Der 600.000-Euro-Mann kehrt zurück

Der Stürmer aus Ghana hat seit seinem Abgang aus Lustenau bewegte Zeiten hinter sich.
Linz, Lustenau Die Karriere des Raphael Dwamena ist nichts für Menschen mit schwachem Herzen. Der Stürmer, der mit seinem Verein BW Linz zum Spitzenspiel der zweiten Liga am Freitag (20.25 Uhr) nach Lustenau kommt, hat mit seinen erst 26 Lenzen schon richtig viel durchgemacht, Höhen wie Tiefen., aus sportlicher als auch aus gesundheitlicher Sicht.
„Ich wollte den Defibrillator eigentlich nicht. Jetzt spiele ich schon länger damit.“
Raphael Dwamena, Spieler BW Linz
Größter Transfer der Austria
Im Lager der Austria funkeln immer noch die Augen, wenn die Rede vom Stürmer aus Ghana ist. Im Sommer 2016 lotste der damalige Austria-Trainer Lasaad Chabbi den Kicker ins Reichshofstadion. Auch Dwamena kommt ins Schwärmen, wenn er an die Zeit zurückdenkt: “Lustenau hat eine große Rolle in meiner professionellen Karriere gespielt. Ich habe so große Unterstützung und Glauben von meinem damaligen Trainer Lassad Chabbi, dem gesamten Personal und meinen damaligen Teamkollegen erhalten. Auch die Fans waren großartig. Ich bin sehr dankbar und freue mich auf die Rückkehr nach Vorarlberg”. Dazu verrät er, dass er im Falle eines Treffers morgen, nicht jubeln wird: “So Gott will – und ich schieße ein Tor – dann werde ich nicht jubeln. Dazu respektiere ich den Verein einfach zu sehr.”
“So Gott will und ich schieße ein Tor morgen gegen die Austria, werde ich nicht jubeln. Dazu respektiere ich den Verein zu sehr.”
Raphael Dwamena, Stürmer BW Linz
Nur ein halbes Jahr später, nach 21 Toren und fünf Assists in nur 22 Matches, wechselte der Torjäger um satte 600.000 Euro zum Schweizer Traditionsverein FC Zürich. Der teuerste Verkauf der Lustenauer Vereinsgeschichte. Auch in Zürich schlug Dwamena voll ein. 25 Tore in 56 Spielen waren 2018 für den Premier League-Klub Brighton Grund genug, um zehn Millionen Euro für einen Transfer hinzublättern.

Das Kreuz mit dem Herz
Doch dann begann der lange Leidensweg des gläubigen Christen. Beim letzten Medizincheck entdeckte man eine Anomalie am Herzen, nahm damit Abstand vom Transfer. Spaniens Erstligist UD Levante ließ es sich dennoch nicht nehmen, ihn um sechs Millionen Euro zu verpflichten. Doch seine Karriere erlitt durch die Diagnose und die damit verbundenen Pausen einen Knick. Die Herzprobleme gingen so weit, dass man ihm 2020 eine Defibrillator einsetzte, „Ich wollte es eigentlich nicht, spiele aber jetzt schon ein Jahr damit“, erzählt Dwamena. Während seiner Zeit als Leihspieler bei Real Saragossa schlug der Defibrillator sogar einmal an. Daraufhin verzichtete man in Saragossa und auch bei UD Levante auf seine Dienste. Nach einem kurzen Gastspiel bei Velje BK landete Dwamena im Sommer bei BW Linz. „Nicht jeder Klub will dieses Risiko eingehen“, so Dwamena.
Kein großes Thema
Für BW Linz-Sportdirektor Tino Wawra ist die Sache bezüglich des Defibrillators keine große Sache mehr, „da wir ihn natürlich durchchecken ließen, haben auch die Werte des Defibrillators auslesen lassen. Die Ärzte haben uns dann erklärt, dass sie kein Risiko sehen“. Zuletzt zwang den 26-Jährigen eine Thrombose an der Hand zu einer Pause, daher kam er erst zu wenigen Einsätzen. „Raphael braucht noch etwas Zeit, um matchfit zu werden, diese werden wir ihm geben“, so Wawra, der nicht nur von seinen sportlichen Fähigkeiten begeistert ist: „Er ist einfach ein super Typ, passt charakterlich richtig gut zu uns.“


