EURO-Analyse mit Dieter Alge: Die Grenzen aufgezeigt

Sport / 18.06.2021 • 22:30 Uhr

Es war kein Fußball-Feuerwerk in Orange und dennoch demonstrierte das Oranje-Team, dass es eine reifere Spielanlage als die ÖFB-Elf hat. Nach dem Match wurde allgemein das harmlose Offensivspiel der Österreicher kritisiert. Ja, es haben die Ideen, die Durchschlagskraft gefehlt, dabei ist die Qualität bei Sabitzer und Co. durchaus vorhanden. Ein Thema war zudem die mangelnde Geschwindigkeit der rot-weiß-roten Kicker. Viele dieser Kritikpunkte sind für mich absolut nachvollziehbar und deshalb berechtigt. Einen Punkt jedoch, die Schnelligkeit, möchte ich nicht als Ausrede gelten lassen. Was mir aufgefallen ist, dass viele in ihren Analysen einfach die große Klasse einzelner Spieler der Niederlande vergessen haben. Eine individuelle Stärke, die uns in diesem Spiel ganz klar die Grenzen aufgezeigt haben.
Beide Trainer setzten erneut auf eine Dreierabwehrkette und agierten im Angriff mit einer Doppelspitze. Im Mittelfeld kam es zu einer Pattstellung. Die Gastgeber spielten mit zwei Sechsern und einem Zehner, Österreich hatte Xaver Schlager als Solosechser aufgestellt und Marcel Sabitzer und Konrad Laimer auf den Achter-Positionen platziert.

Abstimmung nicht gut

Aus taktischer Sicht war unser Spiel vor allem in Ballbesitz nicht gut, sondern ermöglichte dem Gegner bei Ballverlust mehrere Konterchancen. Um selbst Torgefahr auszustrahlen, fehlte mir in der Offensive die Beweglichkeit. Die Abstimmung im Spiel in die Tiefe muss besser werden. Wobei man nicht vergessen darf, dass die Abwehr der Niederlande den ÖFB-Angreifern diese Gelegenheiten kaum zugelassen hat.
Die Statistik zeigt jedoch, dass nicht die Geschwindigkeit den Unterschied in der Offensive machte, sondern die besseren Laufwege der Holländer für den Sieg ausschlaggebend waren. Denn mit Konrad Laimer, der eine Höchstgeschwindigkeit von 35 Stundenkilometer erreicht, hatte Österreichs Team wohl den schnellsten Spieler an diesem Abend in ihren Reihen. Auch Sabitzer (33 km/h) oder Christoph Baumgartner bringen viel Tempo mit. Hollands Stürmer Memphis Depay (34 km/h), Wout Weghorst (32 km/h) oder Georginio Wijnaldum (33) etwa, sind letztendlich nicht schneller als unsere Spieler. Allein sie laufen bzw. spielen die Bälle dorthin, wo es im Fußball eben weh tun kann.
Nun wartet auf die ÖFB-Elf gegen die Ukraine ein Finalspiel, bei dem eine Prognose schwer voraus zu sagen ist. Ich wünsche mir im letzten Gruppenspiel eine kompaktere Leistung in der Defensive. Das ist jedoch nur möglich, wenn Martin Hinteregger endlich seine „Ausflüge“ in die Offensive besser steuert. Zudem steht mit Marko Arnautovic dem Teamchef wieder ein Spieler zur Verfügung, der bei der Spielphilosophie von Franco Foda einfach unentbehrlich ist.