120.000 Trainingsfahrten als beeindruckende Zahl

Die Flexenarena in Zürs war schon im ersten Winter ein wichtiger Baustein für die Vorarlberger Skierfolge.
Zürs Die Diskussion um die neue Trainingsstätte des Vorarlberger Skiverbandes (VSV) ist auch nach dem WM-Winter nicht Schnee von gestern. Befeuert von einer möglichen Streichung des Parallelbewerbs aus dem FIS-Weltcupprogramm 2021 hatte die Landtagsabgeordnete Nadine Kasper (Grüne) in einer Anfrage u. a. die finanzielle Förderung der Rennstrecke hinterfragt. Was in der Nachfrage jedoch vergessen wurde, ist die Wichtigkeit der Piste für den Trainingsbetrieb im traditionsreichen Wintersportland Vorarlberg. Für VSV-Präsident Walter Hlebayna lässt es sich gerade nach einem der sportlich erfolgreichsten Winter für den Vorarlberger Skisport mit mehreren Alpinen WM-Medaillen in einem Satz zusammenfassen: „Die Piste ist ein Gewinn für den Sport, sie ist aber nicht nur Sport-, sie ist auch Bewegungsstätte.“
Dass im Winter viel Bewegung in der Flexenarena stattfand, belegen auch die Zahlen und die zufriedenen Athletinnen und Athleten nach den Trainingseinheiten. Denn bei 102 Höhenmetern und einem durchschnittlichen Gefälle von 26 Prozent fordert die Strecke den Fahrerinnen und Fahrern auf 365 Metern Länge alles ab. Allein in den drei Wochen nach dem Weltcup 2020, vom 28. November bis zum Start der regulären Skisaison sind 25.000 Trainingsfahrten absolviert worden. Über den Winter zählte Daniel Huber vom Ski-Club Arlberg 600 Trainings. „Das sind umgerechnet zwischen 120.000 und 140.000 Fahrten.“ Imposante Zahlen, wie auch Philipp Zangerl, Vorstandsvorsitzender der Ski-Zürs AG, meint. „Das ist enorm, denn dabei handelte es sich allein um Trainingsfahrten und keine Rennen. Das zeigt auf, wie sehr der Nachwuchs, aber auch die Spitzenfahrer von der nahen Trainingsmöglichkeit profitiert haben.“

Daniel (links) und Michael Huber
„Bis Ende Mai werden die Flutlichtmasten entfernt und über die Sommermonate gelagert.“
Daniel Huber, Skiclub Arlberg
Für Roland Frühstück, ÖVP-Klubchef und Sportsprecher, sind die 1,3 Millionen Euro an Förderung durch das Land nicht nur deshalb gut investiert. „Die Möglichkeit der kurzen Wege ist für den Nachwuchs äußerst wertvoll. Gerade die Schulen profitieren zudem von der Flutlichtanlage, können doch so die Trainingseinheiten etwas später geplant werden.“ Eine gute Infrastruktur, so Frühstück, stehe einem „anständigen Sportland“ gut zu Gesicht. Die Kostenfrage sei jahrelang diskutiert worden, ebenso lange habe Olympiasieger Patrick Ortlieb in seiner Zeit als VSV-Präsident für Trainingsstrecken gekämpft. Durch die Möglichkeit eines Weltcuprennens habe man schneller gehandelt, zumal die frühere Auszahlung der ersten finanziellen Tranche auch den Bau der Flutlichtanlage beinhaltet habe. „Damit auch bei Licht trainiert werden kann“, sagt Frühstück. Gerade im Winter sei das wichtig.

Nadine Kasper 
Roland Früstück
So ist er nicht verwundert, wenn Daniel Huber von extrem positiven Rückmeldungen der Skiclubs aus den Talschaften Brand, Walgau, Walsertal oder Rheintal, aber auch seitens der Skihauptschule Schruns berichtet. Doch es war nicht nur der Nachwuchs, der die perfekt präparierte Piste in Zürs, die dem Skiverband kostenfrei zur Verfügung gestellt wird, nützte. Doppelweltmeisterin Katharina Liensberger holte sich am Arlberg ihren letzten Schliff, wie auch Junioren-Weltmeister Patrick Feurstein, der nach seiner Verletzungspause mit vielen privaten Einheiten wieder in Schwung kam. Österreichs Technikermannschaft hatte nach dem Weltcup noch einen Trainingstag in Zürs verbracht, mit Ende der Skisaison waren es schließlich 15 Nationen, die für Trainingseinheiten angereist waren.
Viele Nationen sollen es dann Mitte November ebenfalls sein, sofern der Weltcup-Parallelbewerb seitens der FIS im Kalender bestätigt wird. In der “Tiroler Tageszeitung” hat FIS-Renndirektor Markus Waldner jedenfalls gemeint: „Lech/Zürs wird sicher drinnen sein.“ Auch im Hinblick auf die Alpin-Junioren-WM 2023 in St. Anton wäre die Strecke ein Rennen wert.

Marc Girardelli 
Katharina Liensberger 
Nina Ortlieb