Mein EURO-Tagebuch (1): Es ist Fußball und doch ist alles ein wenig anders

Ein wenig verwildert wirkt sie in diesen Tagen, die Esplanade mit ihren verzweigten Fußwegen zur und von der Arena in München. Doch Eu(ro)phorie sieht anders aus, selbst der Namenszug am Stadionoval ist aus vertraglichen Gründen schon entfernt worden. Die UEFA duldet keine fremden Sponsoren, stattdessen weisen EURO-Banner die Richtung zur „Fußball Arena München, wie das Bayern-Stadion während der Endrunde offiziell heißt. All das scheint die wenigen Spaziergänger im Norden der bayrischen Hauptstadt wenig zu interessieren.
Für mich beginnt an diesem Ort eine ungewöhnliche Reise durch Europa. War doch schon die Idee an ein paneuropäisches Fußballfest eine absurde, so ist es in Zeiten einer Pandemie durchaus herausfordernd, nicht nur logistisch. Kann der Fußball Türöffner für ein Stück weit mehr Normalität sein? Vor einem Jahr noch undenkbar, rückt die Großveranstaltung nämlich die gesellschaftliche Bedeutung des Sports in den Mittelpunkt. Über die angebliche Sonderstellung des Fußballs wurde oft diskutiert, doch er hat Wege aufgezeigt, besser mit der Pandemie zu leben. Covid-19 wird uns durch und über die Europameisterschaft hinaus begleiten, das darf nicht vergessen werden. So gesehen ist diese Großveranstaltung für mich nicht nur Ablenkung vom Alltag, sondern auch eine Chance, sich mit den neuen Gegebenheiten auseinander zu setzen.
Und dazu gehört mehr als sich dreimal die Hände zu desinfizieren, während man im Akkreditierungscontainer drei Stationen durchläuft, bei denen einmal sogar der eigene Pass in einem Kuvert versiegelt wird – um dieses kurz danach wieder zu öffnen. Die Reise kann beginnen …