Karatekas schnuppern Wettkampfluft

Olympiakandidatin Plank, Devigili und Nigsch bei Länderkampf gegen Deutschland dabei.
Salzburg Der Entscheidungstag rückt immer näher. In 4,5 Monaten, genau nach dem vom 11. bis 13. Juni in Paris geplanten Qualifikationsturnier steht fest, wer bei der Olympiapremiere der Karatesports in Tokio auf der Matte stehen wird. Besonders Bettina Plank sehnt deshalb die Rückkehr auf die Kampffläche sehnlichst herbei. „Wenn man elf Monate sprichwörtlich von Woche zu Woche vertröstet wird und immer nur mit Einschränkungen trainieren kann, ist es enorm nervig“, betont die 28-jährige Feldkircherin. „Es ist nahezu unmöglich, in einem Trainingskampf die Wettkampfatmosphäre zu simulieren. Obwohl man es versucht, kann man beim Sparring nie die erforderliche Anspannung eines Wettkampfes erreichen.“
Internationaler Start erneut verschoben
Da zu Beginn der Woche das Mitte Februar geplante Premier-League-Turnier in Lissabon abgesagt wurde und auf internationaler Ebene vom 12. bis 14. März in Baku das erste WKF-Turnier stattfindet, kommt für Plank der von Karate Austria am Sonntag im Olympiazentrum Rif in Salzburg organisierte Ländervergleichskampf gegen Deutschland zum richtigen Zeitpunkt. „Letztes Wochenende war ich bei einem Einladungsturnier in Caorle. Obwohl ich vier der fünf Kämpfe gegen Topgegnerinnen mit 0:1 verloren habe, war es eine enorm wichtige Standortbestimmung. Ich wusste nicht, wo meine Stärken liegen, habe viel ausprobiert und auch riskiert. Die Ergebnisse hatten keine Priorität. Viel wichtiger war, dass ich nach der langen Wettkampfpause wieder einmal eine realistische Rückmeldung bekomme. Ich war einfach froh und glücklich, nach der langen Zwangspause endlich wieder Wettkampfluft geschnuppert zu haben.“
So wie in Italien bekommt sie es beim Länderkampf mit hochkarätigen Gegnerinnen zu tun. Mit Jana Messerschmidt und Shara Hubrich stehen im Aufgebot der Deutschen zwei direkte Konkurrenten von Plank im Kampf um den Olympiastartplatz in der 55-kg-Klasse. Die 30-jährige Messerschmidt nimmt aktuell Rang vier im Race to Tokio ein und ist Fünfte in der Weltrangliste. Die 23 Jahre alte Hubrich, die normalerweise wie Plank in der 50-kg-Kategorie kämpft, nimmt die Ränge elf in der Tokio-Qualifikation und sieben im WKF-Ranking ein. „Ich könnte mir keine bessere Standortbestimmung vorstellen. Sowohl Jana als auch Shara gehören zum Kreis der Weltbesten. Es wird ein richtiger Härtetest und ich bin bereit und richtig heiß darauf“, erklärt die 2019-Europameisterin und Gewinnerin der Europaspiele 2018.
Apropos Europaspiele: Dieser Triumph von Plank könnte sich rückwirkend doppelt bezahlt machen. Sobald die Olympiaqualifikation abgeschlossen ist, erfolgt vom Weltverband die Vergabe der beiden Wildcards für Tokio. „Damit spekuliere ich nicht und denke nicht daran. Mein Ziel ist es, mir auf sportlicher Ebene den Quotenplatz zu holen“, erklärt Plank, im Race to Tokio Siebte und Dritte in der 50-kg-Weltrangliste.
Nachwuchs-Asse Devigili und Nigsch dabei
Mit der im Sommer 18 Jahre alt werdenden Hanna Devigili (KC Götzis) und dem 17-jährigen Adrian Nigsch (KC Blumenegg) stehen weitere heimische Karatekas im Aufgebot. Da beim Ländervergleichskampf lediglich in den sechs olympischen Gewichtsklassen gekämpft wird, muss Devigili von der 59-kg-Klasse in die Kategorie bis 61 kg ausweichen. Nigsch, normalerweise in der Klasse bis 75 kg kämpfend, steigt in die Openklasse (über 75 kg) auf.

Da erst nach Erhalt der Ergebnisse der vorgeschriebenen PCR-Tests vor Ort der detaillierte Ablauf und die Kampffolge erfolgt, ist noch offen, zu welchen Duellen es kommt. Um beim Restart allen Karatekas möglichst viele Kämpfe zu ermöglichen, wird es auch einen gesonderten Wettbewerb für alle Unter-21-Jährigen geben.
Saisonhöhepunkt von Devigili und Nigsch ist die Junioren-Europameisterschaft, die vom 20. bis 22. August im finnischen Tampere über die Bühne gehen soll.