Zu Hause bei Alex Pastoor: Wenn das Meer hilft, Sorgen zu vergessen

Zu Hause bei Alex Pastoor, dem Ex-Trainer des SCR Altach. Der Niederländer zeigt sich einmal von seiner ganz privaten Seite.
Camperduin Der Wind streicht über die Dünen von Camperduin, doch an den wenigen windstillen Orten ist im Nordwesten der Niederlande bereits der Sommer eingekehrt. Vereinzelt verirren sich erste Badegäste an die breiten Strände, die an manchen Tagen den Blick nach England gewähren. „Wir haben jeden Tag Wind. Und wenn ich mal meine, keinen zu verspüren, dann bläst er mir auf dem Fahrrad ins Gesicht.“ Wie wahr, denn wer sollte es besser wissen als Alex Pastoor. Nur zwei Straßenkehren hinter den Dünen, im beschaulichen Schoorl, wohnt der ehemalige Trainer des Cashpoint SCR Altach. „Ja, es tut noch weh“, verrät der 54-Jährige. Auch seine Frau Mirelle und sein Sohn Tommy hatten sich in Vorarlberg wohlgefühlt. „Wir haben sehr viele Freunde gewonnen“, denkt er gerne daran zurück – und: „Ich werde nie etwas Negatives über Altach sagen.“
Der ehemalige Profi, der in Amsterdam geboren wurde und nach sechs Monaten mit den Eltern nach Alkmaar übersiedelte, hat seinen sportlichen Frieden zwar noch nicht gewonnen, doch die Natur hilft, die Geschehnisse zu verarbeiten. „Das Meer nimmt dir alle Sorgen“, sagt er und weist beim Besuch in seinem Haus auf das Gedicht, dass ein Meeresbild auffrischt. Dass er derzeit täglich an den Strand geht, sei auch „Beppie“ geschuldet. „Ein altmodischer Mädchenname“, klärt Pastoor auf und erzählt die Geschichte des Hundes. Dieser gehöre seiner Tochter und sei ein rumänischer Straßenhund. Damit schließt sich der Kreis zur Fußball-EM wieder.
Vertragsauflösung lässt warten
Ob er den Fußball vermisse, frage ich Pastoor. „Im Moment nicht wirklich“, sagt er ganz offen. Das, so ehrlich ist er, könne sich ganz schnell ändern. „Sofern das Richtige dabei ist.“ In Altach nämlich würden sie sehr viel richtig machen. „Nicht so wie in Hartberg oder früher in Mattersburg“, wo alles an der Präsidentin oder am Klubchef liege bzw. gelegen sei. Pastoor ist also noch nicht fertig mit Altach, auch was die Verhandlungen einer möglichen Vertragsauflösung betrifft. Diese sind vorerst einmal auf Eis gelegt worden. Weil er im Grunde genommen als Mensch nicht die Konfrontation sucht und Geldverhandlungen darauf hinauslaufen. Weil er sich zudem lieber anderen Dingen widmet. Pastoor hat seine Begabung als Maler entdeckt. So gibt es wohl kaum einen Teil des Hauses, wo er sich derzeit nicht mit dem Pinsel „bewaffnet“ an Verschönerungen versucht. Auch der Garten habe in Zeiten der Arbeit gelitten.
Von der Trainerbank zum Hausmann? Pastoor hat damit wenig Probleme. Zumal seine Fußball-Expertisen weiter gefragt sind. So ist er am Donnerstag (10 Uhr) beim Internet-Portal www.vi.nl zu Gast. Und für die VN wird er die beiden Gegner Österreich und Niederlande genau analysieren. Doch es bleibt auch Zeit, sich bei einer Rad-Sternrundfahrt für einen sozialen Bereich zu engagieren. Und Hündin „Beppie“ fordert ihn bei den täglichen Spaziergängen, weil sie sehr ausdauernd ist und nicht immer seinen Worten Folge leistet.



