Mit Multipler Sklerose weltweit schon 100 Marathons gelaufen

Sport / 06.10.2021 • 22:30 Uhr
Mit Multipler Sklerose weltweit schon 100 Marathons gelaufen
Das Bild zeigt Martin Geicsnek mit Gattin Helga Marwan-Schlosser anlässlich des Wüstenmarathons in Eilat in der Negev-Wüste beim Roten Meer. Privat

Martin Geicsnek ist mit 31 Jahren an Multipler Sklerose erkrankt und läuft nun seinen 101. Marathon. Der Niederösterreicher freut sich auf seinen ersten Start beim Sparkasse 3-Länder-Marathon.

Bregenz Am 22. Oktober feiert er seinen 56. Geburtstag, zwölf Tage davor nimmt er beim Sparkasse 3-Länder-Marathon zum 101. Mal eine 42,195 km lange Laufstrecke in Angriff. Damit schließt sich für Martin Geicsnek der Kreis, fehlt ihm dieser noch in der Sammlung der „Großen Sechs“. Wien, Salzburg, Graz, Linz und Wachau hat er schon länger in den Beinen. Das Besondere daran: Der Informatiker aus Wiener Neustadt leidet seit 25 Jahren an Multipler Sklerose. Doch Geicsnek hat sich nicht seinem Schicksal ergeben, sondern will anderen Menschen damit Mut machen.

Gemeinsam durch Jerusalem. <span class="copyright">Privat</span>
Gemeinsam durch Jerusalem. Privat

Als Fußballer noch gegen Krankl und Prohaska gespielt

Dieser Mut kommt im Gespräch mit ihm in jeder Silbe zum Ausdruck. Ganz offen geht der passionierte Läufer mit seiner Krankheit um. Er erzählt von seinen halbseitigen Gefühlsausfällen kurz vor seinem 31. Geburtstag. „Wir haben erst vermutet, dass es vom Hals ausgelöst wurde.“ Schnell jedoch bestätigte sich die Befürchtung einer chronischen Entzündung des Nervensystems (MS). „Schrecklich“, erinnert er sich daran, zumal seine Großtante in jungen Jahren (34) an dieser Erkrankung verstorben war. Doch aufgeben war für ihn kein Thema: Noch im Krankenhaus begann er im Internet zu forschen, um die Krankheit zu verstehen und Therapieformen zu finden. Heute, mehr als 25 Schübe später und einer vor allem links stark betroffenen Körperhälfte, hat er im Laufen seine sportliche Erfüllung gefunden. Dabei kommt Geicsnek aus dem Fußballlager. Denn bis zum 21. Geburtstag hatte er für den SC Wr. Neustadt in der Regionalliga gespielt, abwechselnd als Stürmer oder Verteidiger. Und dabei trat er in Cupspielen noch gegen Größen wie Herbert Prohaska, Hans Krankl oder Antonin Panenka an. So war für ihn auch schnell klar, dass „maximale Schonung“ nach Erkennung der Krankheit für ihn keine Alternative darstellte. „Den Zettel, den ich damals mit diesen Worten im AKH erhalten habe, gibt es noch“, sagt er mit einem Schmunzeln. Geicsnek brauchte Bewegung, fand diese im Laufen.

Auch wenn ihm die Ärzte davon abrieten, so stand bald der erste Marathon auf dem Programm, in Wien beendete er Anfang September seinen hundertsten. Dazwischen war noch die Zeit, für sieben Starts beim Ironman Klagenfurt, weitere Highlights waren Podersdorf oder der Kilimandscharo Marathon. Stets an seiner Seite Ehefrau Helga Marwan-Schlosser (54), mit der er die Leidenschaft für den Laufsport teilt. Zusammen bewältigen sie all die Kilometer und überqueren stets Hand in Hand die Ziellinie. Afrikas höchsten Berg bezwangen sie im Rahmen ihrer Hochzeitsreise.

„Man kommt als Tourist, aber mit der Startnummer ist man einer von vielen Sportlern.“

Martin Geicsnek läuft in Bregenz seinen 101. Marathon

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Zieleinlauf beim klassischen Athen-Marathon. <span class="copyright">Privat</span>
Zieleinlauf beim klassischen Athen-Marathon. Privat

Am Wochenende nun wartet auf das reise- und lauffreudige Ehepaar der Sparkasse 3-Länder-Marathon. Ein besonderer Moment, wie Martin Geicsnek sagt. Auch für Bregenz gelte, wie bei den Läufen in Nordindien, St. Petersburg, Havanna oder New York. „Man kommt als Tourist, aber mit der Startnummer am Körper ist man einer von vielen Sportlern. In Indien haben wir im Ziel mit den Einheimischen getanzt.“

Bild vom Jungfrau-Marathon. <span class="copyright">Privat</span>
Bild vom Jungfrau-Marathon. Privat

Bei all der Begeisterung für das Laufen ist die Erkrankung stets allgegenwärtig. „Ich passe mich der Situation an“, sagt er und spricht über ein permanentes Adaptieren. Sein Motto deshalb: „Was im Bereich des Möglichen für meinen Körper ist, mache ich.“ Dabei verheißen die neuesten MR-Bilder nichts wirklich Gutes. „Sowohl Blase als auch Darm sowie die Beine sind betroffen“, sagt er und ergänzt: „Ich laufe nicht mehr so schnell wie früher, aber das muss auch nicht sein.“ Die Startnummer 101 für den Sonntag ist ihm jedenfalls sicher. Und seine Geschichte wird vielen Menschen fraglos neue Motivation geben.

Farbenfroh war der Disneyland Paris-Run. <span class="copyright">Privat</span>
Farbenfroh war der Disneyland Paris-Run. Privat