Mein EURO-Tagebuch (Teil 10): Den Triumph-Bogen überspannt

Fast auf den Tag genau fünf Jahre sind es vergangen, als am 22. Juni 2016 Österreichs Fußball Trauer trug. Kurz vor 20 Uhr war damals das EM-Aus im Duell gegen Island besiegelt. Zuvor hatten gut 30.000 Fans das Stade de France in Paris St. Denis in ein rot-weiß-rotes Märchen verwandelt. Eine solch stimmgewaltige Unterstützung wird das Team am Montag in Bukarest nicht erfahren und doch gibt es ähnliche Vorzeichen. Allein diese versprechen nichts Gutes.
Zumal Rumäniens Hauptstadt in vielerlei Hinsicht an die Seine-Metropole erinnert. Auf dem Weg in die Stadt münden die Straßen sternförmig am „Arcul de Triumf“, einer kleineren Ausgabe des Triumphbogens von Paris. Ende des 19. Jahrhunderts aus Holz gefertigt, wurde das Bauwerk nach dem Ende des ersten Weltkriegs neu gestaltet und erreichte in den 30ger Jahren das endgültige Aussehen. So wurde das aktuelle Bauwerk, dessen Bogen elf Meter hoch und 9,50 m breit ist, am 1. Dezember, dem Nationalfeiertag in Rumänien, eingeweiht.
Ähnlich wie in Paris tobt rund um den Triumphbogen der Verkehr, trotz großzügig angelegter Straßenzüge wirkt dieser doch chaotisch. Wer schließlich das Stadtzentrum von Nord nach Süd auf der Calea Victoriei („Siegesstraße) durchquert, erlebt noch mehr französische Einflüsse. Frankreichs Haute Cuisine ist in den vielen Lokalen ebenso allgegenwärtig wie die sichtbaren bauhandwerklichen Einflüsse, die sich mit balkanischen und sozialistischen Elementen abwechseln. Nicht besonders schön anzusehen, aber durchaus mitreißend. Dass die Bukaresti stolz auf die zweitmeisten Casinos der Welt, nach Monte Carlo, sind, ist schließlich eine sehr subjektive Einschätzung. Fakt ist jedoch, dass die Sprache (romanisch) mehr dem Französischen denn dem Slawischen ähnelt. Das höfliche Dankeschön „Merce“ ist Beweis genug.
Bleibt mir nur die Hoffnung, dass unser Team den sportlichen Bogen nicht überspannt, sich nicht so wortkarg aus dem Turnier verabschiedet wie 2016 und so den Fluch von Paris besiegt. Zumal bei einem Weiterverbleib im Turnier eine Rückkehr nach „Klein-Paris“ durchaus möglich ist. Damit würde sich der Kreis schließen.