Bitteres EM-Aus für bärenstarke Österreicher

Sport / 26.06.2021 • 23:48 Uhr
Bitteres EM-Aus für bärenstarke Österreicher
Bitter für Österreich, dass Marko Arnautovic bei seinem Kopfballtreffer um Zentimeter im Abseits stand. AP

Was für ein Fußballabend in Wembley, was für eine Leistung von Österreich gegen Titelfavorit Italien und was für ein bitteres Ende nah 121 spannenden Minuten. Die Treffer fielen allesamt in der Nachspielzeit. Ein Tor von Marko Arnautovic ist wegen Abseits nicht gegeben worden. Für Österreich ist nach der 1:2-Niederlage die EURO damit beendet.

London Tempo, Stimmung, Emotionen – das Spiel brauchte keine Zeit, um in Fahrt zu kommen. Dazu ein erster Aufreger mit einer Gelben Karte gegen Arnautovic nach einem Foul an Verratti (3.). Österreich störte früh und machte es Italien schwer, das Kombinationsspiel aufzuziehen. Doch Italien erhöhte den Druck, vor allem suchten sie schnell den Weg in die Tiefe. Damit hatten die Foda-Schützlinge zusehends ihre Probleme. Und langsam näherte sich die Squadra Azzurra dem Tor. Die erste Großchance stellte sich nach 17 Minuten ein, als Spinazzola Rechtsverteidiger Lainer überlief und dessen Flankenball in den Rückraum von Barella direkt übernommen wurde. Sein Schuss, entgegen der Laufrichtung von Torhüter Daniel Bachmann, wurde von diesem mit einer Fußabwehr noch pariert. Es war der Beginn einer Druckphase, in der die Italiener Alaba und Co. regelrecht einschnürten. Nur einmal schaffte ein Konter über Sabitzer auf Arnautovic, dessen Schuss über das Tor strich (19.), für eine kleine Verschnaufpause. Vielmehr war man mit der Defensivarbeit beschäftigt, wobei man gut gegen den letzten Pass arbeitete.

Glück bei Schuss ans Lattenkreuz

Tempo, Tempo, Tempo – die Italiener versuchten weiter, ihr Spiel sofort in die Tiefe zu lenken. Vor allem nach Ballgewinn ging es schnell nach vorne. Wirkliche Chancen aber ließen die Österreicher nicht zu. Und so versuchte es Immobile aus der Entfernung. Sein Schuss allerdings prallte an das Lattenkreuz – Glück für Bachmann (32.). Es war einer der wenigen Schüsse auf das Tor der Österreicher, die in der Schlussviertelstunde der ersten Halbzeit wieder mehr Akzente zu setzen vermochten. Für Gefahr sorgten dennoch weiter die Italiener, die trickreich und diszipliniert auftraten. So schmeichelte das 0:0 zur Pause ganz klar der Elf in Rot-Weiß-Rot, die zwar defensiv sehr gut arbeitete, doch im Umschaltspiel zu viele Fehler fabrizierte.

EuRO 2020, Achtelfinale

Italien – Österreich 2:1 n. Verl./0:0

London, Wembley Stadium, 18.910 Zuschauer, SR Anthony Taylor (ENG)
Torfolge: 95. 1:0 Chiesa, 105. 2:0 Pessina, 114. 2:1 Kalajdzic (Kopfball)

Gelbe Karten: Di Lorenzo, Barella bzw. Arnautovic, Hinteregger, Dragovic

Italien (4-3-3): Donnarumma; Di Lorenzo, Bonucci, Acerbi, Spinazzola; Barella (68. Pessina), Jorghino, Verratti (68. Locatelli); Berardi (84. Chiesa), Immobile (84. Belotti), Insigne (108. Cristante)

Österreich (4-2-3-1): Bachmann; Lainer (113. Trimmel), Dragovic, Hinteregger, Alaba; Xaver Schlager (106. Gregoritsch), Grillitsch (106. Schaub); Laimer (113. Ilsanker), Sabitzer, Baumgartner (90. Schöpf); Arnautovic (96. Kalajdzic)

Nur Zentimeter fehlten

Giftig, dominant, spielsicher, so präsentierte sich der Favorit in der ersten Halbzeit. Zur Pause gab es keine Wechsel, auch am Spielgeschehen änderte sich nicht viel. Zudem hatte wieder Arnautovic die erste Szene, als er nach einem Fehler von Bonucci einen Konter fuhr, am Ende aber verschoss (49.). Nur wenig später die große Chance zur Führung für Österreich. Nach einem Foul von Di Lorenzo an Baumgartner gibt es einen Freistoß an der Strafraumgrenze. Eine Sache für den Kapitän, doch der Schuss von David Alaba ist um ein paar Zentimeter zu hoch angetragen (52.). Die Österreicher bleiben aber dran und attackieren hoch gegen eine wieder anlaufende italienische Mannschaft.

Österreichs Abwehrriegel aber hielt gegen schön langsam verzweifelnde Italiener. Und immer öfter gelang es, Nadelstiche zu setzen. Viel mehr, Sabitzer und Co. übernahmen das Kommando – und plötzlich war der Ball im Tor. Nach einem Flankenball von Lainer war es Alaba, der den Ball per Kopf auf Arnautovic weiterleitete und dieser überhob per Kopf Donnarumma (65.). Dem Jubel folgten bange Sekunden während der VAR-Überprüfung. Die bittere Erkenntnis? Arnautovic stand Zentimeter im Abseits, das Tor wurde aberkannt. Die spielbestimmende Mannschaft aber war jetzt Österreich. Weil besser attackiert wurde, weil die Bälle besser verteilt wurden und weil bei den Italienern Selbstzweifel aufkamen.

Das Momentum war in der Schlussphase klar bei den Österreichern, die weiter Druck machten. Italien wankte, aber es fiel nicht. Die Squadra Azzurra rettete sich in die Verlängerung. Dabei hatte man vor dem Spiel noch darauf gehofft, dass dies Österreich gelingen möge. Doch mit einer extrem starken Vorstellung hat die ÖFB-Elf dem Gegner fast den Zahn gezogen, allein der krönende Abschluss blieb verwehrt.

Bittere Momente

Mit Beginn der Verlängerung zeigte sich der Respekt bei den Italienern. Die Angriffe wurde bedächtiger, nicht mehr im Extremtempo vorgetragen. Und dennoch gibt es den schnellen Treffer zur Führung für Italien. Weil Chiesa am langen Pfosten vergessen wurde, kann er den Flankenball von Spinazzola herunternehmen und mit links den Ball ins Tor dreschen (95.). Österreichs Reaktion: Kalajdzic ersetzt Arnautovic, der mit den Kräften sichtlich am Ende ist (96.). Der Treffer verändert nicht zum ersten Mal das Spielgeschehen auf dem Feld. Die Italiener ziehen sich zurück und warten auf Konter gegen ein Österreich, das um Offensive bemüht ist. Doch Sekunden vor dem Pausenpfiff in der Verlängerung der nächste Tiefschlag in Form des 0:2. Pessina nützte eine Unsicherheit in der ÖFB-Abwehr und donnert den Ball aus kurzer Distanz in die Maschen.

Mit dem Mut der Verzweiflung und neuen Kräften, Schaub und Gregoritsch, wurden die letzten 15 EM-Minuten in Angriff genommen. Louis Schaub war es auch, der gleich nach seiner Einwechslung Donnarumma zu einer Glanzparade zwang (106.). Sabitzer war der nächste, der eine gute Möglichkeit vergab, als er erst den Ball nicht traf und dann verschoss (110.).

Aber es wurde noch einmal spannend, denn Sasa Kalajdzic gelang der Anschlusstreffer. Nach einem Eckball von Schaub wirft er sich wagemutig in den Ball und trifft (114.) in die kurze Ecke. Italien wankt ein zweites Mal und Österreich wirft alles in die Waagschale. Gregoritsch ist der nächste mit einem guten Abschluss (118.) und die Italiener spielen nur noch auf Zeit. Und die läuft den Österreichern davon. Es sollte nicht mehr reichen. So endet eines der besten Spiele in der rot-weiß-roten Fußballgeschichte mit einer bitteren Niederlage und mit dem EM-Aus. Der Dank aller Fans für einen historischen Abend in der Wembley-Arena ist Alaba und Co. sicher.