Deshalb hofft Oleg Blochin, dass es sich für die Ukraine und Österreich ausgeht

Im Interview mit Harald Bartl von den Oberösterreichischen Nachrichten wirft Oleg Blochin einen Blick auf das Gruppenfinale am Montag zwischen Österreich und der Ukraine. Und er hofft, dass am Ende beide Teams aufsteigen.
Bukarest In der Ukraine ist Oleg Blochin ein Nationalheiligtum und gemeinsam mit dem Langzeit-Teamchef der Sowjetunion, Walerij Lobanowski, bis heute das fußballerische Aushängeschild des Landes. 1989 war Oleg Blochin der erste Top-Star der damaligen Sowjetunion, dem der Wechsel in den Westen erlaubt wurde. Beim SK Vorwärts Steyr ließ der heute 68-Jährige seine Karriere ausklingen. Im Interview wirft Blochin einen Blick auf das heutige Finale zwischen Österreich und der Ukraine. Und er hofft, dass am Ende beide Teams aufsteigen.
Als Sie vor einem Jahr in Österreich waren, haben Sie ja schon angekündigt, dass es in der Gruppenphase ein Finale zwischen Österreich und der Ukraine geben wird und am Ende beide aufsteigen. Stehen Sie weiter dazu?
Natürlich, es ist bis jetzt so gelaufen, wie ich es mir erwartet habe. Die Niederlande waren der klare Favorit, dahinter haben die Ukraine und Österreich die Chance, genügend Punkte zu holen, damit auch Platz drei reicht. Ich hoffe, es geht sich für Österreich und die Ukraine aus. Obwohl ich trotz meiner Zeit in Österreich natürlich zur Ukraine helfe.
Gibt es für Sie einen Favoriten in diesem Spiel?
Es wird ein ganz enges Spiel, beide Mannschaften haben sehr hohe individuelle Qualität. Die Organisation im ukrainischen Team – speziell die mittlere Linie – gefällt mir sehr gut. Spieler wie Malinowskyi, Yarmolenko, Yaremtschuk oder Bushchan sind absolute europäische Spitzenklasse.
Gewinnt am Ende das Team mit der größeren individuellen Klasse?
Nein, ich glaube, es wird in diesem dritten Spiel binnen weniger Tage vor allem eine Frage des Willens und der Physis sein. Ich erwarte mir eine extrem intensive Partie, in der beide Mannschaften bereit sein müssen, über 90 Minuten ein sehr hohes Tempo zu gehen. Die Ukraine wird dafür bereit sein.
Ukraines Teamchef Andrej Schewtschenko war einst der Star im Team, als Sie Teamchef Ihres Landes gewesen sind. Wie macht er sich als Teamchef?
Ich finde, dass er seinen Job hervorragend macht. Wir haben und hatten immer ein sehr gutes Verhältnis. Ich habe Führungsspielern wie ihm immer gewisse Freiheiten gegeben, solange der gegenseitige Respekt gepasst hat. Das war bei ihm immer der Fall.
In Österreich hat sich die Euphorie vor dieser EURO in Grenzen gehalten. War es in der Ukraine ähnlich?
Nein, bei uns war das exakte Gegenteil der Fall. Diese EURO wurde sehnsüchtigst und ungeduldig erwartet. Die Menschen sind nach der Covid-19-Pandemie seit Wochen hungrig auf Fußball. Es gibt endlich wieder ein Gemeinschaftsgefühl, nachdem man mehr als ein Jahr kein Spiel auf der Tribüne mitverfolgen konnte.
Haben Sie die Affäre rund um die Sperre von Marko Arnautovic mitbekommen?
Ja, ich denke, dass er einen Fehler gemacht hat. Es gehört sich nicht, einen Gegner zu beleidigen. Ich verstehe nur zu gut, dass es oft schwierig ist, die Emotionen zurückzuhalten. Aber vor allem weil er ein Führungsspieler ist, hätte er sich zurücknehmen sollen. Deshalb konnte ich auch die Sperre absolut nachvollziehen.
Werden Sie das Spiel im Stadion verfolgen?
Das wäre im Vorjahr der Plan gewesen, ich arbeite weiterhin für den ukrainischen Verband und bin auch oft für das Fernsehen im Einsatz. Aber nach der Corona-Pandemie habe ich mich dazu entschlossen, daheim zu bleiben.
Haben Sie einen EURO-Favoriten?
Es ist ein Genuss, den Italienern zuzusehen. Ich traue ihnen zu, dass sie diese Europameisterschaft gewinnen. Aber das Turnier ist noch lang, und wir haben es auch schon bisher gesehen, dass Überraschungen immer möglich sind.
Wie behalten Sie Österreich und Oberösterreich in Erinnerung?
Ich werde Vorwärts Steyr ewig dankbar sein, dass man mich damals im Alter von 37 Jahren am Ende meiner Karriere noch geholt hat. Es war nicht einfach, damals 1989 den Transfer in den Westen zu ermöglichen. Meine erste Rückkehr nach Steyr nach 30 Jahren gemeinsam mit meiner Familie im Februar 2020 war auch für mich emotional. Ich habe mich so gefreut, die vielen Gesichter von damals zu sehen. Und noch mehr hat mich gefreut, dass sich offensichtlich so viele Menschen darüber gefreut haben, dass ich zurückgekommen bin.
Daniel Madlener durfte in Steyr mit der Legende spielen
Wenn Daniel Madlener den Namen Oleg Blochin hört, verbindet er mit ihm nur Gutes. In der Saison 1987/88 waren nämlich der gebürtige Feldkircher und der Ukrainer, damals noch als Legionär aus der Sowjetunion, hauptverantwortlich für den Aufstieg mit Vorwärts Steyr von der zweiten in die erste Division. „Oleg und ich haben Steyr in die höchste Liga geschossen und haben eine richtige Euphorie entfacht“, erzählt Madlener, der zugibt, „dass Oleg damals in Steyr vielleicht nicht mehr in der Blüte seiner Karriere stand, aber für die zweite Liga war er eine Klasse für sich“. Nach nur einer Spielzeit trennten sich die Wege der beiden Offensivspieler, „weil der Klub aus mir unerklärlichen Gründen in der 1. Division nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten wollte“, so der heute 56-Jährige über die Ukraine-Legende. Auffallend für Madlener: „Abseits des Platzes war er sehr zurückhaltend, am Platz dafür grandios.“

Daniel Madlener



