konto hätten. Dies würde die bisherige Arbeit in ein anderes Licht stellen.

Konkretisieren Sie bitte Ihre Aussage „in Bewegung gekommen“.
Ein Stück weit sicher eine Neuausrichtung, eine Professionalisierung der Arbeitsweise beim SCR Altach, die notwendig war. Da hat sich im sportlichen Bereich in den letzten Jahren doch einiges eingependelt. Sei es das Gefüge in der Mannschaft, sei es die Transfers, das Gehen von Unterschiedspielern, das Kommen von „Rettern für gewisse Monate“. Der Rest ist gestanden. Mit Sommer ist richtig Bewegung in den Kader gekommen. Weil wir mit Damir Canadi auch einen Trainer haben, der keine Angst davor hat, auf junge Spieler zu setzen. Zusammen haben wir sehr viel analysiert und gemeinsam versucht, neu aufzustellen. All das hat sich in einer qualitativ bessern Arbeit niedergeschlagen, die auch an einzelnen Daten abzulesen ist, ob im Kraftraum oder bei Laufdaten oder auch in der Defensivausrichtung am Platz. In Bezug auf Manpower ist mit Louis (Anm. d. Red.: Ngwat-Mahop) ein Trainer fix hinzugekommen. Auch der Bereich Athletik/Physio/Massage wird umgebaut, was für die Spieler in der täglichen Arbeit große Bedeutung hat. Ich erinnere da gerne an die Saison 2016/17, als wir nach Salzburg die fitteste Mannschaft hatten und zuletzt schlanker aufgestellt waren als zu jener Zeit, als ich den Verein verlassen habe. Ein großes Thema bei uns muss sein, einzelne Spieler zu entwickeln. In dieser Arbeit sehe ich viel Potenzial, gerade mit jungen Spielern.

Das heißt konkret, dass der Betreuerstab ausgebaut wird?
Genau, das Trio in Bereich Athletik/Physio/Massage soll auf fünf Personen aufgestockt werden. Damit kann gezielt mit gesunden wie auch mit angeschlagenen Spielern gearbeitet werden. Für mich ist diesbezüglich die Zusammenarbeit mit dem Olympiazentrum sehr wichtig. Gerade im Bereich Sportmedizin und Sportdiagnostik

Die Tabellendaten sagen: 13 Punkte in 13 Spielen. Wie hoch ist Ihr Zufriedenheitsgrad?
Nicht wirklich hoch. Das ist dieser Ein-Punkte-Schnitt von dem wir in Altach wegkommen wollen. Schaffen wir das, dann klettern wir auch in der Tabelle nach oben. Der Vorteil ist, dass trotz des Einser-Schnitts alle Klubs bis Platz vier in Schlagdistanz sind. Deshalb wollen wir bis zur Winterpause voll dranbleiben, damit im Frühjahr die noch verbleibenden vier Runden wirklich Endspiele sind. Aber natürlich wissen wir auch, dass es das Untere Play off werden kann. Fakt ist: Mit den 13 Punkten sind wir nicht zufrieden – und wir wissen auch, wo wir Punkte liegen gelassen haben. Bitter, weil vielfach nicht der Spielverlauf, sondern wir selbst dafür verantwortlich waren.

Schlecht ist sicherlich die Heimbilanz mit nur einem Sieg in fünf Spielen. Verstehen Sie den Unmut einiger Fans?
Ich muss die Spiele im Detail bewerten und auf das große Ganze schauen. Deshalb ist es ein anderer Blickwinkel. Fakt ist, dass wir uns gegen Klubs auf Augenhöhe schwer tun, wo wir vermehrt die Verantwortung übernehmen möchten, mehr tun möchten. Deshalb ist es bitter, gerade in solchen Spielen zu scheitern. Daran knabbert die ganze Mannschaft. Weil sich alle immer viel vornehmen. Wenn es dann so komplett in die Hose geht wie gegen Klagenfurt, versteht man den Unmut. Das tun auch die Spieler, das tut auch der Trainer. Aber natürlich wünsche ich mir von unseren Zuschauern schon das „hinter der Mannschaft stehen“. Irgendwie fehlt mir in Österreich die Fußballkultur, diese Einstellung zu 100 Prozent zu leben. Wir wären gerne alle erfolgreich, dann sind wir auch alle dabei. Wenn es mal wackelig ist, fehlt mir einfach die bedingungslose Hilfe von den Rängen. Dass wir als Mannschaft noch was dazu beitragen müssen, ist uns klar. An der Bereitschaft der Spieler liegt es sicher nicht, ein wenig fehlt die Balance, die Lockerheit. Da braucht es die Zuschauer. Deshalb würde ich mir wünschen, dass die Leute das Gespür dafür entwickeln, wann es sie braucht. Da sehe ich, wie bei uns als Mannschaft, noch Luft nach oben. Den ersten Schritt müssen sich wir am Platz machen, damit der Funke auf die Zuschauerränge überspringt. Dann kann es wieder in Höhen gehen, die wir uns alle wünschen.

Woran liegt es, dass es im Moment sportlich noch nicht so läuft?
Wir haben es nach dem Start nicht geschafft, im September die Punkte einzufahren, die wir gebraucht hätten, damit alles so richtig in Fahrt kommt. Es wäre wichtig gewesen, für die Überzeugung, das Selbstverständnis, für die Lockerheit. Da war Ried so ein Schnittspiel, das im Normalfall gewonnen werden kann. Aber dann passierte das schnelle Gegentor nach zwei Minuten. Wir haben zwar dann das Ergebnis korrigiert und das Spiel im Griff gehabt, aber der Siegtreffer ist nicht gelungen. Mit solchen Spielen hat sich natürlich Verunsicherung eingeschlichen. Umso erfreulicher waren die Arbeit über die Länderspielpause und die Spiele gegen Salzburg und den LASK, in denen wir zeigen konnten, was in der Mannschaft positives passiert ist. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass wir im September teilweise Unruhe im Klub hatten, was dazu geführt hat, dass die Energie auch sichtbar wird.

In den vergangenen Jahren wurde in der Winterübertrittszeit stets nachgebessert. Was ist diese Saison angedacht?
Wir werden die Winterperiode nützen, um gezielt vorzugehen. Wir möchten den Kader nochmals verschlanken und gezielt mit ein, zwei Verstärkungen Qualität zuführen. Wir werden heuer nicht flicken oder auf Druck reagieren müssen. Ich rechne, dass die Tabelle im Winter so aussieht wie jetzt. Wir wollen mit der Mannschaft, mit den jungen Spielern, die sich immer besser entwickeln und stabiler werden, den Weg weitergehen.

Wie viele Spieler sollen abgegeben werden?
Das ist jetzt schwer zu sagen. Es geht darum zu erkennen, welchem Spieler eine Leihe gut tun würde, mich welchen wir planen und von welchen wir uns trennen wollen. Mario Stefel und David Bumberger waren schon im Sommer ein Thema, aber es gilt auch zu entscheiden, welcher Schritt für die jungen Spieler der richtige ist. Zumal bei einigen ab Jänner das Bundesheer ansteht.

Wenn wir über Neuzugänge sprechen, dann wohl über Offensivspieler?
Ja, offensiv orientieren wir uns immer. Weil es ja oft die Unterschied-Spieler sind. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass der Winter im Transferfenster grundsätzlich schwierig ist, weil meist nur vertragslose oder unzufriedene Spieler am Markt sind. Deshalb wollen wir sehr gezielt vorgehen möchten. Aber klar, unser Hauptthema ist das zentrale Mittelfeld, wo wir die Verstärkungen suchen. Natürlich werden wir auch für die Offensive die Augen offen halten.