VN-Analyst Dieter Alge über einen Altacher Sieg der Moral

Sport / 17.08.2021 • 10:30 Uhr
VN-Analyst Dieter Alge über einen Altacher Sieg der Moral
APA

Nicht allein das Ergebnis, sondern die Art und Weise wie der 2:1-Heimerfolg des Cashpoint SCR Altach gegen Rapid zustande gekommen ist, hat mir gefallen. Denn spielerisch war es keine hochklassige Leistung. Nein, es waren am Ende vielmehr die Moral und der Wille, die Altach zum Sieg führten. Rapid, über weite Strecken spielbestimmend, hat nach der Führung die Ordnung und so auch das Spiel verloren. Dass Schreiner und Co. nun von Platz vier der Tabelle winken, versüßt den Erfolg doppelt.
Altachs Coach Damir Canadi schickte seine Mannschaft gegen seinen Ex-Klub in einer 4-4-2-Grundordnung ins Spiel. Sein Gegenüber Didi Kühbauer setzte auf eine Dreierkette mit vier Mittfeld- und drei Offensivspielern. Ernüchternd aus taktischer Sicht das Altacher Auftreten in den ersten 25 Minuten. Sowohl in Ballbesitz als auch im Spiel gegen den Ball, Altachs Spieler wirkten desorientiert bzw. agierten ohne Selbstvertrauen. Vor allem gegen Rapids Spielaufbau fehlte mir die Ordnung im gesamten Mannschaftsgefüge. Die Viererabwehrkette war zu wenig aktiv, von Vorwärtsverteidigen war nichts zu sehen. Bei der Übergabe von Rapids-Offensivspieler gab es oft Unstimmigkeiten. Das Positionsspiel der beiden Altacher „Sechser“ Stefan Haudum und Felix Strauss funktionierte ebenfalls nicht perfekt. Immer wieder konnten sich Rapids Außenspieler ohne große Gegenwehr in die Offensive einschalten. Bei Ballgewinn fehlten mir die Umschaltmomente. Vielmehr wurde mit langen und hohen Bällen agiert. Die Wende in Durchgang eins brachte der vermeintliche 1:0-Treffer durch Rapid-Stürmer Taxiarchis Fountas, welcher vom VAR wegen Abseits aberkannt wurde. Ab diesem Zeitpunkt ging ein Ruck durchs Altacher Team. In Ballbesitz wurde mutiger kombiniert, die Aggressivität in den Zweikämpfen war nun da. Plötzlich ergaben sich auch Torchancen.

Zusammenhalt als Pluspunkt

Aus taktischer Sicht unverändert kamen beide Teams aus der Kabine. Die Partie plätscherte so dahin, ein Tribut an die hohen Temperaturen. Vorsicht war nun das oberste Gebot. Ein Freistoßtreffer von Rapids Marco Grüll war dann der Altacher Weckruf. Canadi reagierte nur vier Minuten später mit einem Dreifachtausch sowie einer Systemumstellung. Fortan wurde in einem 4-2-2-2 gespielt. Zehn Minuten später brachte der Coach mit Philipp Netzer und Sebastian Aigner zwei weitere frische Spieler. Fünf Wechsel zum richtigen Zeitpunkt, die für mich in diesem Spiel mitentscheidend waren. So kam es wie es kommen sollte: Daniel Nussbaumer gelang der verdiente Ausgleich und Atdhe Nuhiu sogar noch der Siegtreffer. Altachs großer Pluspunkt an diesem Tag war aber der Zusammenhalt sowie die Mentalität der gesamten Truppe.