Solidarität und Prävention beim Thema Missbrauch im Frauenfußball

Sport / 07.10.2021 • 22:00 Uhr
US-Fußballerinnen bildeten während des Spiels einen Kreis, um auf die Mißstände hinzuweisen.<span class="copyright">a</span><span class="copyright">p</span>
US-Fußballerinnen bildeten während des Spiels einen Kreis, um auf die Mißstände hinzuweisen.ap

US-Spielerinnen stellen sich gegen Missbrauch im Frauen-Fußball. ÖFB mit präventiven Maßnahmen.

Philadelphia, Wien Begleitet von Spielunterbrechungen und Solidaritätsaktionen auf den Plätzen haben die Profis in der US-Frauenfußballliga NWSL Forderungen im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gestellt. So sollen u.a. alle Besitzer, Manager und Trainer zur Aufklärung beitragen und darüber bei der Gewerkschaft NWSLPA Rechenschaft ablegen. Ebenso soll die von der Liga angekündigte Untersuchung auf alle zwölf Teams ausgeweitet werden.

Starkes Zeichen

Jeweils in der sechsten Spielminute hatten sich die Fußballerinnen bei den Partien von Washington Spirit gegen FC Gotham und North Carolina Courage gegen Racing Louisville gegenseitig untergehakt und etwa eine Minute lang auf dem Platz verharrt. Die Zuschauer applaudierten. „Heute Abend haben wir uns unseren Platz auf dem Feld zurückgeholt, weil wir uns die Freude nicht nehmen lassen“, hieß es in einer Mitteilung der NWSLPA. Man werde aber nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die Aktion in der 6. Minute solle darauf aufmerksam machen, dass es sechs Jahre gebraucht habe, bis die Vorwürfe der Spielerinnen ernst genommen worden seien. Die Liga ist seit Tagen in Aufruhr. Auslöser waren Vorwürfe gegen Courage-Coach Paul Riley. Der wurde nach einem Bericht des Portals „The Athletic“ infolge des mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs zweier Spielerinnen entlassen. In der Folge wurde bekannt, dass die NWSL Hinweise darauf ignoriert hatte. Liga-Chefin Lisa Baird trat zurück.
Schon im August war Christy Holly als Trainer bei Racing Louisville gefeuert worden, nachdem Spielerinnen über ein „toxisches Umfeld“ geklagt hatten. Ein neues Leitungsgremium in der NWSL und eine unabhängige Untersuchung sollen die Vorwürfe aufklären.

Fans des Frauenfußballs in den USA stellten beim Match zwischen den Portland Thorns und den Houston Dash klar, wofür sie stehen.<span class="copyright">ap</span>
Fans des Frauenfußballs in den USA stellten beim Match zwischen den Portland Thorns und den Houston Dash klar, wofür sie stehen.ap

Wichtiges Thema für den ÖFB

Auch beim Österreichischen Fußballbund sind die Missbrauchvorwürfe aus den USA und anderen Ländern dieser Welt im Frauen-Fußball beobachtet worden. In einer der VN vorgebrachten Stellungnahme, erklärte man, das Thema Missbrauch sehr ernst zu nehmen. Die oberste Prämisse lautet, fundierte Prävention zu betreiben und Opfern professionelle Unterstützung zu Teil werden zu lassen. Daher ist man eine Kooperation mit dem Verein 100 Prozent Sport eingegangen. Eine Kernkompetenz dieser Einrichtung ist das aktive Auftreten gegen sexualisierte Gewalt im Sport und die Verankerung von Schutzkonzepten in den Vereinsstrukturen.

Schulungen

Der ÖFB hat zudem ein Netzwerk geschaffen und Schulungen durchgeführt, um Ansprechpersonen anzuleiten, Betroffene direkt mit Experten mit Spezialausbildung in Kontakt zu bringen. Für Verbände und Vereine wurden und werden Info-Veranstaltungen durchgeführt. So fanden zuletzt Schulungen von TrainerInnen und FunktionärInnen im Rahmen von UEFA Playmakers, einem Grassroots-Projekt für fünf- bis achtjährige Mädchen, statt.