Die 24 Stunden von Le Mans und die Österreicher

Vor seinem Start heute traf Kévin Estre noch mit Vorarlberger Motorsport-Legenden zusammen.
le mans Die 89. Auflage des bekanntesten Autorennens der Welt, die 24 Stunden von Le Mans, startet heute. Dass diese Herausforderung schon 1971 Hollywood inspirierte, einen Kinofilm mit dem bereits verstorbenen Schauspieler Steve McQueen herauszubringen, fand seine Fortsetzung in dem Streifen „Le Mans 1966“ mit Matt Damon in der Hauptrolle in jüngerer Zeit, der nun auch im Free TV läuft. Nicht nur Hollywood fand Gefallen an dem Rennen, auch viele Österreicher waren mit großem Erfolg am Start auf der 13,8 km langen Rennstrecke, die teilweise über Landstraßen führt.
Geschichte geschrieben
Die erste Beteiligung war im Jahr 1962 mit dem Tiroler Franz Albert. Der Wörgler wurde später unter „Nocken Franz“ in der Rennsportszene bekannt. 1965 sah es dann schon anders aus. Die Sportwelt war aus dem Häuschen, als Jochen Rindt, der den Motorsport in Österreich so richtig populär machte, sich den Gesamtsieg bei seinem ersten Antreten in Le Mans mit dem Amerikaner Masten Gregory auf einem Ferrari 250LM in die Statistik schreiben konnte. Aus österreichischer Sicht war dann noch der Gesamtsieg von Helmut Marko im Jahr 1971, und Alexander Wurz schaffte es gleich zweimal, den Pokal im Jahr 1996 und auch 2009 nach Hause zu holen. Aber es gab nicht nur Grund zum Jubeln: 1986 starb der Wiener Jo Gartner in den Morgenstunden den Rennfahrertod. Auf der damals rund sieben Kilometerlangen Hunudieres-Geraden brach an seinem Auto die Aufhängung, und so hatte Jo beim 290 km/h keine Chance zu überleben.
Auch Vorarlberger haben sich in die Geschichtsbücher des Rennens eingeschrieben. Auf Initiative der Vorarlberger Nachrichten trafen sich kürzlich die früheren Porsche- Werksfahrer Rudi Lins (77) und der in Lustenau geborene Liechtensteiner Manfred Schurti (79) mit dem aktuellen Porsche-Werksfahrer Kévin Estre (32), den Erstere nur aus den VN-Sportberichten kannten. Le Mans 2021 zählt zur FIA World Endurance Championship, kurz WEC genannt, in deren Rahmen fährt Estre um WM-Punkte in der Kategorie LMGTE-Pro, was für Le-Mans-Grand-Tourismo für Profifahrer steht. Der in Höchst lebende Franzose war 2018 mit einem Porsche 991 RSR GTE und seinen Teamkollegen Michael Christensen (DEN) und dem Belgier Laurens Vanthoor bereits Klassensieger in Le Mans und gewann auch die WEC-Weltmeisterschaft 2018/19 in der Kategorie. Das Rennen in Le Mans ist auch entscheidend für Ausgang der Weltmeisterschaft.
Rudi Lins war mit Helmut Marko 1970 in Le Mans als Zweimannteam mit einem Martini Porsche Prototyp 908-02 eingeteilt. Der Dreilitermotor, der eine Leistung um die 350PS abgab, was eine Spitzengeschwindigkeit auf der berüchtigten Hunudieres-Geraden von 330 km/h brachte, war nach 24 Stunden auf dem dritten Gesamtrang, was den Klassensieg bedeutete. „Fünf Stunden vor Schluss ließ sich das rechte Vorderrad beim Boxenstopp nicht lösen, so fuhren wir einfach weiter, haben aber dadurch den zweiten Platz verloren“, wusste Lins zu erzählen. 1970 war aus Porsche-Sicht sehr erfolgreich, erstmals siegte Porsche mit dem 917 im wichtigsten Rennen in der Zeit, neu war auch, dass der bis anhin durchgeführte Le-Mans-Start – die Fahrer mussten zu den Autos sprinten – aus Sicherheitsgründen abgeschafft wurde.

Treffen mit Rudi Lins, Manfred Schurti und Kevin Estre im Porsche Zentrum Rankweil. 

Motorsport
Le-Mans-Einsätze
Manfred Schurti: 9 Mal ( 4. Gesamtplatz 1976 als bestes Resultat / drei Mal Klassensieger)
Kévin Estre: 6 Mal (15. Gesamtplatz 2018 als bestes Resultat / Sieger der GTE-Pro )
Christian Klien: 4 Mal ( 3. Gesamtplatz 2008 als bestes Resultat)
Marco Holzer: 4 Mal (14. Gesamtplatz 2010 als bestes Resultat)
Rudi Lins: 3 Mal ( 3. Gesamtplatz 1970 als bestes Resultat / ein Klassensieg)
René Rast: 3 Mal ( 6. Gesamtplatz 2016 als bestes Resultat)
Timo Scheider: 1 Mal (14. Gesamtplatz 2010 als bestes Resultat)
Klien schaffte es auf das Podest
Nicht schlecht staunte Kévin Estre, als Rudi Lins, der ja schon 1968 und 1969 in Le Mans gefahren war, ausführte, dass erst 1969 erstmals Vierpunktgurte zur Verwendung kamen. Überhaupt war es in der goldenen Ära des Rennsports sehr schlecht um die Sicherheit bestellt. So wusste Manfred Schurti zu berichten: „Wir mussten rundenlang an teilweise verunglückten Autos vorbeifahren, ehe diese geborgen wurden. Was mit den Fahrern passiert war, konnte man nur erahnen.“ Schurti war gleich neunmal in Le Mans gestartet und wurde dreimal Klassensieger (1975, 1976 und 1982). Der eindrücklichste Einsatz war 1976 mit dem Martini-Porsche 935 zusammen mit Rolf Stommelen. Der Porsche, wegen seines Aussehens „Moby Dick“ genannt, war ein PS-Monster, mit bis zu 1000 PS. Zusammen erzielten sie den vierten Gesamtrang, und in der Gruppe 5 bedeutete dies den Klassensieg 1976. Ex-Formel-1-Pilot Christian Klien war viermal in Le Mans angetreten und schaffte es als Peugeot-Werksfahrer 2008 als Gesamtdritter auf das Podest.
Für Estre wird es der siebte Start in Le Mans zusammen mit dem Schweizer Neel Jani und dem Dänen Michael Christensen. Das Rennen startet heute um 16 Uhr und wird auf RTL Nitro und Eurosport im Free TV zu sehen sein. NOG