Auf Zitterpartie folgen Happy End und historischer Coup

Sport / 19.10.2021 • 21:00 Uhr
Auf Zitterpartie folgen Happy End und historischer Coup
Marlies Männersdorfer wird am Donnerstag (11.15 Uhr MEZ) als erste Österreicherin bei einer Kunstturn-WM im Mehrkampffinale turnen. ÖFT/Ferraro

Marlies Männersdorfer erste rot-weiß-rote Finalistin bei einer Kunstturn-WM.

Kitakyushu Japan nennt man auch „das Land der aufgehenden Sonne“ – und seit Montag ist das viertgrößte Inselland der Welt und das größte Ostasiens aus sportlicher Sicht die absolute Lieblingsdestination von Marlies Männersdorfer. Die gebürtigen Niederösterreicherin, die seit 2014 in Vorarlberg wohnt und bei der TS Jahn Lustenau gemeldet ist, konnte sich bei der Kunstturn-WM in Kitakyushu als erste rot-weiß-rote Turnsportlerin überhaupt für das Mehrkampffinale qualifizieren. „Da sich der Wettkampf über zwei Tage zog, und ich am Auftakttag im Einsatz war, war es eine Zitterpartie bis zur letzten Sekunde. Ich habe am zweiten Tag bei jeder Turnerin mitgezittert und immer wieder sehnsüchtig den Zwischenstand auf die Anzeigetafel verfolgt. Als am Ende feststand, dass ich es geschafft habe, war ich einerseits unbeschreblich glücklich und gleichzeitig richtig fertig wie nach dem Wettkampf. Als meine Finalteilnahme feststand, hat man meinen Jubelschrei auch in Vorarlberg gehört“, frohlockte die HLSZ-Sportsoldatin nach ihrem größten Erfolg.

Positiv geblieben, Optimismus belohnt

Mit 12,466 Punkten am Stufenbarren, den 11,70 am Schwebebalken, den 12,166 am Boden und den 12,466 am Sprung erreichte Männersdorfer 48,789 Punkte im Mehrkampf und nahm nach 84 von insgesamt 114 Starterinnen den 15. Zwischenrang ein. „Mir war bewusst, dass es knapp werden wird. Doch ich habe immer versucht, positiv zu bleiben und am Ende wurde mein Optimismus belohnt.“

Als in der siebten der insgesamt zehn Rotationen in der Qualifikation vier Turnerinnen mehr Punkte als die Wahl-Lustenauerin erbrachten, in der folgenden beiden Gruppen sich aber lediglich eine Aktive vor Männersdorfer schob, war die Sensation perfekt. „Im letzten Durchgang war vor Beginn klar, dass lediglich die beiden Russinnnen und die zwei Athletinnen aus Korea dazukommen können. In wenigen Sekunden wechselte die nervliche Anspannung in pure Freude. Die Erleichterung war unbeschreiblich groß und die Glücksgefühle schossen wie ein Blitz durch meinen Kopf.“

In ihrem ersten WM-Finale am Donnerstag (11.15 bis 13.15 Uhr MEZ) will Männersdorfer jede Sekunde an den vier Geräten in vollen Zügen genießen: „Nach der verpassten Olympiaqualifikation bei der letzten WM 2019 in Stuttgart habe ich noch härter und intensiver trainiert. Nach den guten Resultaten bei den Weltcups in diesem Jahr wollte ich unbedingt bei der WM mein maximales Leistungspotenzial abrufen. Dies ist mir gelungen, darauf bin ich mächtig stolz und alles was jetzt noch kommt, ist die schöne Zugabe, die man sich als Sportlerin vorstellen kann und die Belohnung für die Trainingsarbeit in den letzten zwei Jahren.“

Beeindruckende Performance

Zufrieden und stolz äußerte sich auch ÖFT-Sportdirektorin Eva Pöttschacher: „Gratulation an Marlies, die ihr Programm sehr selbstbewusst durchgezogen hat. Vor allem ihre künstlerische Darbietung hat alle Wertungsrichterinnen sehr beeindruckt.“ Lobende Worte gab es auch vom neuen ÖFT-Frauentrainer Daymon Jones: „Marlies hat abgesehen von der Unachtsamkeit mit dem Sturz am Balken in der Qualifikation ihren Job ausgezeichnet erledigt. Nun gilt es, mit ihrer Erfahrung im Finale noch einmal die großartige Artistik-Performance abzurufen, um das Maximum zu erreichen.“