„Bei Marlies ist die Lust auf mehr geweckt“

Sport / 21.10.2021 • 22:00 Uhr
„Bei Marlies ist die Lust auf mehr geweckt“
Marlies Männersdorfer erzielte in Japan als 22. im Mehrkampf das zweitbeste ÖFT-Resultat in der Geschichte. ÖFT/Simone Ferraro

Marlies Männersdorfer mit Rang 22 im Mehrkampf bei der Kunstturn-WM in Japan.

Kitakyushu Österreichs historisch erste Finalteilnahme bei einer Kunstturn-WM begann vielversprechend: Marlies Männersdorfer (TS Jahn Lustenau), als 24. und letzte für die Entscheidung im japanischen Kitayyushu qualifiziert, absolvierte ihre Küren am Boden (12,20 Punkte), Sprung (12,666) und Stufenbarren (12,166) ausgezeichnet und nahm nach drei Geräten den 17. Rang ein. Zum Abschluss am Schwebebalken (11,566) passierte der 24-jährigen Wahl-Vorarlbergerin allerdings bei der Pirouette derselbe Fehler samt Sturz wie in der Qualifikation. Das bedeutete mit 48,599 Punkten, um 0,2 weniger als in der Qualifikation, den 22. Endrang.

„Ich konnte das Finale sehr genießen“, betonte die HLSZ-Sportsoldatin stolz: „Es war ein unglaubliches Gefühl, mit der Crème de la Crème gemeinsam auf der Bühne zu stehen und dazuzugehören. Dass ich mich um zwei Ränge verbessern konnte, freut mich riesig. Es war einfach unbeschreiblich und es hat mir große Lust auf mehr gemacht. Ich danke allen, die mich auf diesem Weg unterstützen, ich hätte es ohne sie nicht so weit geschafft.“

Zweitbestes ÖFT-WM-Resultat

Den WM-Titel gewann die Olympia-Dritte von Tokio, Angelina Melnikova (56,632 Punkte) aus Russland, vor den US-Amerikanerinnen Leanne Wong (56,340) und Kayla di Cello (54,566). Der seit 2014 im Ländle lebenden gebürtigen Niederösterreicherin gelang das zweitbeste österreichische WM-Mehrkampfergebnis nach der Bronzemedaille vor 71 Jahren von Gertrude Kolar. Bei der ersten WM nach dem Zweiten Weltkrieg 1950 in Basel wurde kein separates Finale ausgetragen.

Stolz zeigte sich auch Österreichs neuer Nationaltrainer, der US-Amerikaner Daymon Jones: „Es ist etwas ganz Besonderes, dass sich Marlies nicht nur als erste Österreicherin für ein WM-Finale qualifizieren und in diesem zwei Plätze nach oben klettern konnte. Das war das Tüpfelchen auf dem i einer tollen Leistung. Wir haben hier in Japan das deutliche Statement hinterlassen, dass sich Österreichs Turnerinnen im Aufwärtstrend befinden und wir hart daran arbeiten, in den Weltranglisten vielleicht sogar bis ganz nach oben zu kommen. Die WM 2021 war dafür der Startschuss.“

Im Trainingszentrum Dornbirn mitgefiebert

Auch ÖFT-Kunstturnerinnen-Sportdirektorin Eva Pöttschacher äußerte sich mehr als zufrieden: „Wir sind auf einem guten Weg und Marlies ganz besonders. Ich gratuliere ihr sehr herzlich.“ Vorarlbergs Landestrainer Daniel Rexa: „Wir alle bei uns im Trainingszentrum in Dornbirn haben beim Livestream mitgefiebert. Ich bin sehr stolz auf Marlies, doch das war noch nicht ihr Maximum. Diese WM gibt ihr sicher die Motivation, die perfekten Wettkämpfe noch zu turnen – am besten bei der Olympia-Qualifikation und dann in Paris 2024.“

Nach Höck auch Benda im Finale dabei

Im Mehrkampf der Männer rückte der 24-jährige Steirer Alexander Benda als erster Ersatzmann in den Kreis der Finalisten (Freitag ab 11 Uhr MEZ) auf. Ein in der Qualifikation um fünf Ränge vor Benda klassierter Kolumbianer war positiv auf das Coronavirus getestet worden und wurde aus dem Bewerb genommen.

Zuvor hatte bei der WM in Japan Österreichs bester Kunstturner sein großes Ziel erreicht: Vinzenz Höck zog als Vorkampf-Dritter souverän in das Finale der Top-8-Athleten an den Ringen ein. Seine Kür gelang makellos: „Es ist mir heute perfekt aufgegangen, alles hat auf den Punkt gepasst. Ich bin überglücklich.“

Mit 14,766 Punkten musste sich der 25-jährige Grazer nur den beiden Chinesen Lan Xingyu (15,266) und Zhang Boheng (14,866) geschlagen geben, allerdings punktegleich mit dem amtierenden türkischen Weltmeister Ibrahim Colak und dem Russen Grigorii Klimentev. Das verspricht ein extrem spannendes Finale am Samstag (12 Uhr MEZ). Höck: „Als ich die Wertungen der beiden Chinesen gesehen hatte, wurde ich wirklich nervös und begann zu zweifeln. Aber dann habe ich alles auf eine Karte gesetzt, denn Taktieren wäre unmöglich gewesen.“

ÖFT-Kunstturner-Sportdirektor Fabian Leimlehner: „Das ist Österreichs erstes Turn-WM-Gerätefinale überhaupt. Unglaublich, was Vinzi abgeliefert hat, mir fehlen die Worte. Er ist ein absoluter Vollprofi, kann mit dem Druck sensationell gut umgehen. Vinzenz ging als allerletzter der kompletten WM-Qualifikation ans Gerät, noch dazu mit zwei Stunden Verspätung. Er wusste genau, dass er perfekt turnen musste, dass die Wertungen höher waren als bei jeder WM zuvor. Und dann knallt er sogar die drittbeste Kür hin. Ich gratuliere ihm und dem ganzen Team.“