Tokio 2020 Karate

Sport / 05.08.2021 • 21:32 Uhr

Karatekämpferin Bettina Plank liefert bei Olympia in Tokio Wettkampf ihres Lebens ab und holt Bronze.

Tokio Karatekämpferin Bettina Plank hat bei den olympischen Sommerspielen in Tokio ihr persönliches Sommermärchen geschrieben. Die 29-jährige Feldkircherin, Österreichs einzige Vertreterin beim Debüt des Karatesportes im Zeichen der fünf Ringe, hat die vielleicht einmalige Chance genutzt, jemals eine Olympiamedaille zu gewinnen. Plank lieferte im ehrwürdigen Nippon Budokan den Wettkampf ihres Lebens ab und sicherte sich mit Bronze die erste Olympiamedaille einer Vorarlberger Sportlerin bei Sommerspielen. „Ich freue mich einfach nur mega, aber die ganze Sache das ist im Moment noch so unreal, dass ich sie wahrscheinlich erst in ein paar Tagen richtig einordnen kann“, frohlockte die HLSZ-Sportsoldatin unmittelbar vor der Medaillenzeremonie.

Tränenreicher Weg mit Happy End

Nach einer hartnäckigen Pechsträhne, die nach eigenen Angaben extrem am Selbstvertrauen nagte, erhielt Plank nach der sportlich verpassten Qualifikation dank ihres Erfolges bei den Europaspielen 2019 die kontinentale Wildcard für den Olympiastart zugesprochen. „Als ich Mitte Juni erfahren habe, dass ich die Wildcard bekomme, habe ich mich wirklich nicht gefreut. Ich habe geweint, weil ich gesagt habe, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich mag nicht mehr, ich habe keine Energie. Ich war am Tiefpunkt und kaum jemand hätte mir diese Trendumkehr zugetraut“, blickt Plank auf die letzten Wochen zurück.

In vielen kleinen Schritten ist es Plank gelungen, das verlorene Selbstvertrauen wieder skuzessive zurückzuholen. „Ich habe mich total abgeschottet und bin neue Wege gegangen. Es waren so viele Mosaiksteine und so viele Menschen in meinem engeren Umfeld, die dafür gesorgt haben, dass am Tag X genau jenes Ergebnis rausgekommen ist, wovon ich seit fünf Jahren geträumt habe. Eine Medaille bei Olympia zu gewinnen, war das höchste der Gefühle und ich bin unendlich stolz, dass mir dies gelungen ist. Ich möchte mich einfach bei allen bedanken, die zur Realisierung meines Traumes beigetragen haben.“

Wie selbstbewusst und fokussiert Plank in Tokio agierte, zeigt der Wettkampfverlauf. Plank begann mit einer 2:6-Niederlage gegen die japanische 2018-Weltmeisterin Miho Miyahara, ließ dann aber einen 4:3-Erfolg gegen die Kasachin Moldir Zhangbyrbay folgen. „Der Kampf war rückwirkend sicher so etwas wie die Initialzündung. Das Gefühl für die richtige Distanz war wieder da. Ich habe so richtig gespürt, dass was möglich ist.“

Gegen die Ukrainerin Anzhelika Terliuga, die in den letzten zwei Jahren die 55-kg-Klasse dominierte und im Race to Tokio den zweiten Rang belegte, lieferte Plank eine taktische Meisterleistung ab und wahrte mit einem Remis alle Chancen. Zum Abschluss der Round-Robin-Phase lieferte Plank gegen die Ägypterin Radwa Sayed dann ihr Meisterstück ab. Plank diktierte von Beginn an das Kampfgeschehen und erfüllte mit dem 3:1-Sieg die Pflicht, musste sich aber mit ihre Freude noch gedulden. Erst als sich im letzten Poolkampf Terliuga gegen Miyahara durchsetzte und sie in der Mixed Zone wartend endlich den Tabellenstand eingeblendet sah, fiel sie ihrem Trainer Juan Luis Benitez Cardenes in die Arme und ließ den Tränen freien Lauf. „Ich habe nicht nur einmal meinen Trainer gefragt, ob die Medaille wirklich sicher sei.“

Olympiasiegerin voll gefordert

Im Duell um den Finaleinzug lieferte Plank der späteren Olympiasiegerin Iwet Goranowa, die zuvor alle Kämpfe klar für sich entscheiden konnte, ein packendes Duell. Nach einem 0:3-Rückstand glich Plank 17 Sekunden vor Ende mit einem sehenswerten Uramawashi-Geri an den Kopf der Bulgarin und der Ippon-Wertung aus. Da Goranowa aber den ersten Punkt des Kampfes machte und bei einem Remis aufgrund des Senshu-Vorteils Siegerin gewesen wäre, musste Plank alles auf eine Karte setzen und noch einen Gegenpunkt zum 3:4-Endstand hinnehmen. Nach der ersten Enttäuschung überstrahlte aber die Freude über den, aufgrund der Geschnisse in den letzten Monaten nicht zu erwartenden Medaillengewinn alles: „Ich habe nicht Gold oder Silber verloren, sondern Bronze gewonnen. Für mich ging ein Traum in Erfüllung.“ VN-JD

„Ich habe nicht Gold oder Silber verloren! Ich habe Bronze und bin überglücklich.“

Frauen Kumite bis 55 kg 

Gold Iwet Goranowa (BUL)

Silber Anzhelika Terliuga (UKR)

Bronze Bettina Plank (AUT)

 Wen Tzuyun (TPE)

5. Sara Bahmanyar (IR) und Miho Miyahara (JPN); 7. Serap Özcelik Arapoglu (TUR) und Moldir Zhangbyrbay (KAZ); 9. Radwa Sayed (EGY)

Punktefolge in den einzelnen Kämpfen

1. Kampf Miyahara (2:6): 1:0, 1:2, 1:3, 2:3, 2:6)

2. Kampf Zhangbyrbay (4:3): 0:1, 1:1, 1:2, 1:3, 4:3

3. Kampf Terliuga (0:0)

4. Kampf Sayed (3:1): 1:0, 1:1, 2:1, 3:1

Halbfinale Goranowa (3:4): 0:1, 0:2, 0:3, 3:3, 3:4