Westderby als Duell der Bomber

Austria Lustenau gegen Wacker Innsbruck oder Haris Tabakovic gegen Ronivaldo.
Lustenau Das Westderby zwischen Austria Lustenau weckt Erinnerungen. Vor allem aus Lustenauer Sicht. Natürlich denken die Fans nur zu gerne an das ÖFB-Cup-Halbfinale aus dem Vorjahr zurück, als die Austria Wacker Innsbruck vor vollem Haus und grandioser Kulisse mit 1:0 besiegten und in das ÖFB-Cup-Finale einzogen. Torschütze damals: Ronivaldo. Wer sonst, könnte man meinen. Der Brasilianer erzielte in drei Jahren im Dress der Grün-Weißen sagenhafte 72 Volltreffer in 87 Spielen – und machte sich zum besten Torschützen der Vereinsgeschichte. Genau dieser Torjäger spielt am Sonntagvormittag wieder im Planet Pure Stadion. Nur eben im Dress von Wacker Innsbruck. Dabei trifft er auf seinen legitimen Nachfolger. Haris Tabakovic steht dem Brasilianer, geht es nach der Torquote, um nichts nach. Der Schweizer ließ den Ball in nur 15 Spielen schon zwölf Mal im Netz zappeln. Der 26-Jährige, erst im September 2020 zum Klub gestoßen, brauchte nicht lange, um zeigen, was ihn zum perfekten Torjäger macht. Einer, der beide beurteilen kann, ist Austria Lustenaus Tormanntrainer Mathias Nesler. Der 33-Jährige, seit Sommer 2016 beim Klub, wurde Zeuge der insgesamt 84 Volltreffer der beiden Scharfschützen und kann daher aus dem Nähkästchen erzählen.
“Beide zu vergleichen ist schwierig, weil beide unterschiedliche Stärken haben. Aber eines haben sie definitiv gemeinsam: den Instinkt, Tore zu machen.“
Mathias Nesler, Tormanntrainer Austria Lustenau
Instinkt pur

Nesler will aber von einem Vergleich Abstand nehmen, zu unterschiedlich agieren in seinen Augen die Vollblutstürmer. „Das ist schwierig, weil beide unterschiedliche Stärken haben. Aber eines haben sie definitiv gemeinsam: den Instinkt Tore zu machen“, erklärt der 33-Jährige. Bei Ronivaldo beeindruckt Nesler dessen perfektes Kopfballspiel, trotz der geringen Größe von nur 1,73 Meter. „Dazu ist er ein Stürmer, der extrem beweglich ist, sich überall in der Offensive bewegt, sich gerne auch angeboten hat und entgegengekommen ist, um anspielbar zu sein. Haris ist der klassische Box-Stürmer, der genau weiß, wann er wo zu sein hat, um torgefährlich zu sein. Dazu kann er die Bälle extrem gut halten, setzt seinen Körper (1,94 Meter) perfekt ein, wenn er in der Tiefe angespielt wird. Das macht es für die gegnerischen Verteidiger extrem schwer“.
Gemeinsam haben beide Stürmer auch, dass sie sofort nach Engagement eingeschlagen haben, „wobei man sowohl bei Haris als auch Ronivaldo nicht vergessen darf, dass sie bevor sie zur Austria kamen, lange Verletzungen hinter sich hatten. Deshalb ist beiden hoch anzurechnen, wie schnell sie funktionierten,“ erläutert Nesler, der sich zugegebenermaßen nach dem Abgang von Ronivaldo im Sommer 2020 schon die Frage stellte, „wer Roni adäquat ersetzen kann. Einen Torgaranten kannst du nicht einfach so einkaufen, da muss vieles passen. Aber Haris lebte von Tag eins seine professionelle Einstellung vor, arbeitet hart und erntet nun fast in jedem Spiel die Früchte“.
Tore vom ersten Tag an
Die Gründe, warum sowohl Ronivaldo als auch Tabakovic bei der Austria „funktionierten“ und sich zu wahren Tormaschinen entwickelten, weiß Nesler genau: „Weil die jeweiligen Trainer schnell erkannten, dass man das Spiel der Mannschaft schon auf den Stürmer zuschneiden sollte – wenn man schon solche Waffen im eigenen Angriff hat.“
Aus Sicht eines Tormanns kann sich Nesler vorstellen, wie es sich anfühlt gegen solch Torjäger zu spielen, „weil beide eben eiskalt sind vor dem Tor. Da brauchst du als Goalie schon einen Sahnetag. So wie Domenik Schierl beim 0:0 in Innsbruck, als er Ronivaldo den Zahn ziehen konnte. Aber eine Garantie darauf hat man bei diesen Kalibern nicht“. Dass Ronivaldo erst vier Treffer für Wacker erzielen konnte, sieht Nesler als nur allzu menschlich an: „So eine Torquote, wie er sie bei der Austria hatte, zu halten, ist dann eben auch nicht so einfach“. Es wäre dem Lustenauer Tormanntrainer aktuell auch lieber, der Wacker-Stürmer würde seine 722 Minuten lange Ladehemmung in Lustenau verlängern. „Haris kann von mir aus schon wieder eine Kiste machen“, schmunzelt Nesler.
Fussball, 2. Liga
19. Spieltag
SC Austria Lustenau – FC Wacker Innsbruck Sonntag
Lustenau, Planet Pure Stadion, 10.30 Uhr



