Ein Harder in seinem Wiener Wohnzimmer

Sport / 07.06.2021 • 07:00 Uhr
Ein Harder in seinem Wiener Wohnzimmer
Mit dem Alpla HC Hard hat Goalie Thomas Hurich bislang je einen Meistertitel und Cupsieg geholt und feierte drei Triumphe im ÖHB-Supercup. STIPLOVSEK

Goalie Thomas Hurich will am Montag gegen seinen Ex-Klub Margareten zweiten Meistertitel holen.

Hard Wenn Thomas Hurich heute zum zweiten Spiel in der Best-of-three-Finalserie Spusu-Liga die Mehrzweckhalle Hollgasse im fünften Wiener Gemeindebezirk Margareten betritt, kann man sprichwörtlich vom Eintritt in das Wohnzimmer sprechen. Kein anderer Akteur der Alpla HC Hard kennt jeden Winkel und jeden Zentimeter Hallenboden besser als der gebürtige Wiener. Bis zu seinem 20. Lebensjahr trug Hurich das Trikot der Fivers, durchlief sämtliche Jugendmannschaften und feierte zahlreiche Erfolge in den Diensten des 1919 gegründeten Traditionsvereins, der seit 1982 ohne Unterbrechung der höchsten österreichischen Liga angehört.

„Aus meiner Sicht ist es schwieriger, Tore zu verhindern, als eines zu werfen.“

Thomas Hurich, Goalie Alpla HC Hard

In den Westen

Nach der Matura wechselte Hurich 2011 für eine Saison zu WAT Fünfhaus in die B-Liga, ehe er für vier Jahre in Leoben zwischen den Pfosten stand. Im Frühjahr 2016 kam dann das Angebot von Hard-Sportchef Thomas Huemer, ob er sich einen Wechsel an den Bodensee vorstellen könnte. „Für mich war der Wechsel zu Hard die beste Entscheidung, die ich in meiner Karriere getroffen habe. Ich habe mich von der ersten Sekunde an im Ländle wohlgefühlt und habe von der Rolle als Backup hinter Golub Doknic enorm profitiert.“
Keine Zweifel bestehen für Hurich auch, warum er sich für die Position des Torhüters entschieden hat. „Mein Vater Reinhard, sicher vielen Handballkennern in Vorarlberg noch als Schiedsrichter in Erinnerung, war zu seiner aktiven Zeit selbst Tormann. In meiner Jugendzeit, als ich parallel neben dem Handball auch noch Eishockey gespielt habe, war ich auch immer Goalie. Aus meiner Sicht ist es schwieriger, Tore zu verhindern, als eines zu werfen. Dies ist ganz sicher der einzigartige Reiz an der Position des Handballtormannes und dafür lohnt es sich, das Risiko eines Wurfes ins Gesicht in Kauf zu nehmen“, betont der mit 1,80 Meter relativ kleine, aber extrem reflexschnelle Schlussmann.

Freud und Leid mit den Erfolgen

Der Umstand, dass Thomas Hurich seit nunmehr fünf Saisonen beim Alpla HC Hard unter Vertrag steht, sorgt aber nicht bei allen Familienmitgliedern für uneingeschränkte Begeisterung. Besonders nicht beim vier Jahre älteren Bruder Christoph, der in einer anderen Form in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und seit zwei Jahren IHF-Schiedsrichter ist. „Bei jedem Telefonat mit ihm kommt dieselbe Frage, wie lange ich noch in Hard spiele oder Vertrag habe. Da ich seit meinem Wechsel mit Hard immer im Finale gestanden bin, wurde Christoph nie mehr zu einem Spiel der Finalserie eingeteilt. In diesem Fall ist des einen Freud des anderen Leid. Für mich gibt es eigentlich keinen Grund, warum sich daran etwas ändern sollte“, betonte der jüngere der beide Hurich-Brüder mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Ersten Titel in Wien geholt

Optimitisch zeigt sich der Hard-Goalie, der beim ersten Finalspiel in der 46. Minute (Spielstand 21:21) eingewechselt wurde und mit seinen drei Paraden in der Schlussphase zum 28:27-Gesamtsieg beitrug, vor der Heimkehr an seine ehemalige Wirkungsstätte. „Ich habe überwiegend positive Erinnerungen an die Hollgasse. In meiner ersten Saison in Hard haben wir 2017 den Meistertitel hier geholt, ein Jahr später 2018 wurden wir Cupsieger und zwei der drei Supercuptriumphe habe ich hier gefeiert. 2018 haben uns die Fivers in Hard den Titel weggeschnappt und jetzt wäre es an der Zeit, dass wir uns am Montag mit dem Titelgewinn revanchieren würden.“
Zwei Wiener werden am Montag ganz sicher die Daumen für die Roten Teufel drücken: Die Eltern Margit und Reinhard Hurich. Seit Beendigung seiner SR-Karriere sind der ehemalige EHF-Referee und seine Gattin fast bei jedem Spiel der Roten Teufel in der Sporthalle am See zu Besuch. „Ich glaube, mein Vater kann die Strecke von Wien nach Hard blind zurücklegen. Sie waren beim ersten Finale da und würden sicher auch zum dritten Duell kommen. Doch diesen Weg will ich ihnen ersparen und lieber mit ihnen in der Hollgasse feiern.“