Offene Rechnung in Paris begleichen

49er-Segelduo Bildstein/Hussl starten zweite Olympiakampagne und wollen 2024 Medaille holen.
Bregenz Seit 2012 bilden der Wolfurter Benjamin Bildstein und David Hussl ein Gespann im 49er-Segeln. Nach Rang zehn bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2021 haben sich die beiden Athleten vom YC Bregenz nun entschieden, ihre gemeinsame Karriere bis Paris 2024 fortzusetzen. Die zweite Olympia-Kampagne hat den Gewinn einer Medaille als Ziel. „Wir sind an der Weltspitze angekommen und segeln mit den Topteams auf Augenhöhe. Jetzt wollen wir konstanter werden, Rennen gewinnen und eine Medaille holen“, betonen der Wolfurter Bildstein und sein um einen Monat jüngere Vorschoter aus Terfens in Tirol kämpferisch.
Eine offene Rechnung
Nach dem Abschneiden in Tokio haben sich die beiden 29-Jährigen bewusst eine Auszeit gegönnt. Bereits ein Monat später war die Entscheidung ob der Fortsetzung ihrer Karriere gereift: „Wir hatten beide das Gefühl eine offene Rechnung zu haben – und die wollen wir 2024 begleichen“, sagt Bildstein. Auch Vorschoter Hussl schlägt in die selbe Kerbe: „Uns war beiden rasch klar, dass wir gemeinsam auf die Bühne zurückkommen werden. Wir sind noch nicht fertig. Wir haben viel gelernt und werden davon in den nächsten drei Jahren profitieren.“
Entscheidend für die Fortsetzung der gemeinsamen Karriere ist auch der großartige Background: „Wir haben das große Glück, starke Partner, Unterstützer und Sponsoren zu haben. Sie stehen zu 100 Prozent hinter uns und schaffen einen hervorragenden und wichtigen Rahmen, um unsere Ziele weiterhin verfolgen zu können. Das ist nicht selbstverständlich und ein sehr starkes Zeichen“, weiß Bildstein.
Olympia-Analyse läuft noch
Nach einer dreiwöchigen Regenerationsphase wurde bereits Anfang September eine umfassende Analyse der Tokio-Erkenntnisse gestartet. Bei den Gesprächen gemeinsam mit OeSV-Sportdirektor Matthias Schmid, den Trainern Ivan Bulaja und Roman Hagara (Anm. Olympiasieger 2000 und 2004 im Tornado) sowie Sportpsychologe Dr. Björn Krenn, kamen „doch einige Punkte ans Tageslicht, die wir 2024 anders hinbekommen müssen, wenn wir eine Medaille holen wollen“, erklärt Bildstein.
Abgeschlossen ist die intensive Erhebung der letzten Olympia-Kampagne noch nicht, auch die konkrete Planung für die in Marseille am Mittelmeer, rund 780 km von der französischen Hauptstadt entfernt, über die Bühne gehenden Segelbewerbe der 2024-Spiele steht noch nicht fest: „Wir sind grundsätzlich noch nicht an diesem Punkt, alles dingfest zu machen. Die Tokio-Studie fordert deutlich mehr Zeit, als wir uns gedacht haben und wird erst in den kommenden Tagen abgeschlossen werden. Dann beginnen wir zu planen, große Veränderungen wird es aber nicht geben“, erklärt der Steuermann.
WM am Persischen Golf
Zum Abschluss des Olympiajahres wird Österreichs Parade-49er von 16. bis 21. November die Weltmeisterschaft in Oman am Persischen Golf bestreiten. Obwohl sie seit August nicht mehr in ihrem Boot saßen, wollen sie im Kampf um die Medaillen mitmischen. „Uns ist bewusst, dass wir nicht optimal vorbereitet an den Start gehen. Dennoch werden wir alles unternehmen, um gut abzuschneiden. Wir haben uns diesmal absichtlich für eine kurze Vorbereitung entschieden. Wir wollen erkennen, was es braucht, sich in kurzer Zeit auf neue Gegebenheiten einzustellen. Wir wollen daraus lernen und Erfahrung sammeln“, konkretisiert Hussl.

Obwohl einige Tokio-Teilnehmer dem interkontinentalen Vergleich fernbleiben werden, ist die Konkurrenz vor der arabischen Halbinsel hochkarätig. „Es sind etliche Boote gemeldet, die nicht bei Olympia waren, in den letzten Monaten intensiv trainiert haben und voll drinnen sind“, so Bildstein.
Bei ihren bisherigen acht WM-Teilnahmen seit 2013 belegte das 49er-Duo 2020 den vierten, 2019 den sechsten Rang und holte 2017 in Portugal Bronze.
Bei den Titelkämpfen der International Sailing Federation (ISAF) auf der Arabischen Halbinsel entlang des Persischen Golfs, verabschiedet sich die 49er-Flotte auch vom bisherigen Set-Up. In Zukunft wird vor allem bei der Mastherstellung in neue Materialen investiert, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren. Auch das Segeltuch soll eine Qualitätsverbesserung erhalten. Ein strapazierfähiges und stabileres Material soll vor allem jungen Teams mit weniger Budget helfen, ihre Ziele zu erreichen. In beiden Bereichen war Benjamin Bildstein federführend in der Entwicklung dabei.
Fünf Höhepunkte 2022
Nach der Weltmeisterschaft im Oman will das YC-Bregenz-Duo seinen Plan bis 2024 konkretisieren und im Detail ausarbeiten. „Zudem wollen wir die Zeit auch nutzen, um etwas mehr in die Breite zu denken. Wir wollen uns öffnen für Neues – auch Stippvisiten wie zuletzt beim neu gegründeten Gold Cup der Star Sailors League (SSL) sollen ein Thema blieben. Wir sind neugierig, wollen dazulernen und dann eine richtig coole Kampagne starten“, skizziert Hussl die Zeit nach der WM.
Für das Kalenderjahr 2022 haben die beiden Olympia-Teilnehmer bereits einen groben Regatta-Plan zusammengestellt: Neben der der Europameisterschaft im dänischen Aarhus (5. bis 10. Juli) und der Weltmeisterschaft (31. August bis 5. September) in Halifax (Can) gelten die Regatten Anfang April in Palma de Mallorca, Ende April in Hyères (Fra) sowie die Kieler Woche Mitte Juni als mögliche Höhepunkte.










